Zur Geschichte der Zoos

Die Menagerie von Paris

Menagerie Paris - La Rotonde im 19. Jahrhundert Menagerie Paris - La Rotonde im 19. Jahrhundert
MNHN Paris

Die ab 1662 unter dem Sonnenkönig LUDWIG dem XIV. am Schloss von Versailles eingerichtete königliche Menagerie diente vorab der königlichen Prachtentfaltung und dem Ergötzen des Hofstaats. Sie war, wie es nach der französischen Revolution hiess, "construite pour le faste et l'orgueil des tyrans" - erbaut für den Pomp und Hochmut der Tyrannen (BOMSEL-DEMONTOY, 1994). Sie wurde deshalb 1793/94 als Ort absolutistischer Gewalt und Unterdrückung aufgelöst. Der neue Intendant der königlichen Gärten, JACQUES-HENRI BERNARDIN de SAINT-PIERRE (1737-1814), plädierte stattdessen für die Schaffung einer ganz neuen Art von Menagerie. In ihr sollten die Tiere in größtmöglicher Freiheit gehalten werden und so allmählich ihre Aggressivität ablegen. Unter wissenschaftlicher Leitung sollte die Tierhaltung der allgemeinen naturkundlichen Erkenntnis dienen, und es sollten der Bevölkerung das sittlich-moralische Verhalten der Naturgeschöpfe vor Augen geführt werden. Nach dieser Idee entstand als Abteilung des Naturkundemuseums der erste bürgerliche Zoo: die Menagerie im Jardin des Plantes. (RIEKE-MÜLLER, A., 2010)

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Menagerie Paris - La Vallée suisse im 19. Jahrhundert
Gegen Ende des Jahres 1793 konfiszierte der Präfekt von Paris eine Anzahl Tiere von Schaustellern, die dem künftigen Zoo übergeben wurden. Es folgten die noch in Versailles vorhandenen Tiere sowie solche aus der Menagerie des Grafen von Orléans. 1794 wurde die Menagerie als Provisorium eröffnet. Erster Direktor war der Zoologe Prof. Étienne Geoffroy SAINT-HILAIRE, der 1805 von FRÉDÉRIC CUVIER abgelöst wurde. 1802 veranlasste NAPOLÉON BONAPARTE den Bau des ersten größeren Gebäudes, der "Rotonde", um die eben erworbenen Asiatischen Elefanten unterbringen zu können. Diese wurde 1804 begonnen und 1812 fertiggestellt. Hier wurden neben den Elefanten auch Nashörner, Flusspferde und Giraffen gehalten. Die erste Giraffe kam 1827 als Geschenk des Paschas von Ägypten in den Zoo. Sie musste den Weg von Marseille nach Paris - etwa 770 km - zu Fuß zurücklegen und dabei unzählige Empfänge überstehen. (BOURDIER, F., c.1964).
    
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Menagerie Paris - Bärengraben im Originalzustand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Heute dient die Rotonde nicht mehr der Tierhaltung, sondern als Ausstellungslokal. 1805 wurde der heute noch bestehende und 1960 renovierte Bärengraben erstellt, der bis vor wenigen Jahren noch mit Syrischen Braunbären besetzt war und heute Kleinraubtiere beherbergt.

1827 wurde die "Fauverie", das Raubtierhaus eröffnet. Vor diesem Gebäude hat RAINER MARIA RILKE 1902 sein berühmtes Gedicht "Der Panther* geschrieben. 1937 wurde die Fauverie durch einen Neubau ersetzt, der heute natürlich auch schon wieder veraltet ist.

Rilke: Der Panther
            
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Menagerie Paris - Bärengraben umgebaut © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden u.a. das Vallée suisse zur Haltung von Gebirgshuftieren, Greifvogelvolieren (1825), Fasanerien (ab 1825), das 1934 ersetzte "Palais des Singes", das Affenhaus (1837), die Galérie des Reptiles (1870) und eine Grossvoliere mit 800 m² Grundfläche (1888). Im 20. Jahrhundert folgte neben diversen Ersatz- und Umbauten das Vivarium (1929). (BOMSEL-DEMONTOY, 1994). Nebst GEOFFROY SAINT-HILAIRE und CUVIER waren auch LAMARCK und LACÉPÈDE, die Naturwissenschaftler ihrer Zeit, an der Menagerie tätig. Von hier gingen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die meisten grundlegenden zoologischen Arbeiten aus. (SCHLAWE, 1978)

Literatur:
BOMSEL-DEMONTOY, M.-C. (1994)
BOURDIER, F., (c.1964)
RIEKE-MÜLLER, A., (2010)
SCHLAWE, L. (1978)

 

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Gelesen 5543 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 Dezember 2016 08:48
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