Paviane

Mantelpavian

Mantelpavian-Pascha im Kölner Zoo Mantelpavian-Pascha im Kölner Zoo
© PD, VDZ-Geschäftsstelle

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen  (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

Zur Gattung Papio gehören fünf nicht-gefährdete Arten. Drei davon werden in VdZ-Zoos gehalten.

D LC 650

Mantelpavian

Papio hamadryas
Engl: The Sacred Baboon
Franz.: L'hamadryas

Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Zoo Osnabrück © Peter Dollinger, VdZ
Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Zoo Osnabrück © Peter Dollinger, VdZ
Der Mantelpavian ist weit verbreitet und nicht selten. Wegen Rückgangs der Beutegreifer (Leopard) dürften die Bestände gebietsweise sogar zugenommen haben. Die Art gilt daher nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Verbreitung: Äthiopien; Dschibuti; Eritrea; Saudi Arabien; Somalia; Sudan; Yemen. In Ägypten, wo der Mantelpavian 106-008-004-001 papio hamadryas map
Verbreitung des Mantelpavians (nach Roter Liste der IUCN)
eine wichtige religiöse Bedeutung hatte - Thot und andere Gottheiten wurden als Paviane dargestellt - ist die Art vor etwa 3000 Jahren ausgestorben.

Haltung in VdZ-Zoos: Augsburg, Berlin-Zoo, Frankfurt, Hamburg, Köln, Krefeld, München, Neunkirchen, Osnabrück

Es gibt kein koordiniertes Zuchtprogramm und kein Zuchtbuch für diese Art, die in der Regel in großen Gruppen gehalten wird,

Mantelpaviane, Papio hamadryas, im Kölner Zoo © Peter Dollinger, VdZ
Mantelpaviane, Papio hamadryas, im Kölner Zoo © Peter Dollinger, VdZ
Besonderes: Hinsichtlich ihrer Nahrung sind Mantelpaviane Generalisten. Sie ernähren sich je nach Verfügbarkeit von Akazienblüten und -früchten, welche die Hauptnahrungsquelle zu sein scheinen, Grashalmen, Grassamen, Wurzeln, Knollen, Palmnüssen,Schoten, Blättern, Heuschrecken und anderen Insekten, und fangen kleinere Säugetieren bis zur Größe von Kaphasen (Lepus capensis) und Dikdiks (Madoqua kirkii). Der Flüssigkeitsbedarf kann zum Teil durch den Verzehr eingeführter, invasiver Opuntien gedeckt werden  (KREBS, 2008).

Männliche Mantelpaviane haben 106-008-004-001 papio hamadryas berlinZoo PGriesbach
Mantelpavianmutter (Papio hamadryas) miz Jungtier im Zoo Berlin © Peter Griesbach, Zoo Berlin
einen Harem um sich versammelt, zu dem drei bis vier Weibchen mit ihrem Nachwuchs gehören. Diese Familien leben in straffer Rangordnung gesellig zusammen. Das knallrote Hinterteil des Pavianweibchens schwillt zu bestimmten Zeiten auffällig an. Doch was wie eine Krankheit aussieht, ist für das Männchen ein eindeutiges Signal: Die Dame ist empfängnisbereit. Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Zoo Osnabrück © Peter Dollinger, VdZ
Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Zoo Osnabrück © Peter Dollinger, VdZ
Nach rund 170 Tagen Tragezeit kommt ein Junges zur Welt. In den ersten Wochen hängt das schwarz gefärbte Junge ausschließlich am Körper der Mutter. Erst klammert es sich an ihrem Bauchhaar fest, später hockt es in Jockey-Manier auf ihrem Rücken.

Affenkäfig
Kurt Tucholski (1924) Peter Panter. Die Weltbühne, 16.10.1924, Nr. 42, S. 585

Der Affe (von den Besuchern): »Wie gut, daß die alle hinter Gittern sind –!«

In Berlins Zoologischem Garten ist eine Affenhorde aus Abessinien eingesperrt, und vor ihr Mantelpaviane im Kölner Zoo © Peter Dollinger, VdZ
Mantelpaviane im Kölner Zoo © Peter Dollinger, VdZ
blamiert sich das Publikum täglich von neun bis sechs Uhr. Hamadryas Hamadryas L. sitzt still im Käfig und muß glauben, daß die Menschen eine kindische und etwas schwachsinnige Gesellschaft sind. Weil es Affen der alten Welt sind, haben sie Gesäßschwielen und Backentaschen. Die Backentaschen kann man nicht sehen. Die Gesäßschwielen äußern sich in flammender Röte – es ist, als ob jeder Affe auf einem Edamer Käse säße. Die Horde wohnt in einem Riesenkäfig, von drei Seiten gut zu besichtigen; wenn man auf der einen Seite steht, kann man zur andern hindurchsehen und sieht: Gitterstangen, die Affen, wieder Gitterstangen und dahinter das Publikum. Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Zoo Osnabrück - Pressemitteilung Zoo Osnabrück
Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Zoo Osnabrück - Pressemitteilung Zoo Osnabrück
Da stehen sie.

Da stehen Papa, Mama, das Kleinchen; ausgeschlafen, fein sonntag-vormittaglich gebadet und mit offenen Nasenlöchern. Sie sind leicht amüsiert, mit einer Mischung von Neugier, vernünftiger Überlegenheit und einem Schuß gutmütigen Spottes. Theater am Vormittag – die Affen sollen ihnen etwas vorspielen. Vor allem einen ganz bestimmten Akt.

Zunächst ist alles still im Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Tierpark Hellabrunn © Peter Dollinger, VdZ
Mantelpaviane (Papio hamadryas) im Tierpark Hellabrunn © Peter Dollinger, VdZ
Affenkäfig. Auf den hohen Brettern sitzen die Tiere umher, allein, zu zweit, zu dritt. Da oben sitzt eine Ehe – zwei in sich versunkene Tiere; umschlungen, lauscht jedes auf den Herzschlag des andern. Einige lausen sich. Die Gelausten haben im zufriedenen Gesichtsausdruck eine überraschende Ähnlichkeit mit eingeseiften Herren im Friseurladen, sie sehen würdig aus und sind durchaus im Einverständnis mit dem guten Werk, das da getan wird. Die Lauser suchen, still und sicher, kämmen sorgsam die Haare zurück, tasten106-008-004-001 papio hamadryas HH PD(1)
Mantelpavian-Pascha (Papio hamadryas) im Tierpark Hagenbeck © Peter Dollinger, VdZ
und stecken manchmal das Gejagte in den Mund. Einer hockt am Boden, Urmensch am Feuer, und schaufelt mit langen Armen Nußreste in sich hinein. Einer rutscht vorn an das Gitter, läßt sich mit zufriedenem Gesichtsausdruck vor dem Publikum nieder, seinerseits im Theater, setzt sich behaglich zurecht . . . So . . . es kann anfangen.

Es fängt an. Es erscheint Frau Dembitzer, fest überzeugt, daß der Affe seit frühmorgens um sieben darauf gewartet habe, daß sie »Zi – zi – zi!« zu ihm mache. Der Affe sieht sie an . . . mit einem himmlischen Blick. Frau Dembitzer ist unendlich überlegen. Der Affe auch. Herr Dembitzer wirft dem Affen einen Brocken auf die Nase. Der Affe hebt den Brocken 106-008-004-001 papio hamadryas NKN PD2
Mantelpaviane (Papio hamadryas) auf dem sprichwörtlichen Affenfelsen im Zoo Neunkirchen © Peter Dollinger, VdZ
auf, beriecht ihn, steckt ihn langsam in den Mund. Sein hart gefalteter Bauernmund bewegt sich. Dann sieht er gelassen um sich. Kind Dembitzer versucht, den Affen mit einem Stock zu necken. Der Affe ist plötzlich sechstausend Jahre alt.

Drüben muß etwas vorgehen. In den Blicken der Beschauer liegt ein lüsterner, lauernder Ausdruck. Die Augen werden klein und zwinkern. Die Frauen schwanken zwischen Abscheu, Grauen und einem Gefühl: nostra res agitur. Was ist es? Die Affen der andern Seite sind dazu übergegangen, sich einer anregenden 106-008-004-001 papio hamadryas NKN PD1
Teil einer ziehenden Mantelpavianherde im Zoo Neunkirchen © Peter Dollinger, VdZ
Okularinspektion zu unterziehen. Sie spielen etwas, das nicht Mah-Jongg heißt. Das Publikum ist indigniert, amüsiert, aufgeregt und angenehm unterhalten. Ein leiser Schauer von bösem Gewissen geht durch die Leute – jeder fühlt sich getroffen. »Mama!« sagt ganz laut ein Kind, »was ist das für ein roter Faden, den der Affe da hat –?« Mama sagt es nicht. Mein liebes Kind, es ist der rote Faden, der sich durch die ganze Weltgeschichte zieht.

In die Affen ist Bewegung gekommen. Die Szene gleicht etwa einem Familienbad in Zinnowitz. Man geht umher, berührt sich, stößt einander, betastet fremde und eigne Glieder . . . Zwei Kleine fliehen unter Gekreisch im Kreise. Ein bebarteter Konsistorialrat bespricht ernst mit einem Studienrat die Schwere der Zeiten. Eine verlassene Äffin verfolgt aufmerksam das Treiben des Ehemaligen. Ein junger Affe spricht mit seinem Verleger – der Verleger zieht ihm unter heftigen Arm- und Beinbewegungen fünfzig Prozent ab. Zwei vereinigte Sozialdemokraten sind vernünftig und realpolitisch geworden; mißbilligend sehen sie auf die Jungen – gleich werden sie ein Kompromiß schließen. Zwei Affen bereden ein Geheimnis, das nur sie kennen.

Das Publikum ist leicht enttäuscht, weil wenig Unanständiges vorgeht. Die Affen scheinen vom Publikum gar nicht enttäuscht – sie erwarten wohl nicht mehr. Hätten wir Revue-Theater und nicht langweilige Sportpaläste voll geklauter Tricks – welch eine Revue-Szene!

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
DUBE, A. (2013)
HINGERLE, A. (2004)  
OBERMÜLLER, E. (2007)
SCHMEISSEL, S. (2008)

Literatur:
BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
KREBS, E. (2008)

PD/SN - 17.12.2008; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 3289 mal Letzte Änderung am Freitag, 03 Juni 2016 14:18
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