Hunde

Rotfuchs

Rotfuchs (Vulpes vulpes) im Opel Zoo, Kronberg Rotfuchs (Vulpes vulpes) im Opel Zoo, Kronberg
© TK, Opel Zoo

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hunde (Canidae)

Zur Gattung Vulpes gehören elf nicht-gefährdete Arten. In VdZ-Zoos werden nur drei Arten gehalten.

D LC 650

Rotfuchs

Vulpes vulpes 
Engl.: The Red Fox
Franz.: Le renard roux
    
Rotfuchs (Vulpes vulpes) im Natur- und Tierpark Goldau © NTP Goldau
Rotfuchs (Vulpes vulpes) im Natur- und Tierpark Goldau © NTP Goldau
Der Rotfuchs hat die weiteste Verbreitung von allen Raubtieren. Er ist sehr anpassungsfähig und vielenorts ein Kulturfolger. Er ist daher nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Wegen seiner kulturellen Bedeutung sowie als einheimische Tierart ist er von zoopädagogischem Interesse.

Aus schwer nachvollziehbaren Gründen sind die drei Unterarten Vulpes vulpes griffithi, V. v. montana und V. v. pusilla  in CITES-Anhang III (Indien) aufgeführt. Ansonsten ist der internationale Handel unter CITES nicht geregelt.
                Fuchsabschüsse Schweiz 1958-2008
Fuchsabschüsse Schweiz 1958-2008

Verbreitung: In Europa alle Länder, ganz Asien einschliesslich der arabischen Halbinsel, ausser in Südindien und dem hinterindisch-indochinesischen Raum, in Afrika in den Mittelmeer-Anrainerstaaten sowie dem Nil entlang bis in den Sudan, Nordamerika ohne Mexiko.
Eingeführt in Australien und Neuseeland.

Haltung in VdZ-Zoos: Vulpes vulpes crucigera : Goldau, Kronberg, Langenberg, Neumünster, Stralsund, Straubing. V. v. subsp.: Tallinn. Ferner wird der Rotfuchs in zahlreichen Tier- und Wildparks gehalten.
   
Besonderes: Der Rotfuchs ist die häufigstRotfuchs (Vulpes vulpes), Natur- und Tierpark Goldau © NTP Goldau
Rotfuchs (Vulpes vulpes), Natur- und Tierpark Goldau © NTP Goldau
e Raubwildart Mitteleuropas. In Deutschland werden jährlich etwa 600'000 Stück erlegt, in Österreich rund 60'000 und in der Schweiz zwischen 30- und 40'000. Durch die weit verbreitete Fuchstollwut wurden die Bestände bis Mitte der 1980er Jahre begrenzt. Danach nahmen Bestände und Abschüsse dramatisch zu und erreichten in der Schweiz ihren Höhepunkt im Jahr 1995, in Österreich im Jahr 2002. Seitdem nahmen in den Alpenländern zumindest die Abschüsse wieder etwas ab.
            
Rotfüchse werden in Zoos bisweilen gemeinsam mit Dachsen Briefmarke vulpes CH
Briefmarke mit Rotfuchsmotiv. Schweiz
gehalten, mit denen sie auch im Freiland gelegentlich einen Bau teilen. HEDIGER (1951) berichtet von einer anderen Gemeinschaftshaltung, die zwar vom Tierverhalten her ein Erfolg war, aber letztlich aus veterinärmedizinischen Gründen abgebrochen werden musste: "Zwei andere Füchse quartierten wir im Jahr 1945 im Affenfelsen ein bei einem Rudel Javaneraffen. Bald entwickelte sich zwischen den ungleichen Tieren eine Freundschaft, an der nicht nur die Zoobesucher ihre helle Freude hatten, sondern die auch vom tierpsychologischenBriefmarke vulpes vulpes rumaenien
Briefmarke mit Rotfuchsmotiv. Rumänien
Standpunkt aus sehr interessant war. Die Füchse wurden sozusagen als vollwertige Mitglieder in das Affenrudel aufgenommen und infolgedessen von einzelnen Affen, die sich mit ihnen besonders gut stellen wollten, sogar "gelaust". ... Das fröhliche Zusammenleben von Füchsen und Affen nahm jedoch ein völlig unerwartetes Ende. Einer der Javaneraffen zeigte nämlich eine eigenartige Behinderung beim Gehen und schliesslich eine vollständige Lähmung der beiden Hinterbeine. .... Erst nach dem Tode des Affen entdeckte man die Ursache ..... Das Rückenmark des Affen war nämlich an mehreren Stellen zusammengepresst worden durch das Wuchern von Bandwurmblasen, die nur vom Fuchs stammen konnten. Es handelte sich um Taenia crassiceps, d.h. um einen Bandwurm, der in verschiedenen Briefmarke vulpes vulpes span sahara
Briefmarke mit Rotfuchsmotiv. Span. Sahara
Raubtieren vorkommt und dessen Larven in ihren Beutetieren, vor allem in Nagern leben. Noch nie zuvor sind solche Larven in einem Affen gefunden worden."

Kulturelle Bedeutung: Als Held von Kinderliedern, Sagen und Märchen ist der Rotfuchs von großer kultureller Bedeutung. Das bekannteste Kinderlied ist "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" dessen Text 1824 vom Thüringer Lehrer und Komponisten Ernst Gebhard Salomon Anschütz geschrieben wurde.

Fuchs du hast die Gans gestohlen
    
Die Fabel, wonach ihm die zu hoch hängenden Trauben angeblich zu sauer sind, geht auf Äsop zurück. Auch im Hohen Lied des Alten Testaments wird der Fuchs in Zusammenhang mit Weintrauben gebracht: "Fangt uns die Füchse, / die kleinen Füchse! Sie verwüsten die Weinberge, / Fix und Foxi-Heft
Fix und Foxi-Heft
unsre blühenden Reben."

Aesop: Der Adler und der Fuchs
Aesop: Der Fuchs und der Leopard
Aesop: Der Fuchs und der Löwe  
Aesop / Jean de Lafontaine: Der Fuchs und die Trauben (französisch / deutsch)   
Aesop / Luther: Der Rabe und der Fuchs
Jean de Lafontaine: Le renard et le corbeau (mit deutscher Übersetzung)
Jean de Lafontaine: Der Fuchs und der Hahn
Kobell: Fuchs und Has'. Gedicht (Fabel)   
Gotthold Ephraim Lessing: Der Hirsch und der Fuchs (Fabel)   
Gotthold Ephraim Lessing: Der Hirsch und der Fuchs (Gedicht)
    

Schon am Hofe Karls des Großen waren Tierfabeln, wenn auch in französischer Sprache bekannt. Um 1100 kamen in Flandern deutsche Eigennamen für Tiere auf und um 1180 lieferte der elsässische Fahrende Heinrich Glîchezâre (Gleissner) unter dem Titel "Reinhart Fuchs" eine freie Übersetzung des französischen "Roman de Renart" ins Mittelhochdeutsche. Dieses beliebte Spielmannsgedicht hat nach mannigfachen Wandlungen seine beliebteste Gestalt um 1250 in Flandern gefunden. 1498 wurde in Lübeck das auf die niederländische Fassung des Hinrek von Alkmaar (1480) zurückgehende, zeit- und ständekritische Tierepos "Reinke de Vos" in niederdeutscher Sprache herausgegeben. Dieses, durch die Einführung des Buchdrucks konservierte Werk hatte grossen Einfluss auf die Fabelliteratur des 16. Jahrhunderts. 1752 wurde es von Johann Christoph GOTTSCHED in hochdeutsche Prosa übertragen und diente danach als Quelle für Johann Wolfgang von GOETHEs Reineke Fuchs (1793).

Im Wesentlichen geht es darum, dass am Hofe des Löwen Nobel der von Isegrimm dem Wolf, Hinze dem Kater, Henning dem Hahn und anderen Tieren zahlreicher Verbrechen bezichtigte und von seinem Vetter, dem Dachs Grimbart, verteidigte Reineke sich der Justiz entzieht, sich beim König Nobel einschmeichelt, in der Folge weitere Verbrechen begeht und schliesslich als Kanzler des Tierreichs Karriere macht. (RÖHL, 1931; FRENZEL, 1962).

In einer Reihe der von den Gebrüdern GRIMM und Ludwig BECHSTEIN gesammelten Volksmärchen spielt der Fuchs eine Hauptrolle:
        
Gebrüder Grimm:

Ludwig Bechstein: Der Hase und der Fuchs. Deutsches Märchenbuch 1857)   
Gotthold Ephraim Lessing: Der Fuchs und der Tiger

Schliesslich war der Fuchs auch Gegenstand von Bildergeschichten, von Wilhelm BUSCHs "Der Fuchs" aus dem Jahr 1881 bis zu Rolf KAUKAs "Fix und Foxi" aus Fuxhausen. Letztere waren die Helden der von den 1950er- bis zu Beginn der 90er-Jahre beliebtetsten Comic-Serie im deutschsprachigen Raum, von der über 750 Millionen Hefte verkauft wurden.

Wilhelm BUSCH hat den Fuchs auch in seinen unter "Zu guter Letzt" und "Kritik des Herzens" herausgegebenen Gedichten besungen:       

Gemeinden, die den Fuchs im Namen haben, sind eher rar, aber immerhin gibt es in Deutschland 53533 Fuchshofen, 86925 Fuchstal, 95689 Fuchsmühl und 97727 Fuchsstadt.

Auch eine Reihe von Pflanzenarten wurden nach dem Fuchs benannt: Fuchsbohne (Falsche Lupine; Thermopsis spp.), Fuchsrebe (Vitis labrusca), Fuchsrose (Rosa foetida), Fuchsschwanzgras (u.a. Wiesenfuchsschwanzgras; Alopecurus pratensis), Fuchsschmiele (Weisses Straussgras; Agrostis alba), Fuchswurz (Blauer Eisenhut; Aconitum napellus). Die Fuchsien (Fuchsia spp.), dagegen haben ihren Namen nach dem deutschen Botaniker Leonhart FUCHS (1501-1566).

Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten:
SOMMER, C. (1990)
WAGNER, F. (2012)

Literatur:
BREITENMOSER, U., KAPPELER, A., MÜLLER, U. & ZANONI, R. (1996)

DO LINH SAN, E. (2006)
FRENZEL, H.A. & E. (1962)
GLOOR, S., BONTADINA, F., HEGGLIN, D. & HOTZ, T. (2001)
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
HEDIGER, H. (1951)
RÖHL, H. (1931)
SCHATANEK, V. (2001)
WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

PD - 03.02.2010; 06.10.2011; 29.11.2013; 23.11.2014

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Gelesen 2797 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 08 Juli 2015 14:17
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