Zur Geschichte der Zoos

Mittelalter

Mit dem Untergang des Römischen Imperiums verschwanden fast alle exotischen Großtiere aus Europa. Kaiser KARL der GROSSE (786-814) unterhielt auf seinen Pfalzen in Aachen, Ingelheim, Nimwegen und in Frankreich Menagerien, die mit Tieren bestückt wurden, die er als diplomatischer Geschenke erhalten hatte, so etwa einem Asiatischen Elefanten und Affen vom Kalifen HARUN al RASCHID. Den Elefanten, einen etwa 40jährigen Bullen mit Namen „Abul Abaz“ sandte er nach Augsburg, um hier für Freundschaft zu werben. Das Rüsseltier überstand nicht nur den Marsch von der Kaiserpfalz Aachen nach Augsburg, sondern wurde sogar später noch als Kriegselefant gegen den dänischen König GÖTTRIK (Gudrød) eingesetzt, wobei er sich allerdings bei der Rheinüberquerung eine Lungenentzündung holte und verstarb (www.zoo-augsburg.de).

Aber erst mit den Kreuzzügen und den frühren Entdeckungsreisen wurden wieder in größerem Stil Tiere aus fernen Ländern eingeführt, die den Grundstock für Menagerien an Fürstenhöfen bildeten. Kaiser FRIEDRICH der II. von Hohenstaufen (1194), seinen Zeitgenossen auf vielen Gebieten überlegen, war nicht nur der Autor des falknerischen Standardwerks "De arte venandi cum avibus" (Von der Kunst zu Beizen), sondern auch der Erbauer der ersten großen Tiergärten des Mittelalters, in denen er u.a. Tiere hielt, die er im Tausch von anderen Sammlungen erwarb. So sandte er z.B. dem ägyptischen Sultan einen Eisbären und erhielt im Gegenzug eine Giraffe. (POLEY, D., Hrsg., 1993)

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HistZoo 1-7-1 mandrill augsburgDer Fugger-Zoo

 Den Herrschern wollten bald einmal Landadel und städtisches Patriziat nicht nachstehen. So existierte z.B. in Stuttgart hinter der alten Grafenburg ein Garten, der schon 1350 und 1393 erwähnt und 1451 als "Thiergart" bezeichnet wird (POLEY, D., Hrsg., 1993). Weit herum bekannt war der Tiergarten der Augsburger Kaufmannsfamilie FUGGER, wo viele Tiere aus Westafrika, Süd- und Mittelamerika gehalten wurden.
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Städtische TierhaltungenHistZoo 1-7-2-1 hirschengrabenAugsburg

Auch freie Reichsstädte errichteten Menagerien, so Frankfurt (1399), Solothurn (1448) oder Friedberg (1489). Weitaus häufiger als die Haltung fremdländischer Tiere war die Haltung von einheimischem Wild in den Stadtgräben, das in Notzeiten auch schon mal zur Ernährung der Stadtbevölkerung herhalten musste.

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Literatur:

DOLLINGER, P. (Red., 2012)
POLEY, D., Hrsg. (1993)
RIEKE-MÜLLER, A. (2010)

18.05.2015

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Gelesen 4021 mal Letzte Änderung am Dienstag, 19 Mai 2015 05:54
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