Halbaffen

Katta

Katta (Lemur catta) im Tierpark Berlin Katta (Lemur catta) im Tierpark Berlin
© KR, Berlin

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Halbaffen (Prosimia) = Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini)
Familie: Makis (Lemuridae)

Taxonomen haben ein Talent, neue Tierarten rascher zu erfinden, als sie aussterben können. Durch die Aufspaltung bekannter Arten stieg die Zahl der Lemur / Eulemur-Arten von 6 im Jahr 1994 auf 13 im Jahr 2008 (MITTERMEIER et. al., 2008). Elf dieser Arten werden in VdZ-Zoos gehalten.

D NT 650

Katta

Lemur catta
Engl.: The Ring-tailed Lemur
Franz.: Le maki catta

Katta im Allwetterzoo Münster © Peter Dollinger, VdZ
Katta im Allwetterzoo Münster © Peter Dollinger, VdZ
Potenziell gefährdet (Rote Liste: NEAR THREATENED).

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Verbreitung: Süd- und Südwest-Madagaskar

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Basel, Berlin-Tierpark, Bernburg, Bochum, Cottbus, Duisburg, Eberswalde, Erfurt, Frankfurt, Hamburg, Hamm, Hannover, Heidelberg, Karlsruhe, Landau, 106-001-002-001 l catta map
Verbreitung des Kattas (Lemur catta)
Linz, Magdeburg, Marlow, München, Münster, Rheine, Rostock, Saarbrücken, Salzburg, Schmiding, Schwerin, Straubing, Ueckermünde, Wien

Anlage für Kattas im AllwetterZoo Münster © Peter Dollinger, VdZ
Anlage für Kattas im AllwetterZoo Münster © Peter Dollinger, VdZ
Europäisches Zuchtbuch (ESB) seit 1994

Besonderes: Kattas sind tagaktiv, lieben Sonnenbäder und strecken in den Freigehegen häufig mit ausgebreiteten Armen ihre Vorderkörper der Sonne entgegen, um dann in dieser Stellung zu verharren. Ihr Futter besteht vor allem aus Früchten, wie Feigen oder Opuntien, Blättern und sonstigem Pflanzenmaterial. In geringerem Umfang nehmen sie auch tierische Nahrung zu sich. Zum Schlafen legen sie sich zu einem großen Knäuel zusammen. Eine Gruppe besteht aus bis zu 25 Tieren und setzt sich aus erwachsenen Männchen Kattaweibchen mit Jungtier im Tierpark Ueckermünde © Tierpark Ueckermünde
Kattaweibchen mit Jungtier im Tierpark Ueckermünde © Tierpark Ueckermünde
und Weibchen sowie Halbwüchsigen und Säuglingen zusammen. Anders als bei den meisten Primaten sind bei den Kattas die Weibchen das sozial dominante Geschlecht.

Kattas markieren ihr Revier mit Sekreten aus After- und Armdrüsen. Da sie sich im Zoo, wie andere Zootiere auch, nicht als Gefangene, sondern als Besitzer ihres Geheges verstehen, bringen sie ihre Duftmarken selbstverständlich auch im Gehege an. Im Katta im Tiergarten Schönbrunn Wien © Daniel Zupanc
Katta im Tiergarten Schönbrunn Wien © Daniel Zupanc
Sozialverhalten kommt dem Ringelschwanz, der beim Gehen als Erkennungssignal senkrecht in die Höhe gestreckt wird, eine große Bedeutung zu. Mit seiner Hilfe tragen die Männchen auch sogenannte "Stinkkämpfe" aus. Sie bestreichen ihren Schwanz mit Sekreten aus ihren Unterarmdrüsen und schwenken ihn in Richtung Gegner. So werden sowohl Rangordnungsstreitigkeiten geregelt als auch das Revier gegen fremde Gruppen verteidigt.

Begehbare Katta-Anlage im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, VdZ
Begehbare Katta-Anlage im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, VdZ
Nach einer Tragzeit von 130 bis 135 Tagen werden – auf der Nordhemisphäre immer im Frühling – die Jungen mit einem Gewicht von etwa 60 Gramm geboren, meistens eines, aber auch Zwillinge und selten Drillinge. Diese werden von der Mutter erst am Bauch, später auf dem Rücken getragen und fünf Monate gesäugt.

Die Zucht bietet im Zoo keine Schwierigkeiten. So wurden z.B. im Zoo Karlsruhe von 1983-2007 nicht weniger als 56 Jungtiere, im Zoo 106-001-002-001 stamp catta ddr
Briefmarke mit Katta-Motiv. DDR
Frankfurt von 1957-2006 63 Jungtiere geboren. Aufgrund ihrer attraktiven Zeichnung, der Tatsache, dass sie in größeren Gruppen gehalten werden können, und weil sie gegenüber Besuchern so friedlich sind, dass begehbare Gehege möglich sind, sind Kattas in zoos sehr populrär und ihr Bestand in europäischen Zoos umfasst über 1300 Tiere.

Im Freiland bewohnen Kattas hauptsächlich winterkahle Trockenwälder, Galeriewälder und Dornbusch. Es gibt aber im Andringitra-Massiv eine Population, die bis auf über 2500 m hoch geht und Gebirgsheide, subalpine Vegetation und nackten Fels besiedelt. Auf dieser Höhe fallen von Juni bis August die Nachttemperaturen auf deutlich unter Null Grad und stehende oder langsam fließende Gewässer können gefrieren. Die Vorgabe des Säugetiergutachtens 2014 des BMEL, wonach die Raumtemperatur bei 15 – 25 °C liegen soll, ist daher beim Katta nicht allzu wärtlich zu nehmen.

Ferner stipuliert das Säugetiergutachten, dass Makis mindestens dreimal täglich zu füttern sind, wobei zusätzlich zu Obst und Gemüse u.a. auch Nüsse angeboten werden sollen. Dies sollte man besser nicht tun, denn sonst verfetten die Tiere mit Sicherheit. SCHWITZER (2003) stellte bei 8 Kattas aus zwei VdZ-Zoos Gewichte von 2620-3700, im Mittel 3230 Gramm fest, dies bei einem Normalgewicht im Freiland von 2200 Gramm.

Wie Kattas gehalten werden (Beispiele):
Lemureninsel im Allwetterzoo Münster
Afrika-Savanne im Zoo Salzburg
In Eberswalde laufen die Kattas frei im ganzen Zoo.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BATTERMANN, A. (2011)
SCHWITZER, C. (2003)   
SICK, N. (2015)
VOORMANN, A.-J. (1998)
VOSS, S. (2009)   
WANKA, S. (2015)
ZEITRÄG, C. (2014)

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Briefmarke mit Katta-Motov, Madagaskar
Literatur:
GOODMAN, S.M. & LANGRAN, O.(1996)
MITTERMEIER, R.A., RYLANDS, A.B. & WILSON, D.E. (2013)

PD - 26.12.2008; mehrfach aktualisiert

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