Zucht und Wiederansiedlung (0)

Weltweit führen die Zoos für über 1'000 Tierarten internationale oder regionale Zuchtbücher und / oder betreiben regionale Zuchtprogramme. Unter der Schirmherrschaft des Weltzooverbandes (WAZA) werden rund 170 internationale Zuchtbücher geführt. Unter dem Europäischen Zoo- und Aquarienverband (EAZA) bestehen  (Stand März 2014) 190 Europäische Erhaltungszuchtprogramme für 212 Arten oder separat gemanagten Unterarten und 198 Europäische Zuchtbücher für weitere 200 Arten oder Unterarten. Informationen über Zuchtbücher, die von VDZ-Zoos geführt werden, finden Sie hier.

Zuchtprogramme oder Zuchtbücher gibt es für Arten, die in der Natur bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind, oder aber für Tierarten, die - z.B. aus tierseuchenrechtlichen Gründen - aus ihren Ursprungsländer schwer zu beschaffen sind, die aber von den Zoos z.B. aus Gründen der Zoopädagogik oder als "Flaggschiffarten" benötigt werden.

Tierrechtler behaupten, fast alle deutschen Zoos würden keine Jahresberichte mehr veröffentlichen und damit die Zusammensetzung und Entwicklung ihrer Tierbestände nicht mehr offenlegen.

Das zeugt entweder von absoluter Unkenntnis oder ist besonders unverfroren gelogen, denn die Mitgliedzoos der EAZA, dies sind beinahe alle VDZ-Zoos, haben beschlossen, dass sie alle ihre Tierbestände dem International Species Inventory System (ISIS) melden werden. Dieser Beschluss ist mittlerweile weitestgehend umgesetzt, soweit VDZ-Zoos betroffen sind. Noch nicht möglich ist, dass Dritte sich einen Überblick über die Bestandeszahlen der einzelnen Zoos verschaffen können. Dies wurde aber von ISIS zugesichert.

Zookritiker behaupten bisweilen, dass Zoos in großem Stil der Natur entnommene Tiere importieren und somit einen negativen Einfluss auf die Wildbestände hätten.

Das ist falsch. Eine Organisation, die im Jahr 2010 bei Kindern eine zoofeindliche Haltung erzeugen wollte, musste ihre Behauptung mit Daten aus der Zeit von 1866-86 belegen. Die Zahl der Tiger, Leoparden und Panzernashörner, die aus Asien, der Elefanten und Löwen, die aus Afrika, oder der Eisbären, die aus der Arktis in diesem Jahrhundert für europäische Zoos importiert worden sind, lassen sich nämlich an den Fingern abzählen. Die Einfuhr von Zebras, Flusspferden, Giraffen und Antilopen ist heutzutage aus veterinärrechtlichen Gründen praktisch ausgeschlossen. Die allermeisten Säugetiere die heute im Zoo zu sehen sind, wurden auch im Zoo gezüchtet. Bei den anderen Tierklassen werden zwar noch Tiere aus dem Handel bezogen, aber ihre Zahl ist im Vergleich zur Gesamtzahl aller gehandelten Tiere absolut zu vernachlässigen. Bei den nach Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützten Arten sind gerade mal 1-3 % der importierten lebenden Tiere für Zoos bestimmt (ALTHAUS et al., 2003; ALTHAUS et al. 2001).

In Tierrechtskreisen wird bisweilen die Meinung geäußert, Zootiere seien ökologische Zombies, die keinen vernünftigen Beitrag zum Naturschutz leisten könnten. Insbesondere seien sie für Wiederansiedlungen ungeeignet.

Das ist falsch. Abgesehen davon, dass Zootiere eine wichtige Rolle im Rahmen der Umwelterziehung spielen - an allen VDZ-Zoos gibt es eine Zooschule - sind die Nachkommen von Zootieren mit Erfolg in Hunderten von Wiederansiedlungsprojekten eingesetzt worden.

Zwar trifft es zu, dass die Wiederansiedlung von Tieren, die einen großen Teil ihres Verhaltens erlernen müssen und deshalb mehrere Jahre mit ihrer Mutter verbringen, schwierig ist. Aber sie ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen - möglich. Das belegen z.B. die Orang-Utan-Rehabilitationszentren, in denen Orangs, die für den Tierhandel als Säuglinge ihrer Mutter weggenommen wurden, erfolgreich wieder auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet werden. Eher problematisch sind dagegen Bären, da sie auch nach Ihrer Freilassung den Menschen als Futterquelle betrachten und sich darum in Dörfern an Abfalleimer, Kaninchenställe und Bienenstöcke heranmachen.

Natürlich können Zootiere, die tierärztlich betreut wurden und in einer Umgebung lebten, die frei von vielen Krankheitserregern war, nicht unvorbereitet in eine Umgebung entlassen werden, wo es von Zecken, Blutparasiten, Viren und anderen Krankheitserregern nur so wimmelt. Hier ist eine Akklimatisationsphase einzuschalten. In besonderen Fällen müssen die Tiere in Großgehegen gehalten und tierärztlich überwacht werden, und erst ihre Nachkommen können in die freie Wildbahn entlassen werden. Meist ist dieser Zwischenschritt aber nicht nötig. Die Mehrzahl der im Zoo gezüchteten Tiere kann ohne besondere Probleme für Wiederansiedlungen verwendet werden. Immer vorausgesetzt, dass die entsprechenden Projekte den Richtlinien für Wiedereinbürgerungen der IUCN entsprechen.

ZooFacts30 PHotsrReleaseExtinct in the Wild
Etwas über 50 Tierarten sind - oder waren - in der Natur ausgestorben, haben aber in Menschenohut überlebt. In den meisten Fällen trugen Zoos wesentlich zum Überleben bei. Heute (2014) führt die IUCN noch 31 Tierarten in dieser Kategorie.

ZooFacts35 Storch ZRHWiederansiedlungen mit Beteiligung VDZ-Zoos
Insgesamt wurden weltweit über 400 regional oder lokal ausgestorbene Tierarten unter Mitwirkung von Zoos mit Erfolg oder - bei erst vor Kurzem begonnen Projekten -  erfolgversprechend wiederangesiedelt.

Reintro lynx pardinusWiederansiedlungen mit Beteiligung anderer Zoos - Europa
In den allermeisten Fällen handelt es sich um Wiederansiedlungen von Nachzuchttieren, vereinzelt auch um Projekte  unter Verwendung von Tieren, die im Zoo aufgezogen wurden ("head-starting").

Reintro mustela nigripes NatZooWiederansiedlungen mit Beteiligung anderer Zoos - außerhalb Europa
In Europa, Nordamerika, Japan und Australien werden Wiederansiedlungen zumeist von lokalen Zoos betrieben. In Schwellen- und Entwicklungsländern bestehen kontinentübergreifende Kooperationen

119-006-004-020 elaphurus david tallinn Gründerpopulationen und heutiger Bestand
Erstaunlich ist, dass viele der im Zoo erhaltenen und wiederangesiedelten Arten auf sehr kleine Gründerpopulationen zurückgehen. Würden die Horrorvorstellungen der Tierrechtler über "Inzestzucht" stimmen, müssten diese längst ausgestorben sein.

 


 

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