Montag, 26 September 2016 14:29

DOLLINGER, P. (Hrsg., 2016)

Akzeptanz und Relevanz der Zoologischen Gärten.

Verhandlungsbericht des VII. Rigi-Symposiums, gemeinsam organisiert von ZOOSchweiz, OZO und VdZ-Zoos in Süddeutschland, Rigi-Kulm, 14. - 16. Januar 2016.

Zoo Office Bern. 74 Seiten.

Editorial:

Als der Zoologische Garten Basel im Jahr 2014 der Öffentlichkeit seine Absicht kund tat, ausserhalb des aktuellen Zoogeländes ein mit privaten Mitteln finanziertes Ozeanium zu bauen, meldete sich sogleich eine am Genfersee domizilierte Umweltorganisation zu Wort, die bemängelte, das Projekt des Basler Zoos sei ein «Konzept des vergangenen Jahrhunderts», das sie verhindern und mit einem eigenen Projekt ersetzen wolle. Dieses Alternativprojekt unter den Namen «Vision Nemo» wurde in der Folge entwickelt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelte sich dabei um eine Art interaktives Kino, einen «revolutionären» Erlebnispark in dem «sinnliche, interaktive Reisen durch bewegte, bewegende und dreidimensionale Bild- und Klangwelten» ermöglicht werden sollen. Die Kosten für dieses Gegenprojekt sollten sich auf 80 Mio. CHF belaufen, welche die Initianten von Basler Mäzenen zu erhalten hofften. Um ihrer Idee zum Erfolg zu verhelfen, wollten sie auch vor demokratischen Mitteln nicht Halt machen und drohten indirekt mit einer Volksabstimmung, sollte sich beim Zoo kein Umdenken einstellen. Von der Idee einer Volksabstimmung mussten sie allerdings Abstand nehmen, nachdem eine repräsentative Umfrage ergeben hatte, dass eine solche Initiative in der Region Basel keine Chance hätte [1]. Auch von einem Ergebnis der Spendenaktion hat man nie wieder etwas gehört.

Der Zoo Basel liess sich von diesen Aktivitäten, denen sich auch einige lokale Projektkritiker angeschlossen hatten, nicht beirren. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Basler Regierungsrats und Präsidenten von Swiss Olympic JÖRG SCHILD wurde ein Patronatskomitee gebildet, dem namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft angehörten [2]. Binnen zweier Jahre konnten über 50% der veranschlagten Bausumme durch Spenden gesichert werden [3]. Die Teilnahme am World Oceans Day wurde zur festen Einrichtung [4]. Ab 2015 wurde ein Projekt zur nachhaltigen Gewinnung von Badeschwämmen auf Sansibar unterstützt [5], es folgte die Unterstützung eines Lachs-Forschungsprojekts der Universität Basel [6], und 2016 wurde mit der FONDATION PRINCE ALBERT II DE MONACO eine Partnerschaftskonvention unterzeichnet mit der das gemeinsame strategische Engagement zugunsten der Umwelt mit Fokus auf maritime ökologische Anliegen manifestiert wurde [7]. Im Februar 2016 wurden die Entwürfe für den Bebauungsplan, die Zonenänderung, die Zuweisung der Lärmempfindlichkeitsstufe und die Änderung der Bau- und Strassenlinien öffentlich aufgelegt. Es gab zwei Einsprachen, eine gegen das Projekt an sich – von der eingangs erwähnten Organisation, die ihre Legitimation mit dem Verbandsbeschwerderecht gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz begründete – und eine  weitere, die sich lediglich gegen die geplante Verkehrsführung im Projektperimeter richtete [8].

Dieses Beispiel zeigt mit aller Deutlichkeit, in welcher Situation sich die Zoos heute befinden: Einerseits können sie sich des ungebrochenen Zuspruchs des allgemeinen Publikums erfreuen und sich auf einen soliden Kreis von Freunden und Förderern verlassen, die sie auch finanziell unterstützen, andererseits sehen sie sich der Kritik zoofeindlicher Organisationen ausgesetzt, die, so unbegründet sie im Einzelfall auch sein mag, ein erhebliches Medieninteresse erzeugt und die Zoos zwingt, sich zu verteidigen.

Dies war der Grund, für das diesjährige Rigi-Symposium das Thema «Akzeptanz und Relevanz der Zoos» zu wählen.

Eingeleitet wurden die Vorträge durch den Religionswissenschafter und Ägyptologen MIKE STOLL, der zum Schluss kam, dass Zoos nicht nur relevant seien, weil sie die Aufgaben erfüllten, die sie sich selbst gestellt hatten oder die ihnen heute von der Zoo-Richtlinie der EU überbunden werden, sondern auch weil sie allein durch ihre Existenz unsere Kultur aktiv mitgestalten und in uns selbst das Verständnis für die Schöpfung insgesamt fördern.

Der frühere und der gegenwärtige Geschäftsführer des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) gingen der Frage nach, wie sich der VdZ aufstellt, damit seine Zoos auch in Zukunft  noch akzeptiert und relevant sind. PETER DOLLINGER analysierte die Situation, wie sie sich in den letzten Jahren präsentiert hatte und zeigte auf, was der VdZ bis anhin unternommen hatte, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts Genüge zu tun, und VOLKER HO-MES stellte dar, was in Zukunft geplant ist.

Der Präsident des VdZ, THEO PAGEL, erläuterte, welchen gesetzlichen Auftrag die Zoos in der europäischen Union und namentlich in Deutschland und Österreich haben und unter welchen oftmals einschränkenden Rahmenbedingungen sie arbeiten müssen.

MARKUS GUSSET vom Weltverband der Zoos und Aquarien ging der Frage nach, wohin der «animal welfare» Trend in unserer Gesellschaft führt und erläuterte dies mit Umfrage-Ergebnissen eines schweizerischen Magazins.

PETER SCHMID, ehemaliger Erziehungsdirektor des Kantons Basel-Landschaft diskutierte, ob die Haltung von Wildtieren zu edukativen Zwecken unter ethischen Gesichtspunkten erlaubt sei, eine Frage, die er bejahte, sofern gewisse Rahmenbedingungen erfüllt werden.

CHRISTIAN LAESSER, Professor an der Hochschule St. Gallen, referierte darüber, welche Relevanz Zoos für den Tourismus haben, wobei er einerseits bemängelte, dass es wenig systematische Untersuchungen gebe, andererseits aber auch Vorschläge machte, wie sich Zoos in touristischer Hinsicht weiterentwickeln könnten.

Und schliesslich beendete der jüngste Zoodirektor Deutschlands, DENNIS MÜLLER aus Halle, den Reigen damit, dass er seine Vision vorstellte, wie ein Zoo im Jahr 2050 aussehen sollte.

Die vom Moderator KURT AESCHBACHER des Schweizer Fernsehens exzellent zusammengefassten Präsentationen der Arbeitsgruppen resultierten, trotz sehr unterschiedlicher Vorgehensweisen, in einem Massnahmenkatalog, den wir allen Zoos ans Herz legen.

Quellen:

[1]  Tages-Anzeiger Zürich vom 27.04.2014
[2]  Medienmitteilung Zoo Basel vom 09.03.2016 (http://www.ozeanium.ch/de/aktuell/detail.php?NEWSID=958)
[3]  Basler Zeitung vom 03.02.2016 (http://bazonline.ch/basel/stadt/Planauflage-fuer-Ozeanium-gestartet/story/26604006)
[4]  Medienmitteilung Zoo Basel vom 09.06.2015 (www.ozeanium.ch/de/aktuell/detail.php?NEWSID=904)
[5]  Ozeanium-Facebook-Seite, Eintrag vom 15.07.2016 (https://www.facebook.com/ozeanium/)
[6]  Medienmitteilung Zoo Basel vom 13.07.2016 (http://www.zoobasel.ch/de/aktuell/detail.php?NEWSID=987)
[7]  Medienmitteilung Zoo Basel vom 11.05.2016 (http://www.zoobasel.ch/de/aktuell/detail.php?NEWSID=973)
[8]  TELEBASEL vom 14.03.2016 (telebas-el.ch/2016/03/14/zwei-einsprachen-gegen-zolli-ozeanium/)

tit basel ozeanium
Bild: Philipp Schaerer
Leitgedanke des Ozeaniums

   Das Ozeanium zeigt das Meer in seiner Vielfalt und Schönheit. Es will seine Besucherinnen und Besucher für das Meer begeistern und sie für dessen Schutz gewinnen. Anhand verschiedener Meeresthemen leistet es intensive Umweltbildung und schafft in einem Binnenland wie der Schweiz das so wichtige Bewusstsein für die Meere. Die Besucherinnen und Besucher verstehen die Zusammenhänge im Meer und erfahren, wie ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt möglich ist.
   Das Ozeanium steht ganz unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit. So werden beispielsweise  Baumaterialien verwendet, die möglichst unbedenklich sind und / oder wiederverwertet werden können. Das Gebäude soll durch Solar- und andere erneuerbare Energien spar-sam, effizient und nachhaltig betrieben werden können. Die Technik im Hintergrund muss  effizient und energiesparend sein und Tiere, Futter und Lebensmittel werden umweltschonend beschafft. Nachhaltigkeit ist im Ozeanium kein leerer Begriff, sondern gelebte Wirklichkeit.

"Es gibt keine schlechten Mannschaften, Marschall. Es gibt nur schlechte Offiziere."

Napoleon I. Bonaparte

Freigegeben in D

11 3 11 0 NOH Stelzenweg PD
Der Naturpfad Vechteaue im Tierpark Nordhorn @ Peter Dollinger, VdZ
Der naturnah gestaltete, mit vielen einheimische Gehölzen bepflanzte Tierpark Nordhorn, zu dem auch der Teil eines Vechte-Altarms, extensiv beweidete Überschwemmungsflächen in der Vechteaue und durch einen Stelzenweg für die Besucher erschlossener Auwald gehören, ist Lebensraum vieler einheimischer Tierarten.

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Nicht aus dem Tierpark ausgebrochen sondern eingewandert: Sumpfbiber vom Naturpfad aus © Peter Dollinger, VdZ
2007 wurde der Naturlehrpfad "Vechteaue" der Öffentlichkeit übergeben  mit dem Ziel, die Besucher über die Vechteaue als Überschwemmungs- und Retentionsraum und als Mosaik aus Kultur- und Naturlandschaft zu  informieren. Er sollte Einblicke in das Gebiet gewähren ohne dass dieses durch das Eindringen der Menschen gestört oder gar zerstört würde. Der mit etlichen Informationstafelns und Lernspielen versehene „Naturpfad Vechteaue“ windet sich als hölzerner Stegweg mit rollstuhlgerechtem Gefälle am Hang hinab bis hinunter an den Rand des Gewässers und von dort in einem kleinen Bogen über die Wiese wieder hinauf zum historischen Vechtehof.

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Wiesenböschung mit Königskerzen und Luoinen im Tierpark Nordhorn © Peter Dollinger, VdZ
Die Besucher haben über den Vechtealtarm hinweg freien Blick auf die anschließende Vechteaue. Der Altarm selber ist Nahrungs- und Brutbiotop verschiedener Amphibien und an Gewässer gebundener Vogelarten, wie Kormoran, Graureiher, Stockente, Haubentaucher, Bläß- und Teichhuhn, Eisvogel sowie Sumpfrohrsänger, die alle vom Lehrpfad aus beobachtet werden können. Für Uferschwalben wurde eigens eine Brutwand angelegt.

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Im Tierpark Nordhorn wurden zahlreiche heimische Sträucher angepflanzt © Peter Dollinger, VdZ
Nicht nur in der Aue sondern verteilt über das ganze Tierparkgelände brüten zahlreiche Singvogelarten wie Schwalben, Rotkehlchen, Hausrötel und Zaunkönig. Insbesondere am Vechtehof sind immer stattliche Schwärme von Haussperlingen zu beobachten. Diese früher sehr häufigen Vögel haben in der heutigen aufgeräumten Landschaft oftmals keine idealen Lebensbedingungen mehr. Auch die Dohlen sind ein im Tierpark weit verbreiteter und immer anzutreffender Vogel. Als Höhlenbrüter nehmen sie die Nisthilfen immer gerne an.

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Die ökologische Bedeutung der Gehölze wird auf Tafeln zweisprachig erläutert © Peter Dollinger, VdZ
Nebst dem Graureiher brüten seit dem Jahr 2004 frei fliegende, wilde Weißstörche erfolgreich auf dem Vechtehof und auf der Scheune Busch an der Afrika-Savanne.  Waren es anfänglich nur 2-3 Paare, die im Frühjahr versuchten einen Nistplatz im Tierpark zu ergattern, kamen 2012 beinahe ein Dutzend Paare und bauten überall, wo sich eine Gelegenheit bot Ihre Nester. Die Zahl der Brutpaare ist seitdem noch gewachsen und der Tierpark versucht mittlerweile in Kooperation mit dem NABU Grafschaft Bentheim durch das Aufstellen von Nestern in den Vechteauen außerhalb des Zoos die Tiere aus dem Parkgelände in die Naturgebiete zu locken 11 3 11 0 NOH storchenbaum PD
Ein Dutzend Storchennester auf einem einzigen Baum © Peter Dollinger, VdU
Hinzu kommen viele Störche, die sich offensichtlich nicht am Brutgeschehen beteiligen, sich aber zur Futtersuche in der Region aufhalten. Nebst den flugfähigen Störchen, die im Tierpark kein Futter erhalten, werden hier noch eine Anzahl nicht flugfähiger Vögel, zumeist Unfallopfer, betreut.

Nebst dem von den Besuchern leicht zu beobachtenden Eichhörnchen leben viele andere Kleinsäuger im Tierpark, denen man wegen ihrer nächtlichen Lebensweise kaum begegnet. Um die zahlreichen verschiedenen im Park vorkommenden Fledermausarten erleben zu können, wird jährlich eine  „Batnight“ durchgeführt

Literatur und Internetquellen:

BROCKMANN, I. & SALZERT, W. (2007)

http://www.tierpark-nordhorn.de/der-park/

06.06.2016

Zurück zu Natur- und Artenschutz

Freigegeben in Lebensraum Zoo
Montag, 21 März 2016 13:37

GUTZWILLER, A. (1984)

Beitrag zur Ernährung der Zoosäugetiere

Dr. med. vet. Dissertation

118 Seiten

Institut für Veterinärphysiolige, Universität Zürich
Betreuer: Prof. Dr. H. Jucker
Zoo Basel

Zusammenfassung und Summary:

Siehe hier

21.03.2016

Freigegeben in G
Montag, 14 März 2016 14:27

GAILLARD, S. (1995)

Stimulierung des Nahrungssuchverhaltens von Brillenbären (Tremarctos ornatus) in einem Zoogehege

Diplomarbeit

44 Seiten

Universität Zürich, Zoologisches Institut, Abteilung Ethologie und Wildforschung
Supervisor: Prof. Dr. H. Kummer
Zoo Zürich

Zusammenfassung:

Siehe hier

14.03.2016

Freigegeben in G
Donnerstag, 10 März 2016 14:35

JUD, J. (2014)

Umweltbildung und das Wohl der Tiere im Zoo - Einschätzung der Kompatibilität anhand der vier umweltethischen Sichtweisen und am Beispiel des Ozeanium Basel

Semesterarbeit

39 Seiten

Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschafte, Departement Life Science und Facility Management
Supervisor: Thomas Hofstetter
Zoo Basel

Zusammenfassung:

Siehe hier

Abstract:

See here

10.03.2016

Freigegeben in J
Freitag, 04 März 2016 07:06

FREHNER, J. (2013)

Integration von Nahfeldkommunikation in Tierparks (Version 1.0) - Ein Fallbeispiel am Wildnispark Sihlwald

Bachelorarbeit

66 Seiten plus Anhang

Ganze Arbeit

Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur, Studiengang "Multimedia Production"
Referenten: Roland Köppel, Ivo Macek
Wildnispark Zürich

Zusammenfassung:

Tierparks gibt es schon seit 2000 v. Chr. und haben sich währenddessen ständig weiterentwickelt. Die Tiergehege werden immer weitläufiger, was mitunter die Sichtbarkeit der Tiere vermindert. Damit diese Entwicklung nicht die Attraktivität eines Tierparkbesuches einschränkt, wird in der folgenden Bachelorarbeit untersucht, ob der Einsatz von Nahfeldkommunikation sinnvoll für die Attraktivität und die Steigerung der Besucherzahl von Tierparks eingesetzt werden kann. Zusätzlich wird auch der Faktor des Natur- und Artenschutzauftrag miteinbezogen, welcher ein Tierpark zu erfüllen hat. Untersucht werden diese Fragestellungen anhand vier Methoden: im theoretischen Teil mit der Inhaltsanalyse, im empirischen Teil durch Experteninterviews, offene Befragung und Beobachtung der Tierparkbesucher. Die Erhebung wurde im Wildnispark Sihlwald in Zürich durchgeführt und zeigt auf, dass NFC in Tierparks nur einen geringen Mehrwert mit sich bringt und diese Technologie für den Einsatz noch zu unreif ist.

Abstract:

Zoos exist since 2000 B.C. and have developed permanently. The animal enclosures get more and more spacious which reduces the visibility of the animals. To ensure that this development does not limit the attractiveness of a zoo visit the following bachelor thesis will examine if the establishment of near field communication makes sense for the attractiveness and the increase of the number of visitors in zoos. In addition, the factor of conserving species, which a zoo has to perform is co-included. These problems are examined with the following four methods: in the theoretical part by content analysis and in the empirical part by expert interviews, open questionings and an observation of the zoo visitors. The research took place in the Wildnispark Sihlwald in Zurich and shows that NFC in zoos does not have a considerable impact and is not yet ready to be integrated.

04.03.2016

Freigegeben in F
Montag, 29 Februar 2016 08:45

SCHMID, J. (2006)

Verhalten Asiatischer Elefanten (Elephas maximus) im Zoo und Zirkus

Dissertation

199 S. : Ill., graph. Darst.

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Universität Greifswald
Leitung:
Verschiedene Zoos

Zusammenfassung:

Die Haltung von Elefanten in Zoos und Zirkussen wird sehr kontrovers diskutiert. Zuchtprobleme, Unfälle mit Pflegern, Bullenhaltung, Kettenhaltung oder der Mensch-Tierkontakt sind häufige Streitpunkte. Wie sieht eine tiergerechte Elefantenhaltung aus? Tiergerecht ist ein Haltungssystem dann, wenn die darin lebenden Tiere in der Lage sind ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Dies führt zu Wohlbefinden oder zu positiven Befindlichkeiten bei den Tieren. In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, aus dem Verhalten von Zoo- und Zirkuselefanten Indikatoren für deren Befindlichkeit zu finden. Zu Betonen ist dabei die, für Untersuchungen an Großsäugern in menschlicher Obhut, außergewöhnlich große Stichprobe von 49 Elefanten in vier Zoos und drei Zirkussen. Die Dissertation beinhaltet einen umfangreichen theoretischen Abriss zum Verhalten von Elefanten in der freien Wildbahn und zu den Haltungsbedingungen in Zoos und Zirkussen. In einem ausführlichen Ethogramm wird das Verhalten der beobachteten Elefanten exakt beschrieben. Darunter finden sich auch einige bisher noch nicht beschriebene Verhaltensweisen zum Werkzeuggebrauch und zur Objektmanipulation der Tiere. Beim quantitativen Vergleich des Verhaltens zwischen den einzelner Zoo- und Zirkusherden wurden deutliche Unterschiede gefunden, die mit unterschiedlichen Haltungsbedingungen in Verbindung gebracht werden konnten. In einem umfangreichen Kapitel wird das Auftreten von Stereotypien, deren Aussehen und mögliche Ursachen sowie der theoretischen Hindergrund dieser Verhaltensstörung dargestellt. Als weiterer Indikator für das Befinden der Tiere wird das Ausdrucksverhalten herangezogen. Die einzelnen Elemente werden beschrieben und einzelnen Befindlichkeiten zugeordnet. Schließlich wird die Stressbelastung von Elefanten bei der Integration einzelner Tiere in eine fremde Zooherde an Hand von Cortisolmessungen im Urin und Verhaltensbeobachtungen untersucht. In der Gesamtdiskussion werden einige strittige Punkte in der Elefantenhaltung aufgegriffen, unter anderem die Problematik der Elefantenhaltung im Zirkus. Die Einzelergebnisse werden stets auf deren Aussagekraft für das Wohlbefinden der Tiere analysiert, so dass die Arbeit mit klaren Managementempfehlungen, die zur Verbesserung des Wohlbefindens von Elefanten in Zoos und Zirkussen beitragen können, schließt.

29.02.2016

Freigegeben in S
Montag, 29 Februar 2016 07:34

STEINKRÜGER, J-E. (2013)

Thematisierte Welten : über Darstellungspraxen in Zoologischen Gärten und Vergnügungsparks

Dissertation

348 S. : Ill., graph. Darst.

Geographisches Institut, Universität Bonn
Leitung:
Verschiedene Zoos

Zusammenfassung:

Welche Rolle spielen thematisierte Räume bei der Konstruktion sozialer und kultureller Identitäten? Jan-Erik Steinkrügers Studie zeigt am Beispiel der historischen Entwicklung von Zoos und  Vergnügungsparks: Die Darstellungspraxis ist abhängig vom Habitus ihrer Klientel. Neben der Darstellungsform geraten vor allem die Darstellungsinhalte in den Blick. Es zeigt sich, dass diese Themenwelten, für die besonders Carl Hagenbeck und Walt Disney stilprägend waren, Bilder anderer Welten (re-)produzieren. Die Trias von sozialer, kultureller und räumlicher Differenz steht damit im Zentrum der Analyse und trägt zugleich zum Verständnis von Freizeit und Tourismus allgemein bei – denn Themenwelten sind die von allem Störenden befreite Version des touristischen Blicks.

29.02.2016

Freigegeben in S
Donnerstag, 18 Februar 2016 13:47

HURGITSCH, B. (2011)

Akustische Kommunikation und Mutter-Kalb-Beziehung bei Giraffen (Giraffa camelopardalis) in zoologischer Haltung

Diplomarbeit

56 Seiten

Universität Wien
Betreuer: ao. Univ. - Prof. Dr. Helmut Kratochvil, Fr. Dr. Stöger-Horwath (Tiergarten Schönbrunn)
Tiergarten Schönbrunn Wien

Zusammenfassung:

Die akustische Kommunikation, insbesondere die Verwendung von Infraschall, sowie die Beziehung zwischen einem Muttertier und ihrem Jungtier bei Giraffen (Giraffa camelopardalis) sind die Themengebiete, mit denen sich diese Studie beschäftigt. Giraffen galten für eine sehr lange Zeit als still. In den 1990ern jedoch fanden Biologen heraus, dass diese Tiere in der Lage sind Infraschall-Laute zu produzieren. Seit dieser Entdeckung wurden sechs verschiedene Lauttypen beschrieben. Somit nahm ich Laute von drei verschiedenen Giraffen-Unterarten auf, um festzustellen, ob sich Unterschiede in der akustischen Kommunikation zwischen den einzelnen Unterarten feststellen ließen. Die Datenaufnahmen erfolgten von September 2007 bis Februar 2008 hauptsächlich im Tiergarten Schönbrunn in Wien, Österreich. Ebenso wurden im Zoo Duisburg, Deutschland sowie im Zoo Dortmund, Deutschland jeweils eine andere Giraffen-Unterart akustisch aufgezeichnet. Mittels eines speziellen Schallanalyseprogramms konnten die Aufnahmen analysiert werden. Zusätzlich wurde das Verhalten zwischen dem Muttertier und ihren beiden Kälbern im Wiener Tiergarten Schönbrunn untersucht.Es konnten unter Tiergartenbedingungen im Gegensatz zu den kolportierten Freilandstudien nur sehr wenige Laute aufgenommen werden. Während der ganzen Studienzeit konnten nur Vokalisationen vom adulten Bullen im Tiergarten Schönbrunn verwertet werden. Somit konnte auch kein Vergleich zwischen den Lauten der verschiedenen Unterarten angefertigt werden, da keine brauchbaren Vokalisationen von diesen vorliegen. Die Ergebnisse bezüglich der Interaktionen zwischen dem Muttertier und ihren beiden Jungtieren, sowie die Möglichkeit einer „nursery function“ von der subadulten Kuh im Tiergarten Schönbrunn sind jedoch signifikant.

Summary:

Acoustic communication, particular the vocalization with infrasound and the mother-cub relationship in giraffes (Giraffa camelopardalis) are the focuses of this study. For A long time the giraffe was signed as a silent animal. In the 1990ies some biologists claimed these animals as producing infrasound. Since then at least six loud types were described. So I tried to investigate, if giraffes in three different zoos were communicating also with these loud types and if there were differences in the acoustic communication between t he three subspecies, which I tested. From September 2007 till February 2008 the data recording took place at the Vienna Zoo, Austria, the Zoo Duisburg, Germany, and the Zoo Dortmund, Germany. With a specific analysis program I investigated the audio recordings. Additionally the behavior between the mother and he r two cubs in the Zoo of Vienna were tested. In opposition to my research under zoo conditions t he earlier field studies showed many vocalizations. I only got louds from the male adult giraffe at Vienna Zoo. So the comparison between the subspecies was not able to accomplish, because I recorded no usable vocal communication at the zoos in Germany. However the results of the active and passive behavior between the mother and her cubs and the possibility for a “nursery function” of the adolescent cow from Vienna Zoo are significant.

18.02.2016

Freigegeben in H
Montag, 08 Februar 2016 10:08

KIEßLING, S.E. (2008)

Social relationships in zoo-living bonobos, Pan paniscus

Dr. rer. nat. Dissertation

107 Seiten

Institut für Neurobiologie, Fakultät für Naturwissenschaften, Universität Ulm
Leitung: Prof. Dr. Günter Ehret
Zoo Frankfurt, Zoo Köln, Zoo Planckendael (Belgien)

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

Die vorliegende Studie behandelt die sozialen Beziehungen von Bonobos in menschlicher Obhut. Ziel der Arbeit war, mögliche Zusammenhänge zwischen der Vitalität einer Gruppe, speziell der sozialen und räumlichen Nähe ihrer Mitglieder zueinander, und Aspekten einer flexiblen, der Situation frei lebender Tiere ähnlicheren Haltungsform zu untersuchen. Verhaltensweisen und Beziehungsmuster in 3 verschiedenen Gruppen von Bonobos wurden analysiert und mit dem bisherigen Wissen über das soziale Leben dieser bislang am wenigsten erforschten Menschenaffenart verglichen. Dabei wurden vorwiegend Freilandstudien berücksichtigt. Das interaktive und räumliche Verhalten in einer der Gruppen, welche in einem künstlich induzierten “fission-fusion“ System gehalten wurde (Frankfurt), wurde dem von konstanten Gruppen gegenüber gestellt (Planckendael und Köln). Es sollte überprüft werden, ob ein relativ häufiger Partnerwechsel, wie er für frei lebende Bonobos beschrieben worden ist, erkennbare Auswirkungen auf die soziale Dynamik einer Gruppe hat. Für die Bonobogruppe, deren Mitglieder überwiegend in 2 variablen Untergruppen gehalten wurden, wurde im Anschluss überprüft, ob die Raten an sozialer und/oder räumlicher Nähe mit der Dauer ihrer jeweiligen Zusammensetzung abnahmen, was auf eine intrinsische Motivation in Richtung Auseinandergehen (“fission “) hinweisen könnte. Zudem wurden Untergruppentreffen, bei denen alle Tiere zeitweise miteinander interagieren konnten, untersucht, um zu überprüfen, ob ein solches Zusammenkommen (“fusion“) einen stimulierenden Effekt auf die Gruppendynamik hat, insbesondere auf die Interaktionsraten von Tieren, die vorher getrennt waren. Strukturelle Beziehungsmuster, welche in allen 3 Zoogruppen gefunden wurden, entsprachen grundsätzlich dem bisher bekannten Bild des sozialen Lebens von Bonobos. Dies bestätigt die Erwartungen, dass diese Tiere auch in menschlicher Obhut viele natürliche Verhaltensmuster zeigen. Einige untersuchte Faktoren, wie die sozialen Beziehungen zwischen Jungtieren und Erwachsenen, sind bislang nur wenig berücksichtigt worden und bedürfen intensiverer Forschung. Die Bonobogruppe, welche unter künstlichen “fission-fusion“ Bedingungen gehalten wurde, zeigte eine deutlich erhöhte Rate an sozialer und räumlicher Nähe, verglichen mit den konstanten Gruppen. Die Rate an agonistischem Verhalten hingegen war in dieser Gruppe am geringsten. Interaktives Verhalten hatte in Frankfurt auch einen größeren Anteil am Aktivitätsprofil, verglichen mit Planckendael und Köln. Untergruppentreffen führten bei den Bonobos zu einem Erregungsanstieg, was vor allem an einer erhöhten Rate an sozio-sexuellem Verhalten zu erkennen war, aber nie zu einer erhöhten Aggressivitätsbereitschaft führte. Nach einigen Tagen ohne Veränderungen im Partnerspektrum, sank häufig die Interaktionsrate einer Untergruppe und die Tiere befanden sich weniger häufig in direkt er räumlicher Nähe zueinander. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind kompatibel mit Annahmen, dass Bonobos ein hohes Anpassungspotential besitzen und bei geeigneter sozialer Gruppierung auch in Menschenobhut ihr natürliches Verhaltensrepertoire zeigen können. Da viele strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Beziehungen von zoolebenden und wildlebenden Tieren existieren, können Zoostudien dazu beitragen, soziale Beziehungsmuster dieser am wenigsten bekannten Menschenaffenart genauer zu an alysieren. Zukünftige Untersuchungen sollten beide Forschungsbereiche (Zoo und Freiland) stärker kombinieren. Auf der Ebene des Managements von Zoopopulationen konnte die vorliegende Studie erste Hinweise liefern, dass eine dem Freiland nachempfundene, flexible Haltung der Tiere in wechselnden Untergruppen einen stimulierenden Effekt auf die Vitalität einer Gruppe haben kann. Bonobos scheinen ein intrinsisches Bedürfnis nach sozialer Abwechslung zu besitzen. Institutionen, die Bonobos (und andere “fission-fuson“ Arten) halten, sollten ein möglichst flexibles Haltungssystem in Erwägung ziehen, vor allem in Hinblick auf langfristig vitale soziale Gruppen und deren artgerechter Haltung in menschlicher Obhut.

Summary:

The following study analyses the social relationships in zoo-living bonobos. The main aim of the study was to determine if there is a correlation between the vitality of a group, measured via the amount of social and spatial proximity between its members, and a keeping system which more closely resembles grouping patterns found in free ranging animals. The behaviour and inter-ape relationships in three different zoo-living groups were studied, and compared to what is known of free-living bonobos. The knowledge base concerning free-living bonobos is limited compared to other great ape species. But, it is well documented that they live in flexible and fluid fission-fusion societies in the wild, in which members of the same community forage and travel in ever-changing parties. One of the groups studied (Frankfurt) was kept in an artificial fission-fusion environment, this group was compared to two others (Cologne and Plankendael) which were kept in constant groups. The question was, whether changing the group members often, as in Frankfurt, has a positive effect on the animal’s social relationships, noticeable by a higher rate of social and spatial proximity. Detailed analyses of the separation management strategy performed in Frankfurt were carried out. It was investigated whether all-animal encounters enhanced the social arousal and whether individuals, which were separated before tended to be especially attracted by each other. It was furthermore hypothesised that bonobos that spend some time together in a constant subgroup, show signs of social separation, indicating an intrinsic motivation to move on (fission). To test this, observation data taken form just after a fission-fusion “event” was compared to data form before such an “event”, to see if the rearrangement of a group had a stimulating effect on the group dynamic.  The social patterns observed in the three groups investigated in this study correlate to what has been observed in free-living bonobos. This confirms the conclusion that captive bonobos display many of the social characteristics that have been observed in the wild. Many inter-ape relationships however, like these between juveniles and adults, have not been studied intensively and need to be studied in more detail.  The Frankfurt group, which was kept in the artificial fission-fusion system, showed increased values in social and special proximity, compared to the other groups which were kept in constant parties (Cologne and Plankendael). The amount of agonistic behaviour in this group (Frankfurt) was, in contrast, lower. When being reunited, the animals mostly displayed an increase in socio-sexual behaviour, but rarely any aggressive behaviour. After a few days within the same subgroup the animals tended to display a decrease in social interactions and direct proximity to each other. The results of this study confirm assumptions that bonobos have a great ability to adjust to captive conditions, and are able to display much of their natural behaviour in captivity (high adaptive potential). This being the case, affirms the assumptions that also zoo studies, are of invaluable importance towards understanding the social behaviour and social needs in this, the least studied, of the great apes. Future studies should aim to combine the two fields of study (zoo and field) to a greater extent. This study could also prove important to zoos keeping bonobos and other fission-fusion species, as it clearly shows that the artificial fission-fusion system used in Frankfurt increases the vitality and social dynamic in this group. This also raises the question whether bonobos have an intrinsic drive to leave/join groups to maintain sociability. Keeping long-term vital social groupings is, however, of great importance regarding future conservation efforts.

08.02.2016

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