Zur Geschichte der Zoos

Die neueste Zeit

Besucher mit Feldstecher beobachtet die Tierwelt im Masoala-Regenwald des Zoo Zürich Besucher mit Feldstecher beobachtet die Tierwelt im Masoala-Regenwald des Zoo Zürich
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Das 20./21. Jahrhundert steht für den Wandel des Zoos von der Menagerie zum Naturschutzzentrum. Meilensteine hinsichtlich der Tierpräsentation sind die gitterlosen Panoramen von Carl Hagenbeck, das Geozoo-Konzept des Münchener Tierparks Hellabrunn, die Immersionsgehge wie sie in Europa erstmals in größerem Stil im Burgers Zoo von Arnheim realisiert wurden, und die Gestaltung ganzer Gartenteile als „Erlebniswelten“, wie es sie heute in Gelsenkirchen, Hannover, Leipzig oder Zürich gibt.

Einen Meilenstein für das Wohlergehen der Zootiere stellte die Veröffentlichung des Buchs "Wildtiere in Gefangenschaft - ein Grundriss der Tiergartenbiologie" durch den Schweizer Zoodirektor und Tierpsychologen HEINI HEDIGER (Biographie) im Jahr 1942 dar. Mit diesem 1950 auch auf Englisch verlegten Werk etablierte sich die Tiergartenbiologie als eigenständige Disziplin, die mit ihren praktisch anwendbaren Erkenntnissen und ihrem philosophischen Grundgerüst die Weiterentwicklung des Zoos von der Menagerie zum Naturschutzzentrum ermöglicht hat.

Seit 1960 am Frankfurter Zoo die erste Zooschule auf dem europäischen Festland eröffnet wurde, nahm die Zoopädagogik einen ungeahnten Aufschwung. Parallel nahm die Zahl der Forschungsarbeiten, die an oder in Verbindung mit Zoos durchgeführt wurden, laufend zu.

Das Engagement in Sachen Naturschutz begann mit der Begründung von Zuchtbüchern, von denen eine immer größere Zahl zu Zuchtprogrammen ausgebaut und in jüngster Zeit in Analogie zu den amerikanischen "Species Survival Plans" mit in situ-Schutzmaßnahmen verknüpft wurden.

Zoogründungen im 20. Jahrhundert

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1 7 8 11 Halle tur 1981Der Bergzoo Halle

Die Reihe der Zoogründungen des 20. Jahrhunderts wird im deutschsprachigen Raum eröffnet vom Zoologischen Garten Halle. Am 23. Mai 1901 öffnete der Zoologische Garten Halle erstmals seine Tore. Seine Topographie brachte ihm bald den Beinamen Bergzoo ein, was ihn bis heute weit über die Grenzen der Stadt bekannt macht. Seine Einzigartigkeit beruht vor allem darauf, dass andere ähnlich gelegene Zoos bestenfalls an eine Hanglage gebaut sind, während der Reilsberg komplett vom Zoo umschlossen ist.

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Hagenbecks TierparkHistZoo 1-7-8-00 Hagenbeck panorama

Am 7. Mai 1907 wurde mit der Eröffnung von Hagenbecks Tierpark in Hamburg-Stellingen eine neue Ära der Tiergärtnerei eingeläutet, die durch die Schaffung zoogeografisch orientierter Erlebniswelten eine zumindest teilweise Abkehr vom systematischen Zookonzept bedeutete. CARL HAGENBECK (Biographie) hatte seinen „ganz neuartigen Zoologischen Garten“ mit dem Ziel gegründet, „Tiere in größtmöglicher Freiheit vorzuführen und damit gleichzeitig zu zeigen, was die Akklimatisation zu tun vermag.
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Tierpark HellabrunnHistZoo 1-7-9-01 muenchen milu

Nur vier Jahre später entstand mit dem Münchener Tierpark Hellabrunn ein zoogeografisch geordneter Landschaftszoo, der nicht auf künstliche Felskulissen sondern auf den Reiz des Standorts, der Isarauen, und dessen Vegetation setzte. Auch dieses Konzept ist heute weit verbreitet. Ein Jahr nach München wurde am Dutzendteich der erste Nürnberger Tiergarten eröffnet, auch mit gitterfreien Panoramen im Hagenbeck'schen Stil.

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Die Zahl der Zoogründungen wuchs im 20. Jahrhundert exponentiell, und in den letzten Jahrzehnten wurden auch immer mehr große Schauaquarien eröffnet. Als neue Betriebstypen kamen mit dem Privatauto, Bussen oder Zügen zu befahrende Safariparks, begehbare Affenparks, Extensivhaltungen heimischer Arten in Verbindung mit Naturschutzgebieten, Meeresparks, Vogelparks und andere Spezialzoos hinzu. Im deutschsprachigen Raum wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg die Zahl der wissenschaftlich geleiteten und in entsprechenden Zooverbänden organisierten Zoos auf rund 60 an. In Westdeutschland, der Schweiz und Österreich entstanden als Folge des "Wirtschaftswunders" zahlreiche Kleinzoos auf privater Grundlage. Auch Schlossbesitzer, Forstverwaltungen, Kommunen und Vereine eröffneten Tier- oder Wildparks. Am Oberrhein, der Heimat zahlloser Vogel- und Kleintierzuchtvereine, wurden zwischen 1960 und 1980 über 70 Vogelparks unterschiedlicher Größe und Qualität eröffnet. Einen Einfluss auf die Zoolandschaft hatten auch die Gartenschauen. So wurden runde Geburtstage von Schloss Ludwigsburg und Württembergischem Gärtnereiverband im Jahr 1954 genutzt, um eine Jubiläumsgartenschau durchzuführen, die als Blühendes Barock mit Großvoliere und Streichelzoo zur Dauereinrichtung wurde. Die Bundesgartenschau 1961 in Stuttgart bot Anlass zur Erweiterung der Wilhelma. Die BUGA 1965 war verbunden mit einer Erweiterung des Grugaparks, wo heute über 60 Tierarten gepflegt werden Im Zuge der BUGA 1967 wurde der Zoo Karlsruhe umgestaltet und verkleinert, im Gegenzug wurde der Tierpark Oberwald geschaffen. Die BUGA 1975 in Mannheim führte zur Erneuerung des Aquariums im Luisenpark und einem Streichelzoo im Herzogenriedpark, und die BUGA 1987 in Düsseldorf fiel zusammen mit der Eröffnung des Aquazoos im Nordpark.

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DDRDDR-Erfurt elefant

In der Deutschen Demokratischen Republik, die auf planwirtschaftlicher Grundlage die Zahl der Zoos auf einen pro Bezirk limitierte, wurden zahlreiche "Heimattiergärten" gegründet, von denen etliche alsbald auch fremdländische Tiere zeigten.

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SchauaquarienHistZoo 1-7-11 tropenaquarium hamburg

Währenddem in vielen Ländern Zoos und Schauaquarien strikt getrennte Einrichtungen sind, ist dies im deutschsprachigen Raum nicht der Fall: Alle VDZ-Zoos bis auf vier halten auch Fische. 13 Zoos haben namhafte Aquarien mit mehr als 100 Fischarten.

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"Noch nie waren Zoos so vielfältig wie heute, und noch nie waren sie ein so dringend benötigtes Instrument zur Bewahrung der Artenvielfalt, sei es durch direktes Naturschutz-Engagement, durch Zuchtprogramme oder durch Bewusstseinsbildung mit Hilfe lebender Botschafter der Tierwelt." (PETZOLD, D. & SORGE, S., 2012)

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Literatur:

BAUMGARTEN, L. (2001)  
BURHENNE, V. (2010)
DOLLINGER, P. (Red., 2012)
HUBER, K. (1954)
KAUFFELS, S. (Red. 2010)
HEDIGER, H. (1942)
HEDIGER, H. (1950)
HEDIGER, H. et al. (1978)
KIRCHSHOFER, R., Hrsg. (1966)
MÖGEL, N.A. & SÖDER, K. (2012)
MÜHLING, P. (1987)
PETZOLD, D. & SORGE, S. (2012)
POLEY, D. (1993)
POLEY, D., Hrsg. (1993)
RIEKE-MÜLLER, A. (2010)
SARRAZIN, E. & LUTHE, F. (2003)
TIERPARK NORDHORN GMBH (Hrsg. 2000)
WINKLER, A. (2009)

18.05.2015

Gelesen 5332 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 Dezember 2016 18:34
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