Zur Geschichte der Zoos

Antike

Das römische Amphitheater in Martigny VS Das römische Amphitheater in Martigny VS
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Im klassischen Griechenland führte XENOPHON im 4. Jahrhundert v. Chr. in Anlehnung an das Altpersische für Tiergärten die Bezeichung παράδεισος (Paradies) ein, was eigentlich „Ummauerung“ bedeutet (τεϊχος = Mauer). Dabei dürfte es sich um weitläufige Einrichtungen mit natürlicher Vegetation gehandelt haben, ähnlich den fürstlichen Wildparks der Neuzeit. Tiergärten spielten aber in Griechenland damals wie heute nur eine bescheidene Rolle. Am Hofe ALEXANDERS des GROSSEN wurden jedoch Tiere gehalten und von ARISTOTELES in seiner mehrbändigen "Περί ζώων ιστορίας" - in lateinischer Übersetzung "Historia animalium" - beschrieben. Im alten Rom wurden Wildtiere für kulinarische Zwecke gehalten, so etwa Kaninchen in Leporarien, oder für Schaukämpfe in Arenen. Der Tierverbrauch dieser Einrichtungen war enorm.

Im Jahr 185 v. Chr. sollen die ersten Löwen nach Rom eingeführt worden sein, denen bald Hyänen und Leoparden folgten. 58 v.Chr. gelangte das erste Flusspferd nach Rom, GAIUS JULIUS CAESAR brachte im Jahr 46 v. Chr. die erste Giraffe, unter Kaiser TITUS wurde im Jahre 80 im eben vollendeten Kolosseum das erste Panzernashorn zur Schau gestellt. (HEDIGER, H., 1938)

Allein bei der Eröffnung des Kolosseums im Jahr 80 n. Chr. wurden 5'000 Tiere getötet. Von der Zeit SULLAS (108 v. Chr.) bis PROBUS (280 n. Chr.) sind zahlreiche solche Gemetzel belegt, denen nachweislich 423'484 Wildtiere zum Opfer fielen (GORGAS, M. & SCHWEINBERGER, W., 1986). Kaiser AUGUSTUS (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) soll eine Sammlung von 3500 Tiere besessen haben, darunter ein Nashorn und ein Flusspferd, angeblich 420 Tiger und 260 Löwen, ferner Robben, Bären, Elefanten, Adler, Krokodile und eine Riesenschlange. Für die Tierhaltung Kaiser TRAJANS (59-117 n. Chr.) werden gar 11'000 Tiere angegeben. Sein Beispiel machte Schule - so viele Privatpersonen hielten sich Exoten, dass eine Sondersteuer auf Löwen und Leoparden erlassen und die Tierhalterhaftpflicht geregelt werden musste (POLEY, D., Hrsg. 1993).

Auch nördlich der Alpen errichteten die Römer Amphitheater, so z.B. im 2. Jahrhundert n. Chr. während der Regierungszeit Trajans jenes von Octodurum (Martigny) im Unterwallis, in dem nach seiner Restaurierung heute nicht nur die Zwinger für die Bären, Wildschweinkeiler etc. wieder begehbar sind, sondern auch wieder (Rangordnungs-)Kämpfe zwischen Eringerkühren durchgeführt werden, ferner, ebenfalls in der Schweiz, in Aventicum (Avenches), Augusta Raurica (Augst), Colonia Julia Equestris (Nyon) und Vindonissa (Windisch), in Deutschland z.B. in Köln, Mainz, Trier und Xanten.

Literatur:

GORGAS, M. & SCHWEINBERGER, W. (1986)
HEDIGER, H. (1938)
POLEY, D., Hrsg. (1993)

18.05.2015

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Gelesen 4284 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 Dezember 2016 08:42
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