Kapuziner, Saimiris, Nachtaffen

Gewöhnlicher Totenkopfaffe

Gewöhnlicher Totenkopfaffe (Saimiri sciureus) im Tierpark Hellabrunn Gewöhnlicher Totenkopfaffe (Saimiri sciureus) im Tierpark Hellabrunn
Peter Dollinger, VDZ

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzineraffen (Cebidae)
Unterfamilie: Totenkopfaffen (Saimirinae)

Zur Gattung Saimiri  gehören fünf Arten. Eine davon ist potenziell gefährdet, zwei sind gefährdet. In VdZ-Zoos werden zwei Arten gezeigt.

D LC 650

Gewöhnlicher Totenkopfaffe

Saimiri sciureus 
Engl.: The Squirrel Monkeys
Franz.: Le saïmiri commun ou singe-écureuil commun

Gewöhnlicher Totenkopfaffe im Serengetipark Hodenhagen © Peter Dollinger, VdZ
Gewöhnlicher Totenkopfaffe im Serengetipark Hodenhagen © Peter Dollinger, VdZ

Der Gewöhnliche Totenkopfaffe ist weit verbreitet anpassungsfähig und  häufig. Er wird daher nicht als gefährdet beurteilt, obwohl die Bestände etwas abnehmen (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel  ist nach CITES  Anhang II geregelt.

Verbreitung: Brasilien (Amapá, Amazonas, Maranhão, Mato Grosso, Pará, Roraima, Tocantins), Ekuador, Französisch 106-006-008-002 saimiri map
Verbreitung der südamerikanischen Totenkopfaffen. rot: S. sciureus; dunkelblau: S. boliviensis;gelb; S. ustus; hellgrün: S. vanzolinii
Guiana, Guyana; Kolumbien, Surinam, Venezuela

Haltung in VdZ-Zoos: Berlin-Zoo, Bochum, Dortmund, Eberswalde, Gossau, Halle, Hoyerswerda, Landau, Leipzig, München, Neuwied, Nordhorn, Schmiding, Wien

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Gewöhnliche Totenkopfaffen (Saimiri sciureus) im tierpark Bochum © Tierpark Bochum
Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 2007. Im September 2013 wurden 367 Tiere in 57 Institutionen gehalten.

Besonderes: Totenkopfaffen gelangen oft als Versuchs- oder Heimtiere in den Handel. Bolivien exportierte von 1977 bis 1986 über 14'000 Saimiri boliviensis und Guyana von 1978 bis 2007 mehr als 44'000 Saimiri sciureus. Über einen Zeitraum von 31 Jahren (1977-2007) beziffern sich die Nettoeinfuhren in den deutschsprachigen Raum auf 2190 Tiere, d.h. im Durchschnitt etwa 70 pro Jahr. Die meiste dieser Importe fanden im Zeitraum 1977-1988 statt. Verschiedene Zoopopulationen gehen auf Tiere zurück, die von Forschungslabors importiert aber letztlich nicht benötigt oder aber dort gezüchtet wurden, oder auf illegal importierte Tiere, die von den Behörden konfisziert worden waren.

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung einer Familiengruppe mit bis zu 5 erwachsenen Tieren nebst einem Außengehege ein Innengehege von 15 m² / 45 m³ gefordert und für jedes zusätzliche erwachsene Tier 2 m² / 6 m³ mehr. Dies ist beinahe eine Verdreifachung des Raumangebots gegenüber dem Gutachten’96, das 8 m² / 16 m³ vorsah. Die neue Anforderung ist aber weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet.

Die „Best practice“-Leitlinien der EAZA (VERMEER, 2006) empfehlen für Zuchtgruppen, von 20 Tieren auszugehen, wovon höchstens 2 erwachsene Männchen und typischerweise 7-10 erwachsene Weibchen. Für eine solche Gruppe wird ein Innengehege von 20 m² / 50 m³ empfohlen. Rechnet man die Anforderungen des Gutachtens auf eine solche Gruppe (mit 10 erwachsenen Tieren) hoch, wären 25 m² / 75 m³ erforderlich. Es kann aber wohl nicht sein, dass Mindestanforderungen höher sind als Empfehlungen für eine gute Haltungspraxis. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos haben deshalb in ihrem Differenzprotokoll Mindestanforderungen vorgeschlagen, die etwas unter den „Best practice“-Werten der EAZA und zwischen jenen der schweizerischen und der  österreichischen Verordnung liegen: für 5 Erwachsene 10 m² / 25 m³ und für jedes weitere Tier 1.5 m² / 3.75 m³ mehr, was für 10 Erwachsene 17.5 m² / 43.75 m³ ergibt.

Im Gegensatz zum Gutachten gehen die „Best practice“-Leitlinien nicht davon aus, dass die Gehegegröße linear für jedes weitere Tier zu erhöhen ist. Vielmehr tragen sie der Tatsache Rechnung, dass sich Untergruppen bilden, wenn mehr Tiere beisammen sind. Pro 5 zusätzliche Weibchen werden daher zusätzliche unterteilte Gehege von 20 m² / 50 m³ empfohlen, die mit dem ersten Gehege in Verbindung stehen. Im Weiteren wird empfohlen, beim Außengehege die doppelte Fläche anzubieten bei einer Gehegehöhe von 3 m.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BRYSCH, C. (2011)
DRABSCH, T. (2012)  
MAASS, S., WIECZOREK, A. (2014)  
PLANK, V. (2015)

Literatur:
SCHRÖPEL, M. (2010)
VERMEER, J. (2006)

PD - 16.12.2008; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 4764 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 04 Februar 2016 14:42
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