Halbaffen

Bengalischer Plumplori

Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg
© Zoo Augsburg

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Halbaffen (Prosimia) = Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini)
Familie: Loris (Lorisidae)

Heute werden drei (WILSON & REEDER, 2005) bis fünf (Rote Liste, MITTERMEIER et al., 2013) Arten Plumploris und zwei Arten Schlankloris unterschieden . Zwei bzw. eine Art werden in VDZ-Zoos gehalten.

D VU 650

Bengalischer Plumplori

Nycticebus bengalensis
Engl.: The Bengal Slow Loris
Franz.: Le loris lent de Bengale

Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg
Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg
Wegen Zerstörung des Lebensraums und zu hohem Jagddruck haben die Bestände in den letzten Jahrzehnten massiv abgenommen und eine Trendwende ist nicht in Sichte. Die Art gilt daher als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE)

Verbreitung: Bangladesch, China, Indien, Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam, ev. Malaysia.

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Verbreitung des BengalischenPlumploris (Nycticebus bengalensis)
Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg

Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg © PB, Augsburg
Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg © PB, Augsburg
Für diese Art gibt es in Europa kein Zuchtbuch oder Zuchtprogramm.

Besonderes: Die 34-38 cm langen Plumploris haben einen rudimentären Schwanz und wiegen 650-2100 g. Sie bewegen sich im Zeitlupentempo. Am Boden laufen sie im Kreuzgang. Wenn sie flüchten, richten sie die Augen starr auf den vermeintlichen Feind und klettern dann Schritt für Schritt mit dem Hinterteil zuerst aufwärts. Im Geäst halten sie sich oft nur mit den Hinterbeinen fest und haben so die Hände frei zum Festhalten von Futter, wie Früchten, Nüssen, Blüten, Eiern, Insekten und kleinen Wirbeltieren. Ein wichtiger Bestandteil ihres Speiseplans sPlumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg
Plumplori (Nycticebus bengalensis) im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg
ind Gummi und andere Pflanzenexsudate z.B. von Bauhinia-Lianen (MITTERMEIER et al. 2013), an die sie durch Benagen der Rinde herankommen. Diese relativ neue Erkenntnis ist bei Ernährung von Plumploris in Menschenobhut noch nicht überall umgesetzt (STREICHER et al., 2013). Zum Schlafen verbergen sie den Kopf zwischen den Knien und verschränken die Arme über dem Kopf. Um ihr Territorium zu markieren, schleifen sie ihr Hinterteil über die Äste und sondern dabei reichlich Harn ab. Plumploris sind relativ gesellig. Nach einer Trächtigkeit von 185-197 Tagen wird ein Junges geboren, seltener Zwillinge, die etwa 25 Wochen lang gesäugt und mit 17-20 Monaten geschlechtsreif werden. (KOLAR, 1970a; PUSCHMANN, W. et al., 2009)

HEDIGER (1961) führte an einem Plumploris diverse tierpsychologische Tests durch. Dabei zeigte es sich, dass das Tier in der Lage war, sich zu erinnern, unter welchem von zwei identischen Behältern, die zwischenzeitlich durch ein Brett verdeckt worden waren, sich eine Belohnung befand oder nach einmaligem Vorzeigen eine Frucht mit Hilfe eines Bindfadens in den Käfig hinein zu ziehen. Damit widerlegte er die wegen der Langsamkeit der Plumploris zum Teil herrschende Ansicht, dass diese Tiere "dumm" seien.

Für die Vorgabe des Säugetiergutachtens 2014 des BMEL von 4 m² / 8 m³ für das Innengehege für zwei Tiere liegt keine wissenschaftliche Begründung vor. Andererseits sind die im Gutachtens'96 enthaltenen Gehegedimensionen von 1.5m² / 3 m³ auch nicht adäquat. Nach FITCH-SNYDER et al. (2003) wurden bis zu drei Tiere problemlos in einem Gitterkäfig von 9 m³ gehalten, besser sei aber eine Einzelhaltung in verbindbaren Einheiten von 1.0 x 1.70 x 0.70 m, also einem Volumen von 1.2  m³ pro Tier. Aufgrund tierhalterischer Erfahrung in Zoos erscheinen 3 m² / 6 m³ für zwei Tiere oder eine Familiengruppe bis zu fünf Tieren angemessen, sofern das Gehege gut strukturiert ist.

Dass bei der Haltung in Nachttierhäusern in der Nachtphase die Beleuchtungsstärke unter  0.3 Lux liegen muss, ist nicht praktikabel und mit dem Betrieb einer öffentlich zugänglichen Anlage nicht zu vereinbaren (Sichtbarkeit der Tiere, Diebstahl, sexuelle Übergriffe). Tierhalterische Erfahrung zeigt, dass bei  Beleuchtungsspitzen bis 4-6 Lux in den Gehegen keine negativen Auswirkungen beobachtet werden können. Wesentlich ist, dass das Verhältnis der Beleuchtungsstärken der Nacht- und Tagphase mindestens 1:100 beträgt.

Artenschutzprojekt: Vietnamesische Primaten

Literatur:
FITCH-SNYDER, H., SCHULZE, H. & STREICHER, U. (2003)
HEDIGER, H. (1961)
KOLAR, K. (1970a)
MITTERMEIER, R.A., RYLANDS, A.B. & WILSON, D.E. (2013)
PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
SCHERPNER, C. (1982)
STREICHER, U., WILSON, A., COLLINS, R.L.& NEKARIS, K.A.I (2013)

PD - 08.08.2010

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