Menschenaffen

Westlicher Flachlandgorilla

Flachlandgorilla-Mutter mit Jungem im Zoo Hannover Flachlandgorilla-Mutter mit Jungem im Zoo Hannover
Pressemitteilung Zoo Hannover

Ordnung: Affen und Halbaffen (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen  (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Pongidae / Hominidae)
Tribus: Gorillas (Gorillini)

Vom Gorilla wurden früher zwei Unterarten unterschieden: Berg- und Flachlandgorilla. Gegenwärtig werden die beiden Formen als eigenständige Arten mit je zwei Unterarten betrachtet (Gorilla b. beringei und G. b. graueri, Gorilla g. gorilla und G. g. diehli). Der Cross-River-Gorilla (G. g. diehli) wurde 1904 als eigene Art beschrieben, dann als Unterart und ab 1929 lediglich als Population des Flachlandgorillas eingestuft. Erst in jüngster Zeit (SARMIENTO & OATES, 2000) wird er aufgrund einiger abweichenden biometrischen Daten wieder als eigene Unterart geführt, die sich aber weder im Aussehen noch in genetischen Tests eindeutig von anderen Flachlandgorillas unterscheidet. Nachdem es zwischen verschiedenen Populationen von Homo sapiens vergleichbare biometrische Unterschiede gibt, ohne dass deswegen der Mensch in Unterarten aufgesplittet würde, kann man über die Sinnhaftigkeit des Unterart-Status des Cross-River-Gorillas wohl geteilter Meinung sein.

D EN 650

Westlicher Flachlandgorilla

Gorilla gorilla gorilla
Engl.: The (Western) Lowland Gorilla
Franz.: Le gorille de l'Ouest

Gorillafrau (Gorilla g- gorilla) im Erlebniszoo Hannover © Zoo Hannover
Gorillafrau (Gorilla g- gorilla) im Erlebniszoo Hannover © Zoo Hannover
Eine etwas spekulative Hochrechung aus dem Jahr 1996 kommt auf einen Gesamtbestand von knapp 100'000 Individuen. Stark bedrohte Tierart (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED). Zweifellos haben die Bestände massiv abgenommen, hauptsächlich durch Bejagung und wohl auch wegen Verlusten als Folge von Erkrankungen mit dem Ebola-Virus. Vom Cross-River-Gorilla gibt es nur etwa ein Dutzend Familiengruppen mir rund 250-300 Individuen.

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt. MiGorillakind im Zoo Zürich © Edi Day, Zoo Zürich
Gorillakind im Zoo Zürich © Edi Day, Zoo Zürich
tte der 1970er Jahre, als CITES in Kraft trat, waren über 80 % der Zoogorillas Wildfänge. Seitdem wurden nur noch ganz vereinzelt verwaiste Gorillas von Zoos übernommen.

Um die ex situ-Gorillazucht zu diskreditieren, haben Tierschutzaktivisten die Behauptung in die Welt gesetzt, bei den Zoogorillas handle es sich zum Teil um Unterarthybriden. Tatsache ist allerdings, dass nur zwei Gorillas nach Europa gelangt sind, von denen bekannt ist, dass sie zur Unterart diehli gehören. Diese sind beide gestorben ohne Nachkommen hinterlassen zu haben. Um zu erhärten, dass 106-009-002-001 gorilla map
Verbreitung der Westlichen Gorillas (nach WWF)
alIe Zoo-Gorillas der Nominatform angehören, entsteht gegenwärtig eine genetische Arbeit über Gorilla-Unterarten in europäischen Zoos.

Der Anteil der zoogeborenen Gorillas an der Zoopopulation entwickelte sich wie folgt: 1967: 4.5 %, 1777: 22 %, 198Gorillamutter mit Kind im Zoo Leipzig © Peter Dollinger, VdZ
Gorillamutter mit Kind im Zoo Leipzig © Peter Dollinger, VdZ
7: 44 %, 1997: 66 % (nach Int. Zoo Yearbook) und seitdem ist der Prozensatz weiter gestiegen. Außer in Zoos gibt es noch einige Gorillas in sogenannten "Schutzzentren" in afrikanischen Ländern.

Verbreitung: Westliches Zentralafrika: Angola (Cabinda), Äquatorial-Guinea, Gabun, Kamerun, Kongo, Nigeria, Zentralafrikan. Republik. In Kongo Dem. (ehem. Zaire) ausgestorben.

Haltung in VdZ-Zoos: Basel, Berlin-Zoo, Duisburg, Frankfurt, Hannover, Heidelberg, Köln, Krefeld, Leipzig, München, MünstGranitskulptur des Berliner Gorillas "Bobby" von Fritz Behn und Zoodirektor Dr. B. Blaszkiewitz. Foto Berliner Morgenpost vom 10. Juli 2010
Granitskulptur des Berliner Gorillas "Bobby" von Fritz Behn und Zoodirektor Dr. B. Blaszkiewitz. Foto Berliner Morgenpost vom 10. Juli 2010
er, Nürnberg, Rostock, Saarbrücken, Schmiding, Stuttgart, Wuppertal, Zürich, im Mittel >6 Tiere pro Zoo

Das Internationale Zuchtbuch (ISB) wird am Zoologischen Garten Frankfurt geführt (TW). Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1987. Am 1.1.2013 hielten 62 europäische Zoos insgesamt 429 Gorillas, die zum größten Teil in Zoos geboren waren. Am EEP beteiligten sich insgesamt 70 Institutionen mit 464 Tieren

Besonderes: Der erste Gorilla in Europa war höchstwahrscheinlich die "Schimpansin" Jenny, die 1855 nach England kam und in Wombwell’s Travelling Menagerie zur Schau gestellt wurde. Als zweiter traf am 26. Juni 106-009-002-001 gorilla goma jung
Gorilla GOMA als Kleinkind mit Ziehvater LANG und Französischer Bulldogge © Zoo Basel
1876 ein Gorilla im damaligen Berliner Aquarium ein, das ihn für 20'000 Goldmark erworben hatte. Er wurde kurzfristig an den Zoo London und den alten Hamburger Zoo ausgeliehen und kehrte danach nach Berlin zurück, wo er am 13. November 1877 starb.

Der erste Gorilla, der sich in Menschobhut vom Kleinkind zum Mann entwickelt war der berühmte „Bobby“ der am 30. März 1928, ca. 2 Jahre alt und 15 kg schwer, in den Berliner Zoo gelangte und dort am 1. August 1935 an einer Blinddarmentzündung starb. Zum Zeitpunkt des Todes brachte er 106-009-002-001 gorilla goma 55
Gorilla GOMA als 55-jährige Greisin © Zoo Basel
262,5 kg auf die Waage. Der damalige Zoodirektor Lutz HECK gab beim Bildhauer Fritz BEHN eine Granitskulptur in Auftrag, die noch heute im Zoo zu sehen ist. Bobby ist auch heute noch das Wappentier des Berliner Zoos.

1959 war ein besonderes Jahr für den Zoo Basel. Nachdem drei Jahre zuvor, am 22.12.1956, im Zoo von Columbus (USA) der erste Gorilla in Menschenhand geboren wurde, konnte nun am 23. September erstmals in einem europäischen Zoo die Geburt eines Gorillajungen gefeiert werden. Das Gorillakind „Goma" wurde durch Radio, Fernsehen und Presse bald weltberühmt und entwickelte sich zur allgemeinen Freude auch prächtig. Da Goma von ihrer unerfahrenen Mutter Achilla nicht artgemäß gepflegt wurde, kam sie in ihrem ersten Lebensjahr in die Obhut des damaligen Zoodirektors Ernst M. LANG und seiner Frau, wo sie wie ein Menschenkind aufwuchs. Später war es nicht einfach, Goma allmählich an den Zoobetrieb zu gewöhnen. Die Kontaktaufnahme mit dem älteren Gorillajungen Kulu scheiterte, weil sich Goma vor ihm fürchtete. Erst als der Säugling Pépé nach Basel geholt wurde und ebenfalls beim Zoodirektor einzog, konnte sie sich mit einem Artgenossen anfreunden. Jambo, der 1961 geborene Bruder von Goma, wurde von seiner Mutter problemlos aufgezogen (LANG et al. 1965)

Flachlandgorilla-Mutter mit Jungem im Zoo Hannover © Peter Dollinger, VdZ
Flachlandgorilla-Mutter mit Jungem im Zoo Hannover © Peter Dollinger, VdZ
Der Umzug ins Affenhaus ließ sich nun zu zweit besser durchführen. Goma gebar 1971 Tamtam, welchen sie selber aufzog. Tamtam war weltweit der erste in zweiter Generation im Zoo geborene Gorilla. 2014 konnte Goma ihren 55. Geburtstag begehen und ist damit die Doyenne der großen Gorillagruppe des Basler Zoos. Sie wurde immer noch regelmäßig von ihrem 2014 im Alter von 101 Jahren verstorbenen Ziehvater bis kurz vor dessen Tod besucht. Entdeckte die betagte Gorilladame Ernst LANG im Besucherraum, kam sie an die Panzerscheibe und begrüßte ihn.

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
BERNDT, D. (2000)
BEHRINGER, V. (2011)    
BODE, M. (2010)
BÖER, M. (1998)  
DIETZEL, U. (2000)
GODIZART, B. (1994)
HILL, S. P. (2004)
HOFBAUER, N. (1996)
HÖFERMANN, S. (2004)
HOLTKÖTTER, M. (1989) 
KLOSE, A. (2002)
KNABEL, J. (2004)
LAMETER, K.A. (2015)  
NITSCH, M. (2004)
NITSCHE, N. (2011)
PEITEL, D. (1999)  
REHMANN, P. (2002)
RUPIC, N. (2013)
SCHMIDT, S. (1998)
SCHMIDT-PABST, A. (1998)  
SCHNEIDER, C. (2012)
SCHREINER, C. (2011)   
SIEGRIST, V. (2014)
TAÏS, E.N. (1982)
WOLFF, N.I.C. (2004)

Literatur:
HESS, J. (1996)

LANG, E.M., SCHENKEL, R. & SIEGRIST, E. (1965)
SARMIENTO, E.E. & OATES, F.J. (2000)
WILLOUGHBY, D. P. (1978)

PD/SN - 04.02.2010; mehrfach aktualisiert

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Gelesen 5426 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 17 März 2016 16:50
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