Zur Geschichte der Zoos

Schauaquarien

Haifischbecken im Tropenaquarium Hagenbeck, Hamburg Haifischbecken im Tropenaquarium Hagenbeck, Hamburg
Pressefoto Tierpark Hagenbeck

Währenddem in vielen Ländern Zoos und Schauaquarien strikt getrennte Einrichtungen sind, ist dies im deutschsprachigen Raum nicht der Fall: Alle VDZ-Zoos bis auf vier halten auch Fische. 13 Zoos haben namhafte Aquarien mit mehr als 100 Fischarten.
    
In Berlin entstand 1869 nach den Ideen Alfred Edmund BREHMs das Aquarium Unter den Linden, welches Brehm als persönlich haftender Gesellschafter mitbegründete und bis 1878 als Direktor leitete. Die ursprünglich geplante Beschränkung auf ein reines Aquarium wurde rasch aufgegeben. Das Haus enthielt auf zwei Ausstellungsgeschossen „118 Käfige, Becken und andere Behälter zur Aufnahme von Thieren“, bis hin zu Menschenaffen, die nach Klimazonen geordnet waren. Es konnte gleichzeitig etwa 2000 Besucher aufnehmen. Am 30. September 1910 musste das unwirtschaftlich gewordene Aquarium Unter den Linden für immer schließen, die Gebäude wurden abgerissen, und 1913 eröffnete der Berliner Zoo an der Budapester-Straße das Zoo-Aquarium, in dem heute rund 7000 Reptilien, Amphibien und Fische in über 700 Arten sowie unzählige Wirbellose in rund 340 Arten gehalten werden.

Im Zoo Frankfurt wurden seit dessen Eröffnung im Jahr 1858 Fische gehalten. 1877 wurde ein eigenes Aquariengebäude mit Wasserturm eröffnet, in dem In zwölf Seewasser- und zwei Süßwasseraquarien mit nachgebildeten Landschaften einheimische Fische und Meerestiere aus der Nord- und Ostsee sowie dem Mittelmeer bestaunt werden konnten. Nach der völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde Anfang der 50er Jahre mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung des Aquariums begonnen. Am 27. August 1957 wurde der fortan "Exotarium" genannte Bau feierlich eröffnet. Es war doppelt so groß wie das alte Aquarium und beinhaltete nun auch ein eine Tropenhalle, eine Pinguinanlage und ein Insektarium.

JOHANNES GEBBING (10.10.1874 -20.08.1958) war nach dem Studium der Naturwissenschaften in München, Berlin und Leipzig von 1901 bis 1903 wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Forschungsschiff Gauß. 1909 zog er nach Leipzig, wo er als Nachfolger von ERNST PINKERT Zoodirektor wurde. Hier eröffnete er am 15.Mai 1910 das Leipziger Zoo-Aquarium, das ein Jahrhundert später zu den wichtigsten Zoo-Aquarien Deutschlands gehört.

Ursprünglich erhoben verschiedene Zoos für den Besuch des Aquariums eine zusätzliche Eintrittsgebühr, so in München (seit der Eröffnung im Jahr 1938 bis 1969), in Frankfurt, (seit der Eröffnung 1877 bis anfangs der 1990er-Jahre), oder in Köln. Heute gibt es gesonderte Eintrittsgebühren bzw. Kombitickets nur noch beim Zoo-Aquarium Berlin und dem Tropenaquarium Hagenbeck, die beide an der Peripherie des Zoos liegen und Daher unabhängig vom Zoo besucht werden können.

Nebst den Zoo-Aquarien gibt es aber auch im deutschsprachigen Raum von Zoos unabhängige Einrichtungen, die vorab der Haltung von wechselwarmen Wirbeltiere und von Wirbellosen gewidmet sind. In Deutschland sind es verteilt über das ganze Land über 100 Schauaquarien, Terrarien, und Vivarien, von denen manche Unternehmungen von Vereinen sind, manche als gemeinnützige Einrichtungen durch Naturkundemuseen oder Naturparks betrieben werden, viele aber auch einen kommerziellen Hintergrund haben. Zu letzteren gehören die Sea Life Centres der Firma Merlin Entertainment, von denen zwischen 1996 und 2007 insgesamt 12 eröffnet, aber vier wegen mangelnder Rendite wieder geschlossen wurden.

Literatur:
KLÖS, H.G. & LANGE, J. (1988)
LANGE, J. (2011)

 

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Gelesen 8445 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 27 Dezember 2012 12:26
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