Aus der Geschichte des VdZ

Von der Nachkriegszeit zur Jahrtausendwende (1945-2000)

So sah der durch Bomben völlig zerstörte frankfurter Zoo im Jahr 1945 aus. So sah der durch Bomben völlig zerstörte frankfurter Zoo im Jahr 1945 aus.
Bild: Zoo-Archiv Frankfurt

Nachdem die Vertreter der allierten und neutralen Staaten 1946 alle deutschen Zoodirektoren dadurch aus dem internationalen Verband (IUDZG) auisgeschlossen hatten, dass sie kurzerhand den Verband auflösten und ihn neu gründeten, wurden ihnen ab 1950 der Beitritt zur neuen IUDZG wieder ermöglicht. Als erste konnten die Direktoren der Zoos von Leipzig, Wuppertal, Frankfurt und Berlin wieder beitreten..

HistVDZ-1955 muenster
Teilnehmer der VDZ-Tagung in Münster (1955), gruppiert um Katharina „die Große“ Heinroth, auf der Kanone sitzend der junge Heinz-Georg Klös, damals noch Direktor des Tiergartens Osnabrück
Auf Initiative des Münchner Zoodirektors Heinz HECK begannen sich ab 1947 auch die Deutschen Zoodirektoren wieder zu treffen: 1947 in Wuppertal, 1948 in Bremerhaven und 1949 in Nürnberg. Als Folge eines lange andauernden Zerwürfnisses mit Bernhard Grzimek, Direktor des Zoologischen Gartens Frankfurt, trat Heck 1950 als Präsident zurück und damit fiel die Tagung in diesem Jahr aus. Im Frühjahr 1951 trat die Heck-Fraktion innerhalb des Verbandes - Heinz Heck (München), Georg Steinbacher (Augsburg), Hermann Junker (Bremerhaven), Hans-Georg Thienemann (Duisburg) und Ludwig Zukowsky (Münster) - aus dem VdZ aus und Heck gründete den "Verband deutscher Tiergärtner und Wildtierhalter e.V.".

HistVDZ WAZA frankfurt 1958
Die Tagung der IUDZG in Frankfurt (1958), vorne in der Mitte sitzend der Veranstalter Bernhard Grzimek und der IUDZG-Sekretär Ernst M. Lang vom Zoo Basel
Die verbleibenden Mitglieder, unter Führung des neuen Präsidenten Richard MÜLLER (Wuppertal) mussten sich nun fragen, ob der VdZ aufgelöst oder weitergeführt werden solle. Sie entschieden sich für die Weiterführung, gründeten an der Tagung 1951 offiziell den Deutsche Zoodirektorenverband neu und gaben ihm erstmals eine Satzung. Mitglieder werden konnten die "hauptberuflichen wissenschaftlichen Leiter zoologischer Gärten, Aquarien und ähnlicher Institute". Bewusst wurde die innerdeutsche Zusammenarbeit gefördert:

HistVDZ 1983 innsbruck
VDZ-Jahrestagung in Innsbruck, 1983
Wenn der Präsident aus der Bundesrepublik kam, so kam der Vizepräsident aus der DDR und umgekehrt. 1952 wurde eine neue Mitgliedkategorie "korrespondierende Mtglieder" geschaffen, die u,a, auch für die Leiter kleinerer Zoos und Tierparks offen stand. Neben deutschen Zoos war ab 1952 auch Wien im Verband vertreten. Heinz Hecks Verband deutscher Tiergärtner und Wildtierhalter e.V. hatte dagegen kein langes Leben, schon bald einmal kehrten Zukowsky und Junker, später auch Thienemann in den VdZ zurück.

        
HistVDZ 1987 wtal
VDZ-Tagung in Wuppertal, 1987. 2.v.r. in der 1. Reihe als Gast Peter Dollinger, der nachmalige Geschäftsführer des VDZ
Leider mussten 1968 die Kollegen aus der DDR und Ostberlin austreten, wobei allerdings Der Zoologische Garten, nun unter Federführung der Kommission für Tiergärten der Deutschen Demokratischen Republik als gemeinsames Publikationsorgan erhalten blieb. Damit gehörten dem Verband nur noch Mitglieder in der Bundesrepublik und in Österreich an. Allerdings sollte der Verband weiterhin allen deutschsprachigen Kollegen offenstehen. Dementsprechend wurden 1972 die Direktoren von Bern, Zürich und Mülhausen im Elsass als neue Mitglieder aufgenommen.

Es kam dann mehrfach zu Änderungen der Satzung. Die Ànderung von 1978 öffnete den Verband für die wissenschaftlichen Mitarbeiter. Diese konnte ab 1981 als "korrespondierende" Mitglieder an den wissenschaftlichen Sitzungen HistVDZ 04 Konf 1990 Koeln
Gruppenfoto der ersten Gesamtdeutschen Tagung von 1990: 1. Frau Salzert, 2. Wofgang Salzert, Dir. Rheine, 3. Bea Rau, München, 4. Rüdiger Wandrey, Dir. Bremerhaven, 5. Ilona Schappert, Dortmund, 6. Henning Wiesner, Dir. München, 7. Helmut Reichling, Dir. Neunkirchen, 8. Frau Jämmerich, Neuwied 9. Frau Karin Nogge, 10. Oberst Friedrich Lacchini, Dir. Salzburg, 11. Walter Fiedler, Dir. Wien, 12. Frau Dathe, 13. Gunther Nogge, Dir. Köln, 14. RA Glesgen, Saarbrücken, 15. Paul Vogt, Krefeld, 16. Christoph Scherpner, Frankfurt, 17. Frau Spengler, 18. Vaclaw Ceska, Frankfurt,19. Ellen Thaler, Innsbruck, 20. Manfred Kraus, Dir. Nürnberg, 21. Karl Kaiser, Münster, 22. Hannes Saegesser, Dir. Bern, 23. Jörg Adler, Münster, 24. Frau Adler, 25. Manfred Zahn, Dir. Düsseldorf, 26. Andrej Sosnowski, Dir. Lodz, 27. Christian Schmidt, Zürich, 28. Frau Drüwa, 29. Heinrich Klein, Dir. Neuwied, 30. Anton Brotzler, Stuttgart, 31. Frau Wiegand, 32. Heinrich Dathe, Dir. Tierpark Berlin, 33. Frau Uli Klös, 34. Franz – Julius Wiegand, Dir. Straubing, 35. Hans – Dieter Hohmann, Dir. Dresden, 36. Wolfgang Puschmann, Dir. Magdeburg, 37. Rudolf Wicker, Frankfurt, 38. Rudolf Spengler, Dir. Landau, 39. Susanne Klomburg, Osnabrück, 40. Peter Müller, Leipzig, 41. Bernhard Neurohr, Duisburg, 42. Frau Ina Schürer, 43. Frau Gabi Pechlaner 44. Marianne Holtkötter, Stuttgart, 45. Detlef Karbe, Köln, 46. Frau Claudia Behlert, 47. Frau Karbe, 48. Frau Jes, 49. Uta Ruempler, Köln, 50. Heinz - Georg Klös, Dir. Zoo Berlin, 51. Gerhard Haas, Dir. Wuppertal, 52. Peter Mühling, Nürnberg, 53. Lutz Plasa, Stuttgart, 54. Dr. Heinz Berger, Salzburg, 55. Bernhard Blaszkiewitz, Zoo Berlin, 56. Rudolf Reinhard, Zoo Berlin, 57. Ulrich Schürer, Wuppertal, 58. Wolfgang Rietschel, Stuttgart, 59. Dieter Schwarz, Dir. Rostock, 60. Ernst Rühmekorf, Dir. Gelsenkirchen, 61. Hubert Lücker, Dortmund 62. Dieter Jauch, Stuttgart, 63. Eduard Stirnberg, Dir. Bochum, 64. Harald Jes, Köln, 65. Frau Everts, 66. Goetz Ruempler, Dir. Münster, 67. Fritz Böck, Wien, 68. Karl – Heinz Winkelsträter, Dir. Saarbrücken, 69. Wolf – Dietrich Gürtler, Gelsenkirchen 70. Frau Tuk Frädrich, 71. Frau Rühmekorf, 72. Frau Bruni Encke, 73. Michael Martys, Innsbruck, 74. Frau Helga Bartmann. 75. Achim Johann, Rheine, 76. Heiner Klös, Zoo Berlin, 77. Klaus Jakob, Cottbus, 78. = 57., 79. Wolf Bartmann, Dir. Dortmund, 80. Norbert Neuschulz, Dir. Erfurt, 81. Claus Hagenbeck, Dir. Hamburg, 82. Wolfdietrich Kühme, Köln, 83. Frau Hagenbeck, 84. Lothar Dittrich, Dir. Hannover, 85 = 63., 86. Peter Drüwa, Dir. Neumünster, 87. Lydia Kolter, Köln, 88 Waltraut Zimmermann, Köln, 89. Walter Encke, Dir. Krefeld, 90. Wolf Everts, Dir. Osnabrück, 91. Frau Jacob, Cottbus, 92. Diether Zscheile, Dir. Schwerin, 93. Frau Karin Zscheile, 94. Frau Ingrid Poley, 95. Andreas Jacob, Dir. Halle, 96. Frau Jakob? 97. Helmut Pechlaner, Dir. Innsbruck, 98. Anton Kohm, Dir. Karlsruhe, 99. Frau Kühme, 100. Hans Frädrich, Zoo Berlin, 101. Hartmut Wilke, Dir. Darmstadt, 102. Dieter Poley, Dir. Heidelberg, 103. Frau Wilke, 104. Frau Regine Grummt, 105. Wolfgang Gewalt, Dir. Duisburg, 106. Wolfgang Grummt, Tierpark Berlin, 107. Frau Jentsch, 108. M. Jentsch, Saarbrücken, 109. Frau Brigitte Gorgas, 110. ? , 111. Michael Gorgas, Dir. Augsburg, 112. Heidi Becker, Köln.
der Jahrestagungen teilnehmen, währenddem die Geschäftssitzungen nach wie vor den Direktoren vorbehalten waren.

Nach der politischen Wende wurden im Jahr 1991 die Zoodirektoren aus der ehemaligen DDR wieder in den Verband aufgenommen, und mit Wolfgang PUSCHMANN aus Magdeburg wurde gleich ein Kollege aus den neuen Bundesländern zum Vizepräsidenten, im Jahr darauf zum Präsidenten gewählt.

Anfangs der 1990er-Jahre wurden Zweifel laut, ob Satzung und Verbandsstruktur noch zeitgemäß seien, insbesondere ob sie erlaubten, eine professionelle Medienarbeit zu leisten, die angesichts der zunehmenden zoofeindlichen Aktivitäten gewisser Organisationen immer notwendiger erschien. An der Jahrestagung 1994 im Zoo Berlin wurde deshalb eine vierköpfige Kommission gebildet und beauftragt, einen Satzungsentwurf zu erarbeiten, bei dem die persönliche durch eine institutionelle Mitgliedschaft ersetzt würde, wie dies auch beim internationalen und beim europäischen Verband der Fall war. Ein erster Entwurf wurden vom Präsidium stark kritisiert, worauf die Kommission im April 1995 einen überarbeiteten Entwurf vorlegte. Auch dieser wurde abgelehnt und das Geschäft wurde zurückgestellt.

1996 wurde an der Tagung in Wien beschlossen, beim Tierpark Friedrichsfelde ein Verbandsarchiv zu schaffen, wozu  eine besondere Verbandsarchivsatzung angenommen wurde. 1997 kam es dann zur Änderung der Satzung des Verbandes. Die Einführung der institutionellen Mitgliedschaft scheiterte knapp und auch die Umbenennung in „Verband deutschsprachiger Zoos“ fand keine Gnade bei der Mitgliedschaft. Abgelehnt wurde auch ein Änderungsantrag des amtierenden Präsidenten auf „kooptierende Mitgliedschaft“, worauf dieser kurz nach der Jahrestagung vorzeitig zurücktrat und der VDZ von einem „Rumpfpräsidium“ unter Führung des Direktors der Stuttgarter "Wilhelma", Dieter JAUCH, geleitet wurde. An der Jahrestagung 1998 in Hamburg wurde auf der Grundlage der revidierten Satzung der Vorstand neu gewählt, wobei JAUCH in seinem Amt bestätigt und mit Peter STUDER vom Zoo Basel erstmals ein Vertreter von zooschweiz als Beisitzer gewählt wurde.

Literatur:
BLASZKIEWITZ, B. (2012)
DOLLINGER, P. (Red., 2012)

KLÖS, H-G. (1987)  
NOGGE, G. (2010)
SCHRÖPEL, M. (2009)
SEWIG, C. (2009)
SOLSKI, L. & STREHLOW, H. (2013)

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