Haltungsbedingungen (9)

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Plan des im Bau befindlichen neuen Elefantenhauses im Opel-Zoo. Bild Opel-Zoo, Kronberg
Zoos müssen neuen Erkenntnissen und den sich ändernden Haltungsansprüchen Rechnung tragen. Aus ihrem Selbstverständnis heraus passen sie die Haltungsbedingungen ihrer Tiere an neue Erkenntnisse an, um die wirtschaftliche Grundlage ihrer Existenz zu sichern, gehen sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf die Bedürfnisse und Wünsche des Publikums ein.

In den VDZ-Zoos herrscht eine rege Bautätigkeit. Wo immer nötig und möglich, wird das Zoogelände erweitert (z.B. Bern, Dresden, Goldau, Innsbruck, Karlsruhe, Landau, Leipzig, Magdeburg, Nordhorn, Osnabrück, Rheine, Wien, Wingst, Wuppertal, Zürich) und dadurch Luft im alten Zooteil geschaffen. Alte Gehege werden umgebaut oder abgerissen und neu gebaut. Der Brite SHERIDAN, der die neuen Entwicklungen in europäischen Zoos laufend beobachtet, gibt an, dass in VDZ-Zoos in den Jahren 2010-2012 insgesamt 28 Neubauten für über 400 Millionen EURO eröffnet werden sollen. Da er nur "major investments" in größeren Zoos berücksichtigt, ist das tatsächliche Investionsvolumen sehr viel höher. Der von SHERIDAN nicht erfasste Tierpark Bern eröffnet 2010/11 Neuanlagen, in die rund 18 Milionen € investiert wurden. Im Zoo Schwerin wurde 2009 eine neue Nashornanlage bezogen, deren Bau rund eine Million € kostete. 2010 folgten ein neues Taubenhaus und ein Froschhaus und 2011 ein Südamerikahaus für 2 Millionen €.

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Barrierefreie Hochgebirgsanlage für Steinwild im Alpenzoo Innsbruck © Alpenzoo
Der ebenfalls nicht erfasste Alpenzoo Innsbruck befindet sich seit dem Jahr 2000 in einer Phase des Totalumbaus, der mit einer Zooerweiterung und dem Bau eines Schaubauernhofs begann. 2002 wurde eine große begehbare Waldrappvoliere eröffnet. 2003 bezogen die Wisente und Braunbären neue Gehege. 2005 folgten eine neues Rehgehege und eine Auwaldvoliere. Seit 2006 können sich Besucher und Steinböcke in einer Hochgebirgsanlage unmittelbar begegnen und die Kolkraben bewohnen den Paul-Flora-Rabenturm. 2007 wurde eine wegweisende Großvoliere für Bartgeier und andere Alpentiere eröffnet, 2008 gab es neue Anlagen für Gemsen, Steinadler und Wildkatzen, 2009 drei Volierenkomplexe für Großvögel, Raufussfühner und Eulen. 2010 wurde eine neue Fischotteranlage eröffnet und 2012 folgte ein neuer Gebäudekomplex mit Tierarztpraxis und Groß-Aquarium für einheimische Fische, der allein auf rund 2 Millionen EURO zu stehen kam, usw..

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Haltung mehrere Bärenarten auf einer Anlage, Zoo Hannover, 1972 © Peter Dollinger, VDZ
Weil die neuen Gehege in aller Regel größer sind als die alten, wird die Zahl der gehaltenen Tierarten reduziert. In den letzten 40 Jahren hat die Zahl der durchschnittlich in VDZ-Zoos gehaltenen Tierarten um ein Drittel abgenommen. Besonders augenfällig ist dies bei den Bären: hielten früher auch mittelgroße Zoos 4-5 Bärenarten, so beschränken sie sich heute auf eine oder zwei. Die Vielfalt der gehaltenen Meerkatzenarten hat allenthalben abgenommen. Von den ursprünglich 20 kuchenstückförmigen Außengehegen des Berliner Giraffenhauses wurden jeweils drei bis vier zu einem größeren Gehege zusammengelegt und von den ehemals 20 Huftierarten sind gerade mal vier übriggeblieben, aber diese in schönen Gruppen. Zwischen 1950 und 70 besaß der Tierpark Hellabrunn mit 25 Arten und Unterarten eine der weltweit vielfältigsten Hirschkollektionen. Heute sind zwei Drittel davon Geschichte.

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Riesenkängurus auf der ehemaligen Gayal-Anlage im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, VDZ
Im mit nur 9.5 ha flächenmäßig kleinen Heidelberger Zoo wurde seit dem Jahr 2000 die Haltung u.a. folgender Tierarten aufgegeben: Mähnenwolf, Gepard, Amurkatze, Bengalkatze, Ozelot, Europäische Wildkatze, Fennek, Seehund, Breitmaulnashorn, Schabrackentapir, Warzenschwein, Schottisches Hochlandrind, Camarguerind, Gayal. Für einige dieser Arten wurden neue Arten in den Tierbestand aufgenommen, so wird die Nashornanlage jetzt von Roten Riesenkängurus bewohnt, in den meisten Fällen wurden aber die frei werdenden Flächen zur Vergrösserung der Gehege für andere, bereits vorhandene Tierarten genutzt, so etwa die alte Tapiranlage für die Riesenschildkröten, die der Hochlandrinder für die Trampeltiere oder jene der Warzenschweine und Fenneks für die Präriehunde.

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Volierenreihen in einem kleinen Vogelpark in Rheinland-Pfalz © Peter Dollinger, VDZ
Am stärksten ist die Reduktion der Artenzahl bei den Vögeln. Legte man früher Wert darauf, drei bis vier Flamingoarten zu zeigen, geht die Tendenz heute zu einer Art pro Anlage, womit sich auch das Problem der Art- und Unterartbastarde erledigt. Viele Volieren für Kleinvögel glichen früher eher einer Zoohandlung: Eine Unzahl von Prachtfinkenarten mit jeweils nur wenigen Individuen pro Art wurden zusammen in einem möglichst funktionell eingerichteten Käfig gehalten, was weder edukativ noch nachhaltig war. Das gibt es heute bestenfalls noch in von Züchtervereinen betriebenen Vogelparks, aber nicht mehr in wissenschaftlich geleiteten Zoos. Auch die umfangreichen Fasanen- und Papageienkollektionen, die früher in langen Reihern gleichförmiger Volieren gezeigt wurden, sind weitgehend verschwunden und haben der Haltung von einigen wenigen, als Beispiele dienenden Arten Platz gemacht.

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Menagerie Paris - Bärengraben im Originalzustand © Peter Dollinger, VDZ
Die Tierbestandsreduktion kann allerding nicht beliebig fortgesetzt werden, denn es gehört zum Leistungsauftrag eines Zoos, die Biodiversität erlebbar zu machen, und dazu bedarf es nun einmal einer gewissen Artenzahl (DOLLINGER, 2010). Oft werden daher Tierarten nicht einfach abgeschafft, sondern größere Tiere werden durch kleinere ersetzt: ein Gehege, das für einen Tiger zu klein ist, vermag einem Ozelot eher eine akzeptable Umgebung zu bieten. Ein zu kleiner Graben mit Betonboden für Großbären wird zu einer ausreichend großen und gut eingerichteten Anlage für Kleinraubtiere, wie Nasen- oder Waschbären umgestaltet, in der sogar natürliche Vegetation gedeiht.

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Menagerie Paris - Bärengraben nach Umgestaltung für Binturongs © Peter Dollinger, VDZ
Ziel soll sein, einen in Bezug auf die verfügbare Fläche optimalen Tierbestand in einer natürlich wirkenden Umgebung zu halten. Aus zoopädagogischen Gründen wird häufig angestrebt, die Tiere in einem zoogeogeografischen oder ökologischen Kontext zu zeigen.

Auf den folgenden Seiten werden einige Aspekte vorgestellt, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind.

Absicht ist, Grundlagenwissen zu schaffen, Vorurteilen zu begegnen und Vorgehensweisen der Zoos zu erklären.

 

Literatur:
DOLLINGER, P. (Hrsg., 2010)
SHERIDAN, A. (2011)

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PD - 31.12.2010

http://hyperworx.dyndns.org/zoodirektoren/index.php?option=com_k2&view=item&id=1336:gehegeb%C3%B6den&Itemid=192

Gehege müssen von Gesetzes wegen eine bestimmte Mindestgröße aufweisen, (siehe hierzu das Säugetiergutachten) denn einmal darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen…
Die Beschaffenheit der Gehegeböden hängt von den gehaltenen Tieren ab. Eine Rolle spielen dabei Besatzdichte, Sozialverhalten und artspezifische Verhaltensweisen der Bodennutzung, wie Graben oder Wühlen. Unbehandelte, allenfalls begrünte Naturböden können…
Tiergehege im Zoo, einschließlich Volieren, Aquarien und Terrarien, sind stets ein Kompromiss zwischen den Anforderungen der Tiere, des Publikums und des Betriebs. Hinzu kommen Einschränkungen, die sich z.B. aus Topographie…
Die Zoo-Richtlinie der EU und das deutsche Bundesnaturschutzgesetz schreiben vor, dass Zoos so zu betreiben sind, dass dem Entweichen der Tiere vorgebeugt wird. In der Praxis gestalten und begrenzen Zoos…
Traditionell wurde "Wasser- und Parkgeflügel" durch Kupieren, d.h. Abtrennen der einen Flügelspitze oder durch einseitiges Stutzen der Armschwingen am Fliegen gehindert. Die Vögel wurden so zu Fußgängern, die in Freigehegen…
Besonders standorttreue Tierarten oder solche, die außerhalb des Zoos keine geeigneten Lebensbedingungen vorfinden würden, können frei laufend gehalten werden, obwohl sie den Zoo problemlos verlassen könnten, wenn sie wollten. So…
In der Wildbahn sind Tiere ständig einer Vielzahl unterschiedlicher Umweltreize und Herausforderungen ausgesetzt. Sie nutzen sowohl angeborene Verhaltensstrategien, als auch kognitive Fähigkeiten, um sich flexibel damit auseinanderzusetzen und erfolgreich anzupassen.…
Die Vergesellschaftung unterschiedlicher Arten ist von zoopädagogischem Interesse, erlaubt sie doch zwischenartliche Beziehungen aufzuzeigen, wie z.B. Symbiose oder Biologische Rangordnung (siehe Bild: Elenantilopenbock / Zebras > Elenantilopenkühe > Strauße). Sie…
Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts war über die Ernährung von Zootieren recht wenig bekannt. Einerseits waren viele heute selbstverständliche Erkenntnisse hinsichtlich Ernährungt noch recht jung: Das erste Vitamin war…
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