Handeln tut not (5)

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Moosfrosch (Theloderma corticale © Aquazoo Düsseldorf
Ursachen für das Amphibiensterben

Bereits seit 1989 ist bekannt, dass die Amphibienbestände weltweit abnehmen. Die Gründe dafür waren aber vorerst unklar. Heute weiss man, dass, neben Umweltverschmutzung, Klimaveränderung und der fortschreitenden Zerstörung der Lebensräume, in verschiedenen Gebieten der Erde - Mittelamerika, Teile Südamerikas und Australiens - eine Pilzinfektion alle dort vorkommenden Amphibienarten befällt und zu massiven Bestandesverlusten führt. Die Weiterverbreitung des Erregers, genannt Batrachochytrium dendrobatidis, kann in der freien Natur nicht aufgehalten werden. Eine Behandlung erkrankter Tiere ist theoretisch zwar möglich, die geheilten Tiere können aber gegenwärtig nicht wieder ausgesetzt werden, da sie unverzüglich neu erkranken würden.

Es ist Sorge zu tragen, dass der Verbreitung der Krankheit weder durch Schutzmaßnahmen noch durch Forschungsarbeiten Vorschub geleistet wird, etwa dadurch, das infizierte Tiere für Wiederansiedlungen verwendet werden oder dass Leute mit kontaminietrem Schuhwerk in Laichbiotopen herum stiefeln. In diesem Zusammenhang haben SCHMIDT, B.R. et al. (2009) Eine Zusammenstellung von Desinfektionsmaßnahmen für die Feldausrüstung zusammengestellt.

Literatur:
SCHMIDT, B.R. et al. (2009)

 


 

Globale Auswirkungen und was man dagegen tun kann

Seit 1980 sind vermutlich 165 Amphibienarten ausgestorben und über 435 Arten musste auf der Roten Liste in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft werden. Es wird geschätzt, dass heute rund ein Drittel der etwa 6300 bisher bekannten Amphibienarten in ihrer Weiterexistenz gefährdet sind. Sollte sich die Tendenz fortsetzen, besteht die Gefahr, dass eine ganze Klasse von Wirbeltieren verloren geht, was verheerende Auswirkungen auf die ökologischen Gemeinschaften weltweit haben kann. Das Aussterben der Amphibien zu verhindern, stellt eine der grössten Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit dar.

In vielen Fällen wird die Haltung in menschlicher Obhut die einzige Massnahme zur Rettung einer Art darstellen. Der Weltnaturschutzbund IUCN hat daher gefordert, dass alle Arten, die in der freien Natur hochgradig bedroht oder bereits ausgestorben sind, in Menschenobhut genommen werden sollten. Für solche Arten ist ein Zuchtmanagement erforderlich, durch das die langfristige Bestandeserhaltung sichergestellt wird, in der Hoffnung, dass die Art irgendwann einmal wieder ausgewildert werden kann. Dies ist nur möglich, wenn die Zoos und Aquarien unverzüglich handeln und einen grossen Einsatz zeigen, WAZA und die angeschlossenen Regional- und Landesverbände koordinierend wirken, und mit weiteren Institutionen sowie qualifizierten privaten Tierhaltern zusammengearbeitet wird.

 


 

Die Amphibien-Arche

Der Weltverband der Zoos und Aquarien hat deshalb bereits 2005 an seiner Jahrestagung beschlossen, sich der Herausforderung zu stellen. Er hat seitdem mit anderen Organisationen Kontakt aufgenommen, um eine Allianz zu bilden, welche für die Umsetzung des Amphibien-Schutzplans der IUCN verantwortlich ist. Sie hat die Mitglieder aufgefordert, ihr Potential hinsichtlich Artenschutz, Tierschutz, Tierhaltung und -zucht, Nachhaltigkeit, Wissenschaft, Lehre und Forschung, einzubringen, um einen möglichst grossen Beitrag zur Erhaltung wildlebender Amphibien und deren Lebensräumen zu leisten und so viele Arten wie möglich in ihre Obhut zu nehmen.

  1. Jeder Zoo und jedes Aquarium sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten an dem Amphibienschutzprogramm beteiligen. Dies kann folgende Massnahmen beinhalten:
  2. Information der Besucher über die Gefahren, denen Amphibien heute ausgesetzt sind durch entsprechend gestaltete Ausstellungen und Informationstafeln im Zoo oder im Aquarium.
  3. Thematisieren des Amphibienschutzes im Rahmen des Zoo-Unterrichts.
  4. Information der breiten Öffentlichkeit über Pressemitteilungen, Internet usw.
  5. Schaffen der personellen und räumlichen Voraussetzungen, um Amphibien in grösserer Zahl zu halten und im Rahmen langfristiger Programme zu züchten.
  6. Ökologische Aufwertung des Zooareals, um Lebensräume für heimische Amphibien zu schaffen.
  7. Betreuen von Schutzgebieten oder Beteiligung an Aktionen zum Schutz der lokalen Amphibienfauna.
  8. Unterstützen von Zoos, Aquarien und Naturschutzbehörden in Entwicklungsländern mit einer hohen Artenvielfalt an Amphibien durch Wissenstransfer und zur Verfügung stellen von Haltungeinrichtungen und sonstigem Material.
  9. Beteiligung and Forschungs- und Schutzprojekten in Entwicklungsländern.

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 07.10.2013


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