Zur Gattung
Dama gehören zwei Arten, die zeitweilig als Unterarten betrachtet wurden. Beide werden in VDZ-Zoos gehalten.
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Mesopotamischer Damhirsch während der Brunft im Opel-Zoo Kronberg © Thomas Kauffels, Opel-Zoo
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Mesopotamischer Damhirsch
Dama mesopotamica
Engl.: The Persian, or Mesopotamian, Fallow Deer
Franz.: Le daim de Mésopotamie
Bedrohte Tierart (
Rote Liste: ENDANGERED) bei sehr kleinem Bestand.
Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.
Verbreitung: Iran. Vor 1875 ausgestorben in Irak, Israel, Jordanien, Libanon, Palästina, Syrien, Türkei.
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Junger Mesopotamischer Damhirsch in der Wilhelma - Pressefoto Wilhelma
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Haltung in VDZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Chemnitz, Karlsruhe-Oberwald, Kronberg, München, Stuttgart
Das Internationale Zuchtbuch wird am Tierpark Berlin geführt (KR) und dieser koordiniert auch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Das EEP existiert seit 1989.
Besonderes: Der Mesopotamische Damhirsch war während der letzten Eiszeit in Nordafrika und Vorderasien weit verbreitet und wird auch in der Bibel erwähnt. Heute gehört er zu den am wenigsten bekannten und seltensten Tieren dieser Grösse. Mitte des 20. Jahrhunderts galt er als ausgestorben. Nach
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Mesopotamische Damhirschkuh mit Kalb in der Wilhelma - Pressefoto Wilhelma
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Hinweisen auf einige überlebende Tiere unterstützte
Georg von Opel, der Gründer des Opel-Zoos, mehrere Forschungsreisen in den Iran. 1955 wurden zwei kleine Herden im Dez-Wildschutzgebiet und Karkeh-Wildschutzgebiet in Südwest-Iran entdeckt. Durch die Expeditionen gelangten im Jahr 1958 dreiTiere nach Kronberg in den Opel-Zoo. Sie und einige 1978 aus dem Iran nach Israel ausgeführte Tiere stellen weltweit die Grundlage der Zucht dieser außerordentlich seltenen Tierart dar. Die im Opel-Zoo geborenen Jungtiere werden an andere Tierparks abgegeben, in den letzten Jahren sogar bis in den Zoo Jerusalem, der wiederum in Israel in einem großen Wildreservat eine Zuchtgruppe hält. Ohne das Eingreifen Georg von Opels wäre der Mesopotamische
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Mesopotamische Damhirschkuh im Tierpark Chemnitz © HW, Tierpark Chemnitz
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Damhirsch somit mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgestorben. Derzeit existieren in den Zoologischen Einrichtungen und Wildreservaten insgesamt etwa 500 Tiere.
Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
PD - 26.01.2009
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Damhirsch mit Bastgeweih, Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ
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Europäischer Damhirsch
Dama dama
Engl.: The European Fallow Deer - Franz.: Le daim européen
In ihrem Ursprungsland Türkei ist die autochthone Population hoch bedroht. Da die Art aber in vielen Ländern Europas und anderer Weltegionen eingebürgert wurde, ist sie nicht gefährdet (
Rote Liste: LEAST CONCERN).
Der internationale Handel fällt nicht unter CITES.
Verbreitung: Nach der Eiszeit kam der Damhirsch vermutlich in der Türkei, auf dem Balkan in Süditalien und auf Sizilien vor. Durch die Phönizier, Römer und Normannen wurde die Art in
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Damwild im Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ
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Europa weiter verbreitet, wobei die meisten gegenwärtigen Populationen auf spätere Ansiedlungen zurückgehen. Ausserhalb Europas wurde Damwild angesiedelt in Argentinien, Chile, Fidschi, Kanada, Neuseeland, Südafrika, Uruguay und den Vereinigten Staaten.
Haltung in VDZ-Zoos: Berlin-Zoo, Bernburg, Chemnitz, Eberswalde, Goldau, Görlitz, Herberstein, München, Neumünster, Neuwied, Rostock, Schwerin
Besonderes: Die meisten europäischen Damhirsche leben in Wildgattern und dies schon seit langer Zeit. So hat die Tierwelt
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Damtier im Winterkleid im Natur- und Tierpark Goldau © PD, VDZ
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Herberstein ihren Ursprung im Jahr 1675 als Damwildgatter. Durch das intensive Management über viele Generationen treten vermehrt Farbmutationen auf - Schwärzlinge, Weisslinge, Isabellen - die oft rein gezüchtet werden. In Deutschland werden jährlich etwa 50'000 Stück Damwild erlegt, die meisten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, in Österreich etwas über 500. In der Schweiz, wo es keine Jagdgatter gibt, kommt der Damhirsch nicht vor, von einzelnen eingewanderten oder entwichenen Tiere abgesehen.
Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
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Sikahirsch (Cervus nippon), Tierpark Goldau © PD, VDZ
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Sikahirsch
Cervus nippon
Engl.: The Sika Deer - Franz.: Le cerf sika
Der Sikahirsch ist eine kleinere bis mittelgrosse Hirschart, die ursprünglich in China, Japan, Nord- und Südkorea und Taiwan beheimatet war und dort zahlreiche Unterarten ausgebildet hat. Die Abgrenzung der Unterarten von einander ist zum Teil nicht ganz klar und viele Populationen in Zoos wie in freier Wildbahn bestehen aus Unterarthybriden. Dies gilt namentlich für die ausserhalb der natürlichen Verbreitung angesiedelten Bestände (Armenien, Aserbeidschan, Dänemark, Deutschland,
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Sikahirschkuh im Tierpark Goldau © PD, VDZ
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Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Litauen, Madagaskar; Neuseeland; Österreich, Philippinen, Polen, Schweiz, Tschechien, Ukraine, USA). Als Art ist der Sika nicht gefährdet (
Rote Liste: LEAST CONCERN), einzelne Unterarten sind aber bedroht oder in freier Wildbahn ausgestorben. In Gattern ist die Art häufig, so soll es in China etwa 290'000 Stück geben, die für die Fleisch- und Panten- (Bastgeweih-)produktion gehalten werden (
McCULLOUGH, 1999,
McCULLOUGH et al. 2009).
Besonderes: Die meisten der ab Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingeführten Sikahirsche stammen aus Japan. Auch das freilebende Vorkommen am baden-
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Sikahirschkuh im Tierpark Goldau © PD, VDZ
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württembergischen Hochrhein gehört zu dieser kleineren Form. Dieses Vorkommen hat seinen Ursprung im 180 ha großen Gatter Rohrhof bei Küssaberg (Kreis Waldshut), das vom Züricher Fabrikanten Bertschinger 1910 gegründet wurde. Zu Beginn des 2. Weltkriegs wurde das Gatter aufgelöst und die Tiere gelangten in die freie Wildbahn. 1995 wurde die mittlerweile grenzübergreifende Population (im Frühjahr vor der Fortpflanzung) auf ca. 700 Sika geschätzt, wovon ca. 60% auf die deutsche Seite entfielen. Im Jagdjahr 2007/08 wurden in Baden-Württemberg 448 Sikas erlegt, im übrigen Deutschland etwa 800 und in der Schweiz 133 (Min. für Ernährung + ländl. Raum BW; BUWAL, Eidg. Jagdstatistik;
KISTLER, 1995). Der Bestand an wildlebenden Sikas in Österreich liegt bei 8-900.
Japansikas
Japanischer Sika (Cervus nippon nippon), Süd-Honshu , Kyushu, Shikoku Nord-Honshu-Sika (Cervus nippon aplodontus)Hokkaido-Sika (Cervus nippon yesoensis)Kerama-Sika (Cervus nippon keramae) Ryukyu-InselnTsushima-Sika (Cervus nippon pulchellus)
Haltung in VDZ-Zoos (Sika ohne Unterartstatus bzw. Japansika (
C. n. "nippon"): Berlin-Zoo, Goldau, Neumünster
Taiwan-Sika
Cervus nippon taiouanus
In freier Wildbahn ausgestorben
Festland-Sikas
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Vietnam-Sika im Bast © KR, Tierpark Berlin
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Vietnam-Sika
Cervus nippon pseudaxis
Engl.: The Indochinese Sika Deer
Franz.: Le cerf sika du Tonkin
In freier Wildbahn höchstwahrscheinlich ausgerottet (
Rote Liste: EXTINCT IN THE WILD). Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.
Verbreitung: Nördliches Vietnam, heute nur noch in Gehegen, so in den Nationalparks Cuc-Phuong und Cat-Ba. Gesamtbestand ca. 3000 Individuen (
McCULLOUGH, 1999).
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Vietnam-Sikahirschkuh im Sommerkleid mit Kalb © KR, Tierpark Berlin
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Haltung in VDZ-Zoos: Berlin-Tierpark, Dresden, Hamburg, Karlsruhe, Kronberg, Münster, Neunkirchen
Das Europäische Erhaltungzuchtprogramm (EEP) wird vom Tierpark Berlin koordiniert (KR), der auch das Internationale Zuchtbuch führt.
Besonderes: Vietnam-Sikahirsche wurden in ihrer Heimat fast ausgerottet, die Restbestände sind in Gattern in Nationalparks (Cuc-Phuong, Cat-Ba und Ba-Vi) und stehen jetzt unter strengem Schutz. Außerdem gibt es in Vietnam zahlreiche Sikas in Hirschfarmen. Dabei könnte es sich aber um Unterarthybriden
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Vietnam-Sikahirsch im Winterkleid © KR, Tierpark Berlin
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handeln(
McCARTHY et al., 1998). Auch die im Zoo von Hanoi gehaltenen Tiere sollen mit
hortulorum gemischt sein (
McCULLOUGH, 2009). Außerhalb Vietnams leben im Jahr 2009 etwa 450 Tiere in den Tiergärten und Wildparks Europas und Nordamerikas. Im Tierpark Berlin werden Vietnam-Sikahirsche seit über 47 Jahren gehalten, und sind mit 265 Geburten eine der erfolgreichsten Zuchtgruppen des Parks. Im Januar 2008 starb der langjährige Zuchthirsch an Altersschwäche. Er war am 19. März 1991 im Cuc-Phuong-Nationalpark in Vietnam geboren worden, kam 1996 über den Zoo Posen/Polen nach Berlin und erreichte mit fast 18 Jahren, ein wahrhaft methusalemsches Alter für männliche Hirsche.Im Laufe seines Lebens hatte er 3 Nachkommen im Zoo Posen und deren 76 im Tierpark Berlin gezeugt.
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Dybowskihirsche im Tiergarten Nürnberg @ TG Nürnberg
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Dybowskihirsch
Cervus nippon hortulorum (=dybowskii = mantchuricus?)
Verbreitung: Russland (Ostsibirien), Nordost-China, Nordkorea
Haltung in VDZ-Zoos: Nürnberg
Besonderes: Die Systematik der grossen, nördlichen Festlandsikas ist alles andere als klar.
hortulorum wurde 1864 auf der Grundlage eines Hirschs beschrieben, der 1860 in Peking im Park des grossen Sommerplastes des Kaisers von China gehalten worden war.
mantchuricus, ebenfalls 1864 beschrieben, geht auf ein Exemplar aus der Hafenstadt Jingkou zurück, dessen Herkunft unklar ist. Unter dem Namen
dybovskii wurden schliesslich die Hirsche aus der russischen Ussuri-Region beschrieben, die phäntotypisch identisch mit
hortulorum sind. Da diese Hirsche 2n = 68 Chromosomen haben, wie der Rothirsch, und nicht 2n = 64-66, wie die Japansikas, wird spekuliert, dass sie ihren Ursprung in einer Bastardierung mit dem Rothirsch haben könnten (
GEIST, 1998).
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Dybowskihirschs in Russland lag in der Region Primorje (Primorsky Krai) entlang der Küste und in Tälern bis zu 500 m über Meer, im Norden bis an den Ussuri. Nicht nachhaltige Bejagung zur Gewinnung von Bastgeweihen, Föten und Wedeln für die traditionelle orientalische Medizin und von Fleisch führte zu einer drastischen Bestandesabnahme. Um 1970 gab es Vorkommen nur noch an wenigen Orten östlich von Wladiwostock bis zur Ortschaft Olga. In den letzten 25 Jahren haben sich die Bestände aber wieder erholt. Sie besiedeln nun wieder nahezu alle geeigneten Lebensräumen des ursprünglichen Areals und haben ihre Verbreitung in die benachbarte Region Chabarowsk ausgedehnt. Im späten 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Dybowskihirsche auch in anderen Regionen Russlands angesiedelt. Gegenwärtig gibt es rund 3'700 Stück in verschiedenen Naturschutzgebieten (zapovedniks) ausserhalb des natürlichen Areals. Ferner gibt es eine grosse Zahl (mitte 80er Jahre rund 60'000) Dybowskihirsche in Famen, hauptsächlich in der Region Primorje aber auch in der Altai-Region. Nach offiziellen Angaben betrug der Bestand in der Region Primorje nach der Jagdsaison 2000 12'000 Individuen. Damit hat der Dybowskihirsch auch als Beutetier für Amurleopard und Amurtiger an Bedeutung gewonnen (
ARAMILEV, 2009). In Nordostchina gibt es in der Natur nur noch etwa 500 Tiere, aber die meisten der 290'000 Tiere in chinesischen Farmen dürften (reinblütige?) Dybowskihirsche sein (
McCULLOUGH et al. 2009).
Shanxi-Sika (Cervus nippon grassianus), ausgestorben Nordchinesischer Sika (Cervus nippon mandarinus), ausgestorbenSüdchinesischer Sika (Cervus nippon kopschi), stark gefährdetSichuan-Sika (Cervus nippon sichuanicus), stark gefährdet
Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
PD - 05.08.2009