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Aufgaben der Zoos

Aufgaben baer eisenbergZOO?

Schon einmal, vor acht Jahren, hat der STERN die wichtigsten deutschen Tiergärten getestet, mit überraschend gutem Ergebnis. Was hat sich seitedem getan? Mehr als wir erwartet haben. Wer vor einem Jahrzehnt das letzte Mal im Tierpark war, erlebt eine neue Welt. Immer mehr Tiergärten bemühen sich um die Rettung bedrohter Tierarten. Sie bieten  ihren Bewohnern viel Platz und möglichst optimale Bedingungen - und damit uns Menschen ein nachhaltiges und oft fantastisches Erlebnis. (Zitate aus STERN Nr. 27 vom 26.06.2008 - Der große Zoo-Test) 

Von Gesetzes wegen gelten in Deutschland als Zoos: dauerhafte Einrichtungen, in denen lebende Tiere wild lebender Arten zwecks Zurschaustellung während eines Zeitraumes von mindestens sieben Tagen im Jahr gehalten werden. Nicht als Zoo gelten Zirkusse, Tierhandlungen und Gehege zur Haltung von nicht mehr als fünf Arten von Schalenwild, das im Bundesjagdgesetz aufgeführt ist (Wisent, Elch, Rot-, Dam-, Sikahirsch, Reh, Gemse, Steinbock, Mufflon, Wildschwein), oder Einrichtungen, in denen nicht mehr als 20 Tiere anderer wild lebender Arten gehalten werden.

In einem Zoo werden Wildtiere (und manche Haustiere) gehalten. Für die Haltung maßgeblich sind die neuesten Erkenntnisse der Tierhaltung sowie die geltenden Gesetze. Ein Zoo ist eine naturkundliche Kultureinrichtung und arbeitet für die Allgemeinheit. Die meisten größeren Zoos in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind im Verband Deutscher Zoodirektoren zusammengeschlossen. Die Mitglieder des Verbandes fühlen sich gemeinsamen Aufgaben und Zielsetzungen verpflichtet. Für den Betrieb eines Zoos gelten bestimmte Grundsätze.

  • Die geltenden Gesetze und Vorschriften werden eingehalten. Die Sicherheit der Besucher und des Personals wird gewährleistet.
  • Es werden nur Tiere gehalten, denen unter Berücksichtigung ihres Verhaltens, ihrer Sozialstruktur, ihrer räumlichen und klimatischen Ansprüche, ihrer Ernährung sowie der notwendigen Hygiene und medizinischen Versorgung artgerechte Lebensmöglichkeiten geschaffen werden können. Bei Neuanlagen orientieren sich die Zoos nicht an Mindestanforderungen, sondern versuchen, möglichst optimale Bedingungen zu schaffen.
  • Die Betreuung der Tiere erfolgt durch gut ausgebildetes Fachpersonal. Der Wissensstand des Personals wird durch Fortbildung auf dem neuesten Stand gehalten.
  • Unter den Zoos findet ein umfangreicher Erfahrungsaustausch statt. Regelmäßig veröffentlichte Jahresberichte geben Aufschluß über die Arbeit.


Die heutige Bärenhaltung im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, VDZZOO!

Der junge Mensch ... ist weitgehend ein triebbestimmtes Spielwesen. Er braucht deshalb seinesgleichen, nämlich Tiere, überhaupt Elementares: Wasser, Dreck, Gebüsch, Spielraum. Man kann ihn auch ohne das alles aufwachsen lassen, mit Teppichen, Stofftieren oder auf asphaltierten Straßen und Höfen. Er überlebt es – doch man sollte sich dann nicht wundern, wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nie mehr erlernt … (MITSCHERLICH, 1965)

Nach ihrem selbstverständnis sind die wissenschaftlich geleiteten Zoos Bildungseinrichtungen, die den Besuchern Kenntnisse von der Vielfalt der Tierwelt und Einsichten in biologische und ökologische Zusammenhänge vermitteln soll. Die 825 Zoos, die ihre Tierbestände dem International Species Inventory System (ISIS) melden, halten insgesamt 15'000 verschiedene Tierarten. Für viele Menschen ist der Zoo heute die einzige Gelegenheit zur persönlichen Begegnung mit Tieren. Die Zoopädagogischen Abteilungen arbeiten mit Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen zusammen. mehr

Zoos betreiben Natur- und Artenschutz. Sie versuchen, von der Ausrottung bedrohte Tierarten (Wild- und Haustiere) im Rahmen von nationalen und internationalen Programmen durch koordinierte Nachzucht zu erhalten. Insgesamt gibt es 1440 internationale oder nationale Zuchtbücher und Zuchtprogramme für 850 Arten / Unterarten.Sind entsprechende Lebensräume vorhanden, werden Nachzuchttiere für Auswilderungsprojekte zur Verfügung gestellt. Die Nachzucht nicht gefährdeter Tierarten vermeidet weitgehend den Fang wildlebender Vertreter dieser Arten. Zoos stellen ihr Fachwissen den unterschiedlichsten Gremien zur Verfügung. mehr

Im Zoo wird Forschung im  Bereich der Tiergartenbiologie (u.a. Zoologie, Ökologie, Physiologie, Ethologie) und Tiermedizin im Rahmen der Möglichkeiten betrieben und gefördert. Dabei wird mit anderen Zoos, Universitäten und ähnlichen Einrichtungen zusammengearbeitet. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Tätigkeit werden in Fachzeitschriften, aber auch in Presse, Funk und Fernsehen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. mehr

Der Zoo ist eine Stätte der Erholung und Freizeitgestaltung. Er soll möglichst für alle Besucher attraktiv sein und Erholung und Bildung miteinander in Einklang bringen. Die Bedürfnisse der Tiere und die der Besucher sollen soweit als möglich aufeinander abgestimmt werden. (SALZERT, W. 2010)

Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben lassen sich die Mitgliedzoos des VDZ von der Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WAZA, 2005) leiten. Die meisten Zoos führen Arten- oder Gebietsschutzprojekte durch oder beteiligen sich an solchen (PAGEL, T., 2012). Für Aquarien gibt es ebenfalls eine globale Strategie mit einer Kurzfassung, die vom Verband deutschsprachiger Zoopädagogen 2012 ins Deutsche übersetzt worden ist (WAZA, 2012). Die Zoos Bayerns, Österreichs und der Schweiz treffen sich im Abstand von zwei bis drei Jahren im Rahmen der "Rigi-Symposien", um spezifische Aspekte der Aufgaben der Zoos zu diskutieren und sich dazu auf Empfehlungen zu einigen, so zu Fortpflanzung und Aufzucht von Zootieren (DOLLINGER, Hrsg., 2003), zur Bedeutung der Zoos für den Naturschutz (DOLLINGER, Hrsg. 2005), zur Frage "Was ist ein guter Zoo?" (DOLLINGER, Hrsg., 2008) oder zur Rolle der Zoos für die Erhaltung der Biodiversität (DOLLINGER, Hrsg., 2010).

Die Zoo-Richlinie der EU, in Deutschland umgesetzt durch § 42 des Bundesnaturschutzgesetzes, macht den Zoos folgende Vorgaben:

  • Sie beteiligen sich an Forschungsaktivit„äten, die zur Erhaltung der Arten beitragen, und/oder an der Ausbildung in erhaltungsspezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten und/oder am Austausch von Informationen über die Artenerhaltung und/oder gegebenenfalls an der Aufzucht in Gefangenschaft, der Bestandserneuerung oder der Wiedereinbürgerung von Arten in ihren natürlichen Lebensraum.
  • Sie fö”rdern die Aufklä„rung und das Bewusstsein der ™Öffentlichkeit in bezug auf den Erhalt der biologischen Vielfalt, insbesondere durch Informationen über die zur Schau gestellten Arten und ihre natürlichen Lebensrä„ume.
  • Sie halten ihre Tiere unter Bedingungen, mit denen den biologischen und den Erhaltungsbedürfnissen der jeweiligen Art Rechnung getragen werden soll, wozu unter anderem eine artgerechte Ausgestaltung der Gehege gehö”rt, und sie sorgen mit einem gut durchdachten Programm der tiermedizinischen Vorbeugung und Behandlung sowie der Ernährung dafür, dass die Tierhaltung stets hohen Anforderungen genügt.
  • Sie beugen dem Entweichen von Tieren vor, um eine m”ögliche ”ökologische Bedrohung einheimischer Arten zu verhindern, ebenso wie dem Eindringen von Schä„dlingen und Ungeziefer von außen.
  • Sie führen in einer den verzeichneten Arten jeweils angemessenen Form ein Register über die Sammlung des Zoos, das stets auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Literatur:
DOLLINGER, P. (Hrsg., 2003)
DOLLINGER, P. (Hrsg. 2005)
DOLLINGER, P. (Hrsg., 2008)     
DOLLINGER, P. (Hrsg., 2010)   
DOLLINGER, P. (Red., 2012)

MITSCHERLICH, A. (1965)
PAGEL, T. (2012)
SALZERT, W. (2010)
WAZA (2005)
WAZA (2012)

 

Veröffentlichungen zum Herunterladen

Welt-Zoo-Naturschutzstrategie    Welt-Zoo-Naturschutzstrategie, Kurzfassung  Aufgaben AquarienStrategie

Veröffentlichungen zur Bestellung beim Zoo Office Bern

 Rigi-Symposium 1 (2003)   Rigis-Symposium 2 (2005)

Sowie die weiteren Bände des Rigi-Symposiums.

Alle Bände sind auch als PDF zum Herunterladen verfügbar:

 

Gelesen 16643 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 07 April 2016 15:08
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