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Freilebendes Wildkaninchen im Allwetterzoo Münster © PD, VDZ
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Das Wildkaninchen ist keine bedrohte Tierart, obwohl seine Bestände im Ursprungsgebiet in letzter Zeit abnehmen (
Rote Liste: LEAST CONCERN). Im Gegenteil, in geeigneten Lebensräumen ausserhalb seines natürlichen Verbreitungs-gebiets verhalten sich eingeführte Kaninchenpopulationen invasiv und können die dort heimische Tierwelt gefährden. Als Stammform des Hauskaninchens und zur Illustration der Problematik der Ansiedlung gebietsfremder Tierarten ist das Wildkaninchen aber von hohem zoopädagogischem Wert.
Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.
Verbreitung: Algerien, Frankreich, Gibraltar, Marokko, Portugal,
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Jahresstrecken. Quelle: Deutscher Jagdschutzverband
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Spanien. Eingeführte Populationen in den meisten westeuropäischen Ländern, Argentinien, Brasilien und den USA, Australien, Neuseeland und auf vielen Inseln rund um Südamerika, Afrika und im Pazifik.
Haltung in VDZ-Zoos: In mehrereren VDZ-Zoos kommen frei lebende Wildkaninchen vor. Haltung in Gehegen gegenwärtig nur in kleineren Tierparks und Wildparks (Wildpark Eichen, Schweinfurt, Tierpark Langer Erlen (Schweiz), Wildpark Wildbichl (Österreich))
Besonderes: Fossilfunde belegen dass das Wildkaninchen während der Warmphasen des Pleistozäns (d.h. den Zwischeneiszeiten) über weite Teile Europas verbreitet war. Während der letzten Eiszeit wurde es auf die Iberische Halbinsel und Nordwestafrika zurückgedrängt, danach besiedelte es zunächst wieder Südfrankreich. Durch den Menschen wurde es seit der Römerzeit weiterverbreitet. Manche künstliche Ansiedlungen missglückten, an anderen Orten, wie Australien, Neuseeland oder Chile entwickelte sich die Kaninchen aber zu einer echten Landplage, der man durch Bejagen, Vergiften oder biologische Massnahmen, d.h. das Aussetzen von Fressfeinden, wie dem Fuchs, oder das absichtliche Verbreiten von Kaninchenkrankheiten Herr zu werden versuchte (
ANGERMAN, 1968).
Zu Beginn des Mittelalters hat es im deutschsprachigen Raum weder zahme noch wilde Kaninchen gegeben. Urkundlich belegt sind die ersten domestizierten Kaninchen in Deutschland 1149, als der Abt des Benediktinerklosters Corvey an der Weser vom Abt des Klosters Saint-Pierre de Solignac (in der Gegend von Limoges, Zentralfrankreich) zwei Paare Kaninchen erbat. In der ersten deutsch-sprachigen Naturgeschichte, dem
Buch der Natur von Konrad von Megenberg (1349) fehlt das Kaninchen, obwohl vermutlich bereits 1231 auf der - damals noch dänischen - Insel Amrum Wild kaninchen ausgesetzt worden waren (
BOBACK, A.W., 1970). Die erste Darstellung eines Wildkaninchens in Deutschland findet sich erst auf einem farbigen Holzschnitt von 1423: Zu Füssen des heiligen Christophorus von Buxheim verlässt ein Wildkaninchen seinen Bau (
HOFMANN, 1992). In Hessen soll Landgraf Moritz bereits im 16. Jahrhundert Kaninchen ausgesetzt haben. Auf Helgoland kam es sicher 1597 schon vor, und zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte ein Rostocker Ratsherr Kaninchen in den Dünen von Warnemünde aus, wo sie alsbald erhebliche Schäden anrichteten.
Wildkaninchen sind Tiere der Tiefländer und dementsprechend ist ihre Verbreitung im deutschsprachigen Raum sehr unterschiedlich. In der Schweiz stösst ihre Verbreitung aus klimatischen Gründen an Grenzen, es gibt nur wenige, lokalisierte Vorkommen in der Gegend von Basel, um Genf, im Mittelwallis und im Tessin, bis vor eiin paar Jahren auch im Berner Seeland. In Österreich kommt es nur in den östlichen Gebieten vor. In Deutschland wurden im Jagdjahr 2007/08 in Nordrhein-Westfalen 133'735 Wildkaninchen erlegt, in Sachsen aber nur 36. Je nach klimatischen Einflüssen und dem Auftreten von Seuchen variieren die Bestände auch von Jahr zu Jahr sehr stark. Nach den Statistiken des Deutschen Jagdschutzberbandes wurde während der letzten zwei Jahrzehnte die höchste Strecke im Jagdjahr 1990/91 mit 860'573 erlegten Kaninchen erzielt, die tiefste im Jagdjahr 2003/04 mit 143'582 Tieren. 2007/08 betrug die Strecke in Deutschland 269'083 Tiere (in der Schweiz gerade mal 14).
Literatur:
GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
HAUSSER, J. (1995)
PD - 22.02.2009