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Zur Geschichte der Zoos |
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Frühgeschichte
Bereits 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung gab es in den Kulturen zwischen Euphrat und Zentralchina Tierparks. Ägyptische Pharaonen hielten 1800 v. Chr. Tiere in Käfigen bei ihren Palästen. Im Grab des Mer-Ib in Gizeh fand man ein Besitzverzeichnis von 1400 Oryxantilopen, und die Herrscherin Hatschepsut hielt neben ihrer großen Tempelanlage in Theben Indische Elefanten, Giraffen, Antilopen und Strauße.
Der Chinesische Kaiser Wen-Wang besaß, um 1150 v. Chr., Tiger, Nashörner, Schabrackentapire, Riesenschlangen und allerlei Fische. Die kulturelle Bedeutung dieser 400 Hektar großen, "Park der Intelligenz" genannten Einrichtung war nachhaltig: 1833 schrieb Friedrich RÜCKERT die deutsche Adaptation eines Gedichts in Zusammenhang mit dem Park aus der Sammlung von K'ung-fu-tzu. Der Park bestand übrigens bis zum Boxeraufstand 1899/1900 und beherbergte die letzte Herde des Miluhirschs (KUNZE, G., 2000).
883 bis 859 v. Chr. unterhielt der assyrische König Assurnasipal einen seinem Volk zugänglichen Zoologischen Garten, wo. u.a. Löwen und die heute ausgestorbenen Syrischen Halbesel (Equus hemionus hemippus) gezüchtet wurden. (GORGAS & SCHWEINBERGER, 1986)
Antike
Im klassischen Griechenland führte Xenophon im 4. Jahrhundert v. Chr. in Anlehnung an das Altpersische für "Tiergarten" die Bezeichung παράδεισος (Paradies) ein, was eigentlich „Ummauerung“ bedeutet (τεϊχος = Mauer). Tiergärten spielten aber in Griechenland damals wie heute nur eine bescheidene Rolle. Am Hofe Alexanders des Großen wurden jedoch Tiere gehalten und von Aristoteles in seiner mehrbändigen "Περί ζώων ιστορίας" - in lateinischer Übersetzung "Historia animalium" - beschrieben. Im alten Rom wurden Wildtiere für kulinarische Zwecke gehalten, so etwa Kaninchen in Leporarien, oder für Schaukämpfe in Arenen. Der Tierverbrauch dieser Einrichtungen war enorm. Allein bei der Eröffnung des Kolosseums im Jahr 80 n. Chr. wurden 5'000 Tiere getötet. Von der Zeit Sullas (108 v. Chr.) bis Probus (280 n. Chr.) sind zahlreiche solche Gemetzel belegt, denen nachweislich 423'484 Wildtiere zum Opfer fielen (GORGAS & SCHWEINBERGER, 1986).
Der erste eigentliche Zoo wurde von Kaiser Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) gegründet. Hier wurden 3500 Tiere gepflegt, darunter 420 Tiger, 260 Löwen, ein Nashorn und ein Flusspferd, ferner Robben, Bären, Elefanten, Adler, Krokodile und eine Riesenschlange. Kaiser Trajan (59-117 n. Chr.) hielt in seinem Zoo gar 11'000 Tiere. Sein Beispiel machte Schule - so viele Privatpersonen hielten sich Exoten, dass eine Sondersteuer auf Löwen und Leoparden erlassen und die Tierhalterhaftpflicht geregelt werden musste. (POLEY, D., Hrsg. 1993)
Mittelalter
Mit dem Untergang des Römischen Imperiums verschwanden fast alle exotischen Großtiere aus Europa. Kaiser Karl der Große (786-814) unterhielt auf seinen Pfalzen in Aachen, Ingelheim, Nimwegen und in Frankreich Menagerien, die mit Tieren bestückt wurden, die er als diplomatischer Geschenke erhalten hatte, so etwa einem Asiatischen Elefanten und Affen vom Kalifen Harun al Raschid. Den Elefanten, einen etwa 40jährigen Bullen mit Namen „Abul Abaz“ sandte er nach Augsburg, um hier für Freundschaft zu werben. Das Rüsseltier überstand nicht nur den Marsch von der Kaiserpfalz Aachen nach Augsburg, sondern wurde sogar später noch als Kriegselefant gegen den dänischen König Göttrik (Gudrød) eingesetzt, wobei er sich allerdings bei der Rheinüberquerung eine Lungenentzündung holte und verstarb (www.zoo-augsburg.de).
Aber erst mit den Kreuzzügen und den frühren Entdeckungsreisen wurden wieder in größerem Stil Tiere aus fernen Ländern eingeführt, die den Grundstock für Menagerien an Fürstenhöfen bildeten. Kaiser Friedrich der II. von Hohenstaufen (1194), seinen Zeitgenossen auf vielen Gebieten überlegen, war nicht nur der Autor des falknerischen Standardwerks "De arte venandi cum avibus", sondern auch der Erbauer der ersten großen Tiergärten des Mittelalters, in denen er u.a. Tiere hielt, die er im Tausch von anderen Sammlungen erwarb. So sandte er z.B. dem ägyptischen Sultan einen Eisbären und erhielt im Gegenzug eine Giraffe. (POLEY, D., Hrsg., 1993)
Den Herrschern wollten bald einmal der Landadel und das Städtische Patriziat nicht nachstehen. So existierte z.B. in Stuttgart hinter der alten Grafenburg ein Garten, der schon 1350 und 1393 erwähnt und 1451 als "Thiergart" bezeichnet wird (POLEY, D., Hrsg., 1993). Weit herum bekannt war der Zoo der Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger, wo viele Tiere aus Westafrika, Süd- und Mittelamerika gehalten wurden.
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Auch freie Reichsstädte errichteten Menagerien, so Frankfurt (1399), Solothurn (1448) oder Friedberg (1489). Weitaus häufiger als die Haltung fremdländischer Tiere war die Haltung von einheimischem Wild in den Stadtgräben, das in Notzeiten auch schon mal zur Ernährung der Stadtbevölkerung herhalten musste.
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Von der Reformation bis zur Französischen Revolution
Bereits 1571 wurde der Tierpark Sababurg vom damaligen Landgrafen, Wilhelm IV. am Fuße seines Jagdschlosses Sababurg eingerichtet. Auch beim Schloss Herberstein in Österreich wurden schon ab 1675 Tiere gehalten, allerdings war das damals nur ein Hirschgehege, das erst in den 1960er Jahre zum Zoo, der heutigen Tierwelt Herberstein, ausgebaut wurde. mehr
Im Allgemeinen aber gilt der Tiergarten Schönbrunn als der älteste, als „Zoo“ (Menagerie) konzipierte, gegründete und heute noch bestehende Zoo (1752). Wann Schönbrunn dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht wurde, ist nicht überliefert, es muss aber schon vor 1779 gewesen sein (Wikipedia gibt 1765 an, was aber von ASH & DITTRICH nicht bestätigt wird). mehr
Als zweitältester erhaltener Zoo gilt die Menagerie im Jardin des Plantes in Paris (1793). Diese bürgerliche Gründung, welche die königliche Menagerie beim Schloss von Versailles ersetzte, sollte hauptsächlich der naturkundlichen Bildung der Bevölkerung dienen. Ihre Leiter haben auch die Entwicklung der Zoologie nachhaltig beeinflusst. mehr
Das 19. Jahrhundert
Die Zoos des 19. Jahrhunderts verstanden sich vorab als Stätten der Erholung und der Volksbildung. Letzteres war auch der Anlass für die Begründung der Zeitschrift "Der Zoologische Garten", wie aus dem Editorial des ersten Heftes gervorgeht: "Um daher den Garten wirklich auch zu einem Institute für Volksbildung und nicht blos – was man ihm vorgeworfen hat – für Volksbelustigung zu machen, muss das Interesse für eine ernstere Beobachtung der Thiere durch wissenschaftliche Belehrung und Aufklärung über die wichtigsten Phänomene des Lebens derselben, insbesondere auch weil sie im Garten selbst zu Tage treten, geweckt und erhalten werden" (WEINLAND, 1860). WEINLAND fährt weiter: "Neben dem Zwecke der naturwissenschaftlichen Belehrung aber hat sich die Zoologische Gesellschaft, die unseren Garten ins Leben gerufen hat, noch einen zweiten vorgesetzt; es ist der der Acclimatisation neuer Arten oder neuer Racen von Hausthieren.". Dieser Zweck wurde nicht nur in Frankfurt verfolgt, sondern auch im 1854 gegründeten Jardin d'Acclimatisation in Paris und anderen Zoos jener Zeit bis vor dem Ersten Weltkrieg, etwa in Hagenbecks Tierpark .
Im 19. Jahrhundert folgten sich Zoogründungen Schlag auf Schlag: der erste Zoo dieser Generation war London (1828), der sich als erster auch „Zoologischer Garten" nannte. Der 1844 eröffnete Berliner Zoo war der erste deutsche "Zoo" im engeren Sinn und der neunte in Europa. Gefolgt wurde er zwei Jahre später von der damals noch nicht öffentlich zugänglichen Wilhelma. Zur Jahrhundertwende gab es im damaligen Deutschen Reich bereits über 20 Zoos und Schauaquarien. mehr
Um 1870 kam es in der Schweiz gleich zu drei Gründungen: 1869 entstand der Wildpark Langenberg bei Zürich, 1871 der Tierpark Lange Erlen in Basel und 1874 der Zoologische Garten Basel. In Bern scheiterte ein 1871 begonnener Versuch, einen Zoo zu errichten. Immerhin konnte ein kleiner Tierpark für die Hirsche aus den aufgefüllten Stadtgräben errichtet werden. mehr
1855 wurde in Madras der erste Zoo Indiens, 1862 in Melbourne der erste Zoo Australiens und 1864 der Central Park Zoo in Neuyork als erster Zoo Amerikas eröffnet.1882 folgte der Ueno Zoo in Tokyo als erster japanischer Zoo. In Südamerika entstanden die Zoos von Buenos Aires und Rio de Janeiro beide im Jahr 1888, und um 1890 folgte in Gizeh bei Kairo der erste Zoo auf afrikanischem Boden.
Die neueste Zeit
Am 7. Mai 1907 wurde mit der Eröffnung von Hagenbecks Tierpark in Hamburg-Stellingen eine neue Ära der Tiergärtnerei eingeläutet. Carl HAGENBECK (Biographie) hatte seinen „ganz neuartigen Zoologischen Garten“ mit dem Ziel gegründet, „Tiere in größtmöglicher Freiheit vorzuführen und damit gleichzeitig zu zeigen, was die Akklimatisation zu tun vermag.“ mehr
Nur wenig später entstand mit dem Münchener Tierpark Hellabrunn ein zoogeografisch geordneter Landschaftszoo, der nicht auf künstliche Felskulissen sondern auf den Reiz des Standorts, der Isarauen, und dessen Vegetation setzte. Auch dieses Konzept ist heute weit verbreitet. mehr
Einen weiteren Meilenstein stellte die Veröffentlichung des Buchs "Wildtiere in Gefangenschaft - ein Grundriss der Tiergartenbiologie" durch den Schweizer Zoodirektor und Tierpsychologen Heini HEDIGER (Biographie) im Jahr 1942 dar. Mit diesem 1950 auch auf Englisch verlegten Werk etablierte sich die Tiergartenbiologie als eigenständige Disziplin, die mit ihren praktisch anwendbaren Erkenntnissen und ihrem philosophischen Grundgerüst die Weiterentwicklung des Zoos von der Menagerie zum Naturschutzzentrum ermöglicht hat.
Die Zahl der Zoogründungen wuchs im 20. Jahrhundert exponentiell und in den letzten Jahrzehnten wurden auch immer mehr große Schauaquarien eröffnet. Als neue Betriebstypen kamen mit dem Privatauto, Bussen oder Zügen zu befahrende Safariparks, begehbare Affenparks, Extensivhaltungen heimischer Arten in Verbindung mit Naturschutzgebieten, Meeresparks, Vogelparks und andere Spezialzoos hinzu.
Im deutschsprachigen Raum wuchs die Zahl der wissenschaftlich geleiteten und in entsprechenden Zooverbänden organisierten Zoos auf rund 60 an. In Westdeutschland, der Schweiz und Österreich entstanden ab der Zeit des "Wirtschaftswunders" zahlreiche Kleinzoos auf privater Grundlage. Auch Schlossbesitzer, Forstverwaltungen, Kommunen und Vereine eröffneten Tier- oder Wildparks.
In der Deutschen Demokratischen Republik, die auf planwirtschaftlicher Grundlage die Zahl der Zoos auf einen pro Bezirk limitierte, wurden zahlreiche "Heimattiergärten" gegründet, von denen etliche alsbald auch fremdländische Tiere zeigten. mehr
Am Oberrhein, der Heimat zahlloser Vogel- und Kleintierzuchtvereine entstanden zwischen 1960 und 1980 über 70 Vogelparks unterschiedlicher Größe und Qualität.
"Noch nie waren Zoos so vielfältig wie heute, und noch nie waren sie ein so dringend benötigtes Instrument zur Bewahrung der Artenvielfalt, sei es durch direktes Naturschutz-Engagement, durch Zuchtprogramme oder durch Bewusstseinsbildung mit Hilfe lebender Botschafter der Tierwelt." (PETZOLD, D. & SORGE, S., 2007)
Literatur:
ASH, M.G. & DITTRICH, L., Hrsg. (2002)
BOMSEL-DEMONTOY (1994)
BURHENNE, V. Hrsg. (2010)
GEIGY, R., HEDIGER, H. & ARIOLI, R. (1953)
GEIGY, R., LANG, E.M., WACKERNAGEL, H., STUDER, P. & BRÄGGER, K. (1974)
GORGAS & SCHWEINBERGER (1986)
HAGENBECK, C. (1908))
HEDIGER, H. et al. (1978)
HIRSCH, F. & WIESNER, H. (1986)
HUBER, K. (1954)
KIRCHSHOFER, R., Hrsg. (1966)
KLÖS, H.G. (1969)
KLÖS, H.G. & KLÖS, U. (Hrsg., 1990)
KUNZE, G. (2000)
MEIER, E. A. (1997)
OBERLE, R. (1968)
PETZOLD, D. & SORGE, S. (2007)
POLEY, D., Hrsg. (1993)
RIEKE-MÜLLER, A. (2010)
SÄGESSER, H. & ROBIN, K. (1987)
SARASIN, F. (1924)
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Trickfilm |
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