Zoo-Fakten

Fragen und Antworten zu Zoos im deutschsprachigen Raum

Bundeskanzlerin Angela Merkel  mit Katta im Vogelpark Marlow Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Katta im Vogelpark Marlow
Vogelpark Marlow

 Wieviele Zoos gibt es? 

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Zookarte Deutschland
In Deutschland sind über 200 Zoos, Tier- und Wildparks im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), der Deutschen Tierpark-Gesellschaft (DTG) und dem Deutschen Wildgehege-Verband (DWV) organisiert. Daneben gibt es schätzungsweise noch über 500 öffentlich zugängliche Wildtierhaltungen, wie Kleinzoos, Tiergehege, Vogelparks, Volieren, Reptilienzoos, Schauaquarien und ähnliche Einrichtungern, von denen etwa 400 als "Zoos" im Sinne der Zoo-Richtlinie der EU gelten. Bei den übrigen handelt es sich im Wesentlichen um Wildparks, in denen nicht mehr als fünf einheimische Schalenwildarten gehalten werden. (PETZOLD, D. & SORGE, S., 2012)

In der Schweiz existieren rund 60 öffentlich zugängliche Wildtierhaltunge, wovon sechs Mitglieder von zooschweiz sind. Diese und vier weitere Zoos sind auch international organisiert (WAZA, EAZA, VdZ, DWV). Einige Wildparks und kleinere Zoos in der Schweiz und im Vorarlberg haben sich im Verein Wildparks und Zoos der Schweiz (WZS) zusammengeschlossen.

In Österreich gibt es wenigstens 80 solcher Tierhaltungen. 25 davon sind in der Österreichischen Zoo-Organisation (OZO) oder dem Österreichischen Wildgehege-Verband organisiert. Von den sieben OZO-Mitgliedern sind 6 auch Mitglied bei EAZA.

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Wieviele Leute besuchen Zoos? 

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Alle zoologischen Einrichtungen in Deutschland zählen jährlich über 60 Millionen Besucher. In der Schweiz gibt es jährlich mehr Zoo-Eintritte als das Land Einwohner hat © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die VdZ-Zoos in Deutschland zählten im Jahr 2015 insgesamt etwa 31 Millionen Besucher (zum Vergleich: Bundesliga, Saison 2014/15: knapp 13 Millionen Zuschauer). Die Tier- und Wildparks der DTG und des DWV hatten zusätzlich rund 12 bis 13 Millionen Besucher. Die Besucher der übrigen Einrichtungen können konservativ auf 20 Millionen geschätzt werden. Insgesamt also über 70 Millionen pro Jahr.

Die fünf VdZ-Mitglieder in der Schweiz vermeldeten für 2014 insgesamt 4.3 Millionen Besucher, was allerdings eine geschätzte Zahl von 800'000 im frei zugänglichen Teil des Tierparks Bern einschließt. Insgesamt dürfte es in der Schweiz mit 8 Millionen gleich viele Zoobesuche geben, wie das Land Einwohner hat. Die fünf Zoos in Österreich kamen auf 3,7 Millionen Besucher.

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 Nimmt die Zahl der Zoobesucher zu oder ab?

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Zoobesuch Deutschland 1999-2012, Zahlen aus 51 Einrichtungen mit Trendlinie
In den letzten zehn Jahren war in Deutschland ein mittleres Wachstum der Besucherzahlen von gegen 2 % pro Jahr zu verzeichnen, in Österreich von gut 3 % und in der Schweiz von 4.5 %. Grundsätzlich gilt: Je mehr ein Zoo in Neuanlagen investiert, umso höher ist das Besucherwachstum. Kurzfristige Schwankungen sind hauptsächlich wetterbedingt: ein verregneter Frühling oder Herbst oder ein zu heißer Sommer haben tiefere Besucherzahlen zur Folge. So war die Gesamtbesucherzahl aller VdZ-Zoos im Jahr 2010 1.5 % tiefer als im Vorjahr, aber 2011 7.4 % höher als 2010.

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Sind Zoos kommerziell?

Zoo Hannover - Rekordjahr 2010. Pressefoto zoo Hannover
Rekordjahr im ErlebnisZoo Hannover
Weil die meisten Zoos Eintrittsgelder erheben, wird ihnen häufig unterstellt, sie seien kommerzielle Einrichtungen. Dies trifft aber für die große Mehrheit der im VdZ organisierten Zoos nicht zu, denn diese werden vom Land (z.B. Herberstein, Stuttgart) oder von Kommunen (z.B. Bern, Chemnitz, Düsseldorf, Frankfurt, Karlsruhe, Köln, Landau, Nürnberg, Saarbrücken) betrieben, sind gemeinnütztige Aktiengesellschaften (z.B. Basel, Berlin-Zoo, München, Zürich) oder gemeinnützige Gesellschaften mbH (z.B. Berlin-Tierpark, Hagenbeck, Bernburg, Krefeld, Rostock, Salzburg) und als solche oft im Besitz der öffentlichen Hand (z.B. Halle, Leipzig, Münster, Schönbrunn), oder sie gehören Stiftungen oder Vereinen (z.B. Goldau, Görlitz, Innsbruck, Opel-Zoo, Osnabrück). Relativ wenige könnten von ihrer Rechtsform her Profit machen (z.B. Hannover), fahren aber oft Defizite ein oder reinvestieren den Profit in das Unternehmen.

Wenn Zoos im gleichen Ausmaß subventioniert würden, wie z.B. städtische Theater, könnten sie getrost auf Eintrittsgebühren verzichten. Dazu ein Beispiel:
        
Vergleich Subventionen Zoo Frankfurt - Theater Frankfurt im Jahr 2007Im Jahr 2007 schrieb der Zoo Frankfurt ein Minus von 6,7 Millionen Euro. Dieses wurde aus dem Haushalt der Stadt gedeckt, was einer Subvention in der Höhe von 7,33 Euro je Besuch entspricht. Wollte der Zoo kostendeckend arbeiten, müsste er statt acht Euro Eintritt für einen Erwachsenen zirka 15,50 Euro kassieren. Im selben Jahr (Spielzeit 2006/2007) deckte die Stadt Frankfurt auch das Defizit von Oper und Schauspielhaus in der Höhe 57,6 Millionen Euro, was bedeutet, dass sie im Schnitt zu jedem verkauften Theaterbillet rund 191 Euro hinzugezahlt hat. Frankfurt ist natürlich kein Einzelfall. Der Berliner Senat subventionierte im Jahr 2011 Zoo und Zoo-Aquarium mit 1.3 Millionen Euro und den Tierpark mit 5.7 Millionen Euro, was 1.91 Euro pro Besucher der Hauptstadt-Zoos entspricht. Dagegen wird jeder Besuch in einem Hallenbad mit 4.80 Euro oder im Friedrichstadtpalast mit 14 Euro subventioniert, jede Karte für die Staatsoper wird mit 186 Euro bezuschusst, Tickets der Stiftung Stadtmuseum mit 61 Euro, also einem Vielfachen dessen, was die Zoos erhalten. Ab 2012 wird dem Zoo die staatliche Unterstützung ganz gestrichen, was die Politik nicht daran hindert, eine Optimierung der Tierhaltung einzufordern.

Um noch ein Beispiel aus der Schweiz zu nehmen, wo die Situation ähnlich ist: die Stadt Basel unterstützt den Zoo, eine gemeinnützige AG, jährlich mit umgerechnet 1'450'000 Euro, das entspricht etwa einem Euro pro Besuch. Gleichzeitig subventioniert sie das Theater Basel mit 41 Millionen Euro. Bezogen auf die rund 170'000 Gäste des Dreispartentheaters entspricht dies einer durch die Stadt finanzierten Verbilligung von 240 Euro pro verkauftem Billet. Das Naturhistorische Museum Basel mit 96'409 Besuchern (Jahr 2015) erhielt 7'790'8330 Euro, d.h. rund 80 Euro pro Besucher.

In anderen Städten ist dies nicht anders. Dabei werden in der Regel im Besitz der öffentlichen Hand befindliche Zoos stärker subventioniert als solche, die privaten Organisationen gehören. So erhält etwa der Zoo Münster, eine städtische GmbH, etwa 4.60 Euro pro Besucher, währenddem die private Zoogesellschaft Osnabrück e.V. für ihren Betrieb mit nur 0.69 € Euro pro Besucher auskommen muss, der Münchener Tierpark Hellabrunn mit 0.38 Euro, und der Opel-Zoo Kronberg ganz leer ausgeht.

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Welches sind die ältesten, welches die jüngsten VdZ-Zoos?

Alter Bärenzwinger im Tiergarten Schönbrunn (1837)
Bärenzwinger im Tiergarten Schönbrunn. Bäuerle's Theaterzeitung, 1837
Hier schlägt Österreich alle Rekorde: die Tierwelt Herberstein bestand bereits im 17. Jahrhundert (1675) als Wildgatter und der Tiergarten Schönbrunn wurde 1752 gegründet. Das jüngste VDZ-Mitglied in Österreich ist der 1982 gegründete Zoo Schmiding. In Deutschland am ältesten ist der Zoo Berlin, eröffnet 1844, gefolgt von Frankfurt (1857) und Köln (1860). Am jüngsten ist der Vogelpark Marlow, gegründet 1994, danach kommen der Zoo in der Wingst (1972) und der Zoo Neuwied (1970). In der Schweiz ist der Zoo Basel mit Gründungsjahr 1874 der älteste Zoo. Zuvor gab es bereits den Wildpark Langenberg (1869) und den Tierpark Lange Erlen (1971). Das jüngste VDZ-Mitglied in der Schweiz ist der Tierpark Dählhölzli Bern (1937). ...mehr

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Wie groß sind die VdZ-Zoos flächenmäßig?

Amphibienweiher im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Je größer der Zoo, umso größer die naturbelassenen Flächen als Lebensraum für heimische Wildtiere, hier im Tiergarten Nürnberg. Aus Sicht der Besucher sind eher mittelgroße Zoos optimal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die 49 VdZ-Zoos in Deutschland bedecken zusammen eine Fläche von beinahe 11.4 Quadratkilometern (1138 ha), im Mittel also rund 23 ha pro Zoo. Die flächenmäßig größten Zoos sind der Tierpark Berlin mit 160 ha, der Zoopark Erfurt und der Tiergarten Nürnberg mit je 63 ha gefolgt vom Zoo Rostock mit 54 ha. Am wenigsten Raum beanspruchen der Aquazoo Düsseldorf mit 0.7 ha, der Zoo am Meer in Bremerhaven mit 1.2 ha und der Tierpark Bochum mit 1.9 ha. Die vier VdZ-Zoos in der Schweiz haben zusammen eine Fläche von etwa 83 ha. Der als Mitglied von zooschweiz mit dem VdZ verbundenen Wildpark Langenberg, Walter-Zoo Gossau und Papiliorama Kerzers bringen weitere 90 ha mit. Die 6 VdZ-Zoos in Österreich bedecken eine Fläche von 98 ha. Durch naturnahe Gestaltung schaffen die Zoos vielfältige Lebensräume und werden so zu eigentlichen Horten der lokalen Biodiversität.

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Wie viele Tiere werden in VdZ-Zoos gehalten?

Reduktion der Artenzahl im Zoo Berlin
Heute leben nur noch vier Huftierarten im Berliner Antilopenhaus
Es gehört zu den Aufgaben der Zoos, die Artenvielfalt als Teil der globalen oder regionalen Biodiversität sichtbar und erlebbar zu machen. Steigende Betriebskosten, höhere Besuchererwartungen hinsichtlich der Präsentation der Tiere und das Bestreben, die Haltung möglichst tiergerecht zu gestalten, haben allerdings dazu geführt, dass die meisten Zoos ihre Tierbestände reduziert haben. Es besteht heute kein Wettbewerb mehr, wer die größte Tierkollektion hat. Vielmehr streben die Zoos an, einen für sie optimalen Tierbestand in einer natürlich wirkenden Umgebung zu halten. Dabei wird häufig versucht, die Tiere in einem zoogeogeografischen oder ökologischen Kontext zu zeigen.

Masoala-Halle im Zoo Zürich
Ökosystemhallen vermitteln modellhaft Biodiversität, hier der Masoala-Regenwald in Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office BernZ
In einem durchschnittlichen VdZ-Zoo (Zahlen von 68 Zoos, i.d.R. 01.01.2015) werden gut 2500 Wirbeltiere in 257 Arten gehalten. Diese Zahl setzt sich wie folgt zusammen: 390 Säugetiere in 56 Arten, 602 Vögel in 88 Arten, 131 Reptilien in 27 Arten, 93 Amphibien in 8 Arten und über 1290 Fische in 78 Arten (Währenddem in vielen Ländern Zoos und Schauaquarien strikt getrennte Einrichtungen sind, halten alle VdZ-Zoos bis auf 13 auch Fische. 18 Zoos haben namhafte Aquarien mit mehr als 100 Fischarten).

Schließlich sind im durchschnittlichen VdZ-Zoo noch 45 Arten wirbelloser Tiere mit einer unbekannten Individuenzahl (Bienenvölker, Ameisenvölker...) zu sehen.

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Wäre es nicht besser, gefährdete Tierarten in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen, anstatt zu versuchen, sie im Zoo zu erhalten?

Krisengebiete Afrika
Gelb: Krisenländer- und Gebiete, für die das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland Reisewarnungen ausgesprochen hat (Stand März 2017)
Im Prinzip wäre der Schutz in situ, also im natürlichen Lebensraum der ex situ Erhaltungszucht vorzuziehen. Allerdings gibt es verschiedene Gründe, warum die Erhaltungszucht im Zoo trotzdem erforderlich ist: Viele Drittwelt- oder Schwellenländer sind politisch instabil. Es herrscht Bürgerkrieg, oder Terrorgruppen treiben ihr Unwesen. Im Fall von z.B. Afrika hat deshalb das Auswärtige Amt Reisewarnungen für gut die Hälfte des Kontinents ausgesprochen. Die Durchführung von in situ-Arterhaltungsprogrammen ist in diesen Fällen unmöglich oder mit Gefahr für Leib und Leben der Artenschützer verbunden.

Korruptionsindex 2014
Korruptionsindex 2014: je dunkler, desto korrupter. Quelle: Transparency International (https://www.transparency.org/cpi2014/results)
In vielen  Ländern sind die Behörden so korrupt oder so ineffizient, das an vernünftige Artenschutzarbeit nicht zu denken ist. Wiederum im Fall von Afrika: das am wenigsten korrupte Land, Botswana, liegt nach Transparency International gerade mal auf Rang 31 von 175 Ländern (Schweiz Rang 5, Deutschland 12, Österreich 23). Hinzu kommt, dass gerade in Ländern der dritten Welt die Bevölkerung rasant ansteigt und damit die Lebensräume der Wildtiere schwinden und Wildtier-Mensch-Konflikte zunehmen.

In der Hoffnung auf bessere Zeiten, die eine Wiederansiedlung zulassen, nehmen die Zoos eine Brückenfunktion war. Solch bessere Zeiten können kommen: In der Schweiz waren Wolf, Braunbär, Fischotter, Luchs, vermutlich die Wildkatze, Steinbock, Rothirsch, Biber  und Bartgeier  völlig ausgerottet worden. Heute kommen sie alle wieder vor, Luchs, Steinbock, Biber, Storch  und Bartgeier dank Mitwirkung der Zoos, Wildkatze, Rothirsch und Storch teilweise dank Mitwirkung der Zoos.

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Gibt es Tierarten, die in der Natur ausgestorben sind, die aber in Zoologischen Gärten und ähnlichen Einrichtungen überlebt haben?

Wiederangesiedelt aus Zoobestännden
Einige Beispiele der gut 50 aus Zoobeständen wiederangesiedelten "Extinct in the wild"-Tierarten. Die welt wäre ärmer ohne sie ...
Ja, das gibt es. Nach gegenwärtigem Wissensstand (IUCN 2008 und andere Quellen) sind es 50 Tierarten (und zusätzlich gegen 20 wichtige Unterarten), die in der Natur ganz ausgestorben sind und in menschlicher Obhut überlebt haben, oder die in der Natur ausgestorben waren und aus Zoobeständen wieder angesiedelt werden konnten. Es handelt sich um 14 Arten Schnecken, eine Grille, einen Krebs, 12 Fischarten, eine Kröte, drei Schildkrötenarten, sieben Vogelarten und neun Säugetierarten (Detaillierte Liste). Für 22 dieser Arten unterhalten die Zoos internationale Zuchtbücher und / oder regionale Erhaltungszuchtprogramme. Weitaus größer ist die Zahl der Tierarten, die regional ausgestorben waren und Dank Mitwirkung der Zoos wieder angesiedelt werden konnten (Beispiele).

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Für wie viele Arten gibt es Zuchtbücher oder Zuchtprogramme? 

Erhaltungszucht bedingt Kooperation und kommt nicht ohne Überschuss aus
Erhaltungszucht bedingt Kooperation und kommt nicht ohne Überschuss aus. Eine Produktion auf den Punkt oder auf Bestellung, wie aus Tierschutzkreisen gefordert, ist nicht möglich
Weltweit führen die Zoos für rund 900 Tierarten internationale oder regionale Zuchtbücher und / oder regionale Zuchtprogramme. Internationale Zuchtbücher oder globale Zuchtprogramme unter der Schirmherrschaft des Welt-Zooverbandes gibt es für 206 Arten oder Unterarten (Stand März 2010). Unter der Schirmherrschaft des Europäischen Zoo- und Aquarienverbandes (EAZA) bestehen (Stand Januar 2013) 189 Europäische Erhaltungszuchtprogramme und werden ebenfalls 189 Europäische Zuchtbücher geführt. 30 Internationale und 29 Europäische Zuchtbücher werden an einem VdZ-Zoo geführt und für 49 Arten obliegt die Programmkoordination Mitarbeitern von VdZ-Zoos. Eine Zusammenstellung der von VdZ-Zoos geführten bzw. koordinierten Zuchtbücher und Zuchtprogramme findet sich hier

Weisslippenhirschkuh  mit neugeborenem Kalb © Rüdiger Dejon, Zoo Wuppertal wuppertal
Weisslippenhirschkuh mit neugeborenem Kalb. Die Art ist als "Gefährdet" auf der Roten Liste, sie wird nur in 12 europäischen Zoos gehalten © Rüdiger Dejon, Zoo Wuppertal
Zuchtprogramme oder Zuchtbücher gibt es für Arten, die in der Natur bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind, oder aber für Tierarten, die - etwa aus tierseuchenrechtlichen Gründen - aus ihren Ursprungsländer schwer zu beschaffen sind, die aber von den Zoos z.B. aus Gründen der Zoopädagogik oder als "Flaggschiffarten" benötigt werden.

Als Beispiel mögen die Huftiere (Paarzeher und Unpaarzeher) dienen, für die es 56 Europäische Zuchtprogramme oder Zuchtbücher gibt. Davon sind 2 Arten in der Natur ausgestorben (Extinct in the Wild), 6 sind unmittelbar vom Aussterben bedroht (Critically Endangered), 15 stark gefährdet (Endangered), 10 gefährdet (Vulnerable), 5 potentiell gefährdet (Near Threatened), 1 unklar (Data Deficient) und 17 nicht gefährdet (Least Concern).
        
Vikunjas mit Fohlen im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin
Vikunjas mit Fohlen im Tierpark Berlin. Die Art war gefährdet, hat sich aber erholt und konnte 2008 in die Kategorie "Least Concern" versetzt werden © Klaus Rudloff, Berlin
Unter letzteren befinden sich einige, die unlängst noch als gefährdet galten, wie das Vikunja, der Buntbock oder der Litschiwasserbock, Arten, die weltweit nicht gefährdet, aber in Europa selten und daher geschützt sind, wie der Moschusochse oder das Waldren, Arten deren Lebensraum dramatisch schwindet, wie Rotbüffel, Sitatunga und Pinselohrschwein aus dem westafrikanischen Regenwald, oder Arten, die insgesamt nicht gefährdet aber regional bedroht oder ausgestorben sind, wie Pferde- und Säbelantilope.

Um eine Art nachhaltig zu züchten, müssen - wie in der Natur auch - mehr Tiere geboren werden als effektiv für die Erhaltung der Population notwendig sind. Dies kann dazu führen, dass Tiere nicht platzierbar sind und schmerz- und stressfrei getötet werden müssen. Dies geschieht vorzugsweise zum Zeitpunkt von "biologischen Schnittstellen", etwa wenn die Tiere den Familienverband verlassen würden. Dann ist auch in der Natur die Sterblichkeit erhöht.

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Sind Zoos für die Standortgemeinde oder -region wirtschaftlich von Bedeutung?

Geldflüsse am Beispiel des Tierparks Goldau. Dem Standortkanton Schwyz fliessen netto 3 Millionen CHF / Jahr zu
Geldflüsse am Beispiel des Tierparks Goldau. Dem stadortkanton Schwyz fliessen netto 3 Millionen CHF / Jahr zu
Dank den Zoos fließen erhebliche Geldströme in die Standortgemeinden und -regionen. In den Jahren 2010-2014 realisierten VdZ-Zoos Bauvorhaben in der Größenordnung von 500 Millionen €. Für 2015-20 sind vorgesehene Invetitionen von gegen 300 Millionen € bekannt. Der Zoo Leipzig zog 2008 auf 100 Einwohner der Stadt 117 übernachtende Zoobesucher an. Er generierte im Jahr 2007 gesamthaft einen Netto-Tourismusumsatz von 75.15 Mio €, im Jahr 2008 von 78.5 Mio €. Sein Steueraufkommen betrug 2008 ca. 2 Mio €. Der ausschließlich privat finanzierte Opel-Zoo erwirtschaftete von1999 bis 2008 ein Investitionsvolumen von 15 Millionen €. Manche seiner rund 650'000 Besucher reisen aus großen Distanzen an und kommen nicht nur als Tagesbesucher in den Taunus, sondern übernachten auch dort.

Der Zoo stärkt somit auch den Einzelhandel sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe der nahen Taunusgemeinden. Im Falle des Tierparks Goldau in der Schweiz fließen, bei einem Jahresbudget von 4 Mio €, 4.1 Mio € in die Standortregion hinein und nur 670'000 € hinaus. Der Netto-Kapitalzufluss von 3.4 Mio € ist für Standortgemeinde und -bezirk mit nur 9'600 bzw, 48'700 Einwohnern von größter Bedeutung.

Im Jahr 2015 resultierten aus der wirtschaftlichen Tätigkeit des Zoo Zürich bei einem Betriebsaufwand von 27 Millionen Franken eine Wertschöpfung in der Stadt in der Höhe von rund 58 Mio. CHF sowie insgesamt 276 Arbeitsplätze.  Aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen der Stadt und dem restlichen Kantonsgebiet profitieren auch kantonale Unternehmen ausserhalb der Stadtgrenzen. Auf das gesamte Kantonsgebiet bezogen resultiert eine Wertschöpfung von insgesamt rund 63 Mio. CHF. Mit dieser Wertschöpfung sind 324 Arbeitsplätze verbunden (BAK Basel, 2016).

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Welche Rolle spielen die VdZ-Zoos als Arbeitgeber?

Der Zoo als Arbeitgeber © Tierpark Nordhorn
Die Belegschaft des Tierparks Nordhorn © Tierpark Nordhorn
Die VdZ-Zoos beschäftigen ganzjährig etwa 5500 Personen. Hinzu kommen rund 600 Saison-Angestellte sowie das Personal der von Dritten geführten Zoogaststätten und Kioske. Die von den Zoos jährlich ausbezahlte Lohnsumme dürfte in der Größenordnung von gegen 300 Millionen € liegen.

VdZ-Zoos planen oder bauen Großprojekte mit einem gewaltigen Investitionsvolumen - von 2010-2015 rund 700 Millionen Euro. Damit werden Tausende von Arbeitsplätzen gesichert.

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Literatur:

BAK BASEL (2016)   
P. DOLLINGER (Red., 2012)
PETZOLD, D. & SORGE, S. (2012)

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Gelesen 6440 mal Letzte Änderung am Montag, 09 Januar 2017 14:51
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