Seekühe (1)

Die Seekühe (Sirenia) umfassen zwei Familien mit je einer Gattung und insgesamt vier heute noch lebenden Arten, die alle als gefährdet gelten. Eine weitere Art, die Stellersche Seekuh (Hydrodamalis gigas) wurde im 18. Jahrhundert ausgerottet. In VDZ-Zoos wird eine Art gezeigt.

 

Rundschwanzseekühe oder Manatis (3 Arten):

  • Amazonas-Seekuh (Trichechus inunguis), daran nördlich anschließend die
  • Karibische Seekuh (Trichechus manatus). Es gibt eine Übergangszone, wo die beiden "Arten" hybridisieren,
  • Westafrikanische Seekuh (Trichechus senegalensis)

Gabelschwanzseekühe oder Dugongs (1 noch lebende Art und 1 ausgerottete)

D EX 650

Stellersche Seekuh

(Hydrodamalis  (=Rhytina) gigas)
Engl.: The Steller's Sea Cow
Franz.: La rhytine de Steller


Skelette von Steller-Seekuh und Manati im Zoologischen Museum von St. Petersburg - Bild E. P. Tratz
Skelette von Steller-Seekuh und Manati im Zoologischen Museum von St. Petersburg - Bild E. P. Tratz
Die auch Borkentier genannte Stellersche Seekuh  wurde schon kurz nach ihrer Entdeckung im Jahr 1741 ausgerottet. Während die heute noch lebenden Seekuharten ausgesprochene Warmwassertiere sind, war das Borkentier an die Kälte angepasst. Es lebte auf den Kamtschatka vorgelagerten Komondorski-Inseln, auf denen die schiffbrüchige, skorbutkranke Mannschaft des Kapitäns Vitus BERING überwintern musste, als ihr Schiff dort 1741 strandete. Zur Besatzung gehörte als Schiffsarzt der Deutsche Georg Wilhelm STELLER aus (Bad) Windsheim in Mittelfranken, dem wir die erste Beschreibung des Borkentiers verdanken.

Der von den Kamtschadalen für das Borkentier benutzte Name war "Kapustnik", was Steller mit "Krautemser", d.h. Kohlfresser übersetzte, wobei sich "Kohl" auf eine "Meerkohl" genannte breitblättrige Meeralge bezog. STELLER vermaß ein erlegtes weibliches Tier, das ein Gewicht von etwa 4000 kg hatte. Die Gesamtlänge von der Nasen- bis zur Schwanzflossenspitze betrug 752 cm, der grösste Umfang 620 cm. Der Darm war 154 Meter lang, also etwa 20x so lang wie das Tier. Aus zeitgenössischen Darstellungen weiß man, wie das Tier ausgesehen hat. Museumsexemplare sind nur wenige erhalten. So besitzen die Museen von Moskau und St. Petersburg Skelette und andere Körperteile, das Zoologische Museum in Hamburg einen Schädel und Hautstücke. Diese Hautstücke gelangten ursprünglich ins Museum, weil sie voll von Cyamus rhytinae einem parasitischen Hautkrebs waren. Dieser Krebs modellierte die Haut der Seekühe derart, dass sie der rauen Borke eines Baumes ähnelte. Daher der Name "Borkentier".

Über das Liebesleben der Borkentiere schrieb STELLER: "Im Frühjahr begatten sie sich wie Menschen; und besonders gegen Abend wenn das Meer stille ist. Ehe sie zusammenkommen, gehen viele Liebesspiele vorher. Das Weibchen schwimmt sachte hin und her, das Männchen aber folget. Dasselbe betrügt das Weibchen durch so viele Wendungen und krumme Wege, bis es endlich selbst überdrüßig wird und sich gleichsam ermüdet und gezwungen auf den Rücken leget: worauf das Männchen wüthend auf dasselbe zukömmt, seiner Geilheit genüge thut, und beyde einander umfassen."

STELLER beschrieb auch, wie Borkentiere gejagt wurde: "Diese gefräßigen Thiere fressen ohne Unterlaß, und haben für großer Gierigkeit den Kopf beständig unter Wasser, ohne sich um ihr Leben oder ihre Sicherheit zu bekümmern. Daher kann einer auf dem Kahne, so gar nacket, mitten unter sie hineinfahren und sicher eines aus der Herde auslesen und mit dem Haken werfen." Um die harpunierte Seekuh an Land zu bekommen, war eine Seilmannschaft von 30 nötig, die "das Thier hielten, und unter einem ängstlichen Widerstand desselben mit großer Mühe an das Ufer zogen. Diejenigen aber, welche in dem Boote waren, befestigten sich an ein ander Seil, und matteten das Thier mit beständigen Hieben und Stößen dergestalt ab, dass es endlich, da es stille und müde wurde, mit Dolchen, Messern und anderem Gewehre todtgemacht und an Land gezogen wurde. Einige schnitten aus dem noch lebenden Thiere ganz große Stücke heraus." Die Beschreibung der Grausamkeiten geht noch weiter, aber wir wollen es dabei bewenden lassen.

1741 gab es wohl einen Bestand von 1'500-2'000 Borkentieren, die sich auf etwa 15 Weidegründe rings um Bering- und Kupferinsel verteilten. Bereits um 1754 waren die Borkentiere um die Kupferinsel ausgerottet und das wahrscheinlich letzte Tiere wurde 1768 bei der Beringinsel getötet (MOHR, 1957).

Literatur:
MOHR, E. (1957)

 

PD - 19.07.2013; 21.12.2013


 

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