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Berühmte Tiergärtner
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Prof. Dr.Dr.h.c. Julius Kühn
(23. Oktober 1825 - 14. April 1910)

Prof. Dr. Dr. hc Julius Kühn, Haustiergarten Halle
Vergrößerung anzeigen - Wird in einem neuen Fenster angezeigt.Prof. Dr. Dr. h.c Julius Kühn
Der in Halle an der Saale geborene Julius Kühn war der wohl bedeutendste deutsche Agrarwissenschaftler des 19. Jahrhunderts und hat das landwirtschaftliche Universitätsstudium in Deutschland entscheidend geprägt. Man würde ihn also nicht unbedingt in dieser Galerie berühmter Tiergärtner erwarten, und doch hat er hier seinen Platz.

Julius Kühn erhielt eine Ausbildung am Polytechnikum in Dresden. Danach war er in der hauptsächlich in der praktischen Landwirtschaft tätig, befasste sich aber nebenbei mit Krankheiten landwirtschaftlicher Kulturpflanzen und veröffentlichte darüber mehrere Beiträge. 1856 promovierte er an der Universität Leipzig mit der Dissertation „Über den Brand des Getreides und das Befallen des Rapses und über die Entwicklung des Maisbrandes“. Im selben Jahr habilitierte er sich an der Landwirtschaftlichen Akademie in Proskau, ging dann aber wenig später wieder in die landwirtschaftliche Praxis zurück, heiratete und veröffentlichte zwei viel beachtete Lehrbücher.

Am 30. April 1862 wurde Julius Kühn zum ordentlichen Professor für Landwirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ernannt. Ein Jahr darauf erfolgte dort die Gründung des Landwirtschaftlichen Instituts, des ersten Hochschulinstituts dieser Art in Deutschland. Das Neuartige dieses Studienfaches war gegenüber den bis dahin üblichen Landwirtschaftlichen Akademien, dass dazu, neben zwei Semestern naturwissenschaftlichem Grundlagenstudium und vier Fachsemestern, auch praktische und experimentelle Möglichkeiten gehörten.

Zu diesem Zweck richtete Kühn einen systematischer Pflanzgarten, einen 113 Hektar großes landwirtschaftliches Versuchsfeld und einen Haustiergarten ein.

Ausläufe für Grosstiere im Haustiergarten Halle
Vergrößerung anzeigen - Wird in einem neuen Fenster angezeigt.Ausläufe für Grosstiere im Haustiergarten Halle
Der Haustiergarten wurde von 1865 bis 1888 erbaut. Er sollte zur Präsentation möglichst vieler Haustierrassen und der mit ihnen verwandten Tierarten dienen, um den Unterricht in der Tierzuchtlehre zu veranschaulichen. Julius Kühn erwarb dazu mehrere Grundstücke zwischen der Ludwig-Wucherer-Straße, der Adam-Kuckhoff-Straße und der Emil-Abderhalden-Straße, worauf im Sommer 1865 das erste größere Stallgebäude errichtet wurde. Zum Haustiergarten gehörten Stallanlagen für Rinder, Pferde, Esel, Schweine, Schafe, Ziegen, Hunde, Kaninchen, Gänse, Enten und Hühner sowie die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude. In manchen Jahren wurden fast 1000 Tiere für Demonstrationszwecke und Zuchtversuche gehalten. Es war eine einzigartige Haustiersammlung, wie sie sonst nirgendwo in der Welt beieinander war und in der nicht nur die verschiedensten Haustierarten mit ihren zahlreichen Rassen aus geografisch entfernten Gebieten vertreten waren, sondern, soweit wie möglich, auch ihre wilden Stammformen. U.a. erwarb Julius Kühn ein Hengst- und ein Stutfohlen der von Hagenbeck 1901 aus der Wüste Gobi importierten Przewalskipferde.

Der Haustiergarten existierte bis 1969. Die Gesamtanlage ist im Wesentlichen bis heute erhalten geblieben. Ebenfalls erhalten geblieben ist die historisch gewachsene Skelettsammlung.

Am 1. Oktober 1909 wurde Julius Kühn emeritiert. Fast fünf Jahrzehnte hat er die Entwicklung der Agronomie in Deutschland maßgebend mitgestaltet. Von seinem Schaffen zeugen rund 300 Schriften und Aufsätze aus fast allen Teilgebieten der Landwirtschaft. Kühn wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet. So verlieh ihm die Stadt Halle 1895 das Ehrenbürgerrecht und die Universität Krakau 1900 die Ehrendoktorwürde.



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