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Berühmte Tiergärtner
Das Tiergartenwesen der DDR
1945, bei Kriegsende, gab es in der Sowjetisch Besetzten Zone gerade mal drei größere, traditionsreiche Zoos, die auch Mitglieder im VDZ waren: Dresden (gegründet 1861), Leipzig (1878) und Halle (1901). Daneben existierten einige Wildgehege, wie Putbus (1833) oder Dahme (1930), Wildparks, wie Moritzburg (1893) und kleinere Tiergärten, wie Sondershausen (1870), Köthen (1884), Bernburg (1909), Eberswalde (1928), Stralsund (1928), Wittenberg (1928), Oschersleben (1930) oder Senftenberg (1931).

Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1949 änderte sich die Situation rasch. Die DDR sah sich als erster Staat, der die Bildungsaufgaben der zoologischen Gärten als "naturwissenschaftliche Schulen des Volkes" gesetzlich fixierte. In § 67 des Gesetzes über das einheitliche sozialistische Bildungssystem heißt es: "zoologische Gärten haben den Bildungsprozess auf allen Stufen zu unterstützen und allen Bürgern die Gelegenheit zu geben, ihre Bildung zu erweitern." (GENSCH, W. 1987).

Im Prinzip hatte jeder der 14 Bezirke sowie Ostberlin Anspruch auf einen Zoologischen Garten, worunter eine wissenschaftlich geleitete Einrichtung mit repräsentativem Tierbestand zu verstehen war. In der Folge kam es zur Gründung des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde (1955) und des ZooParks Erfurt (1959). In Rostock wurde 1956 der im Jahr 1899 gegründete, am Ende des Zweiten Weltkriegs aber nicht mehr existierende Tiergarten als Zoo neu gegründet. Die 1950 bzw.1956 als Heimattierparks gegründeten Tiergärten Magdeburgs und Schwerins wurden 1959 bzw. 1973 in den Status von Zoos erhoben. 1956 übernahm Erhard Frommhold die Leitung des zwei Jahre zuvor gegründeten Tierparks Cottbus und führte auch ihn zum Status eines von acht staatlich anerkannten zoologischen Gärten. 1964 schließlich kam noch der Tierpark Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) als Nummer neun dazu (?). Die Bezirke Gera, Suhl, Neubrandenburg, Potsdam, Frankfurt (Oder) schafften es dagegen nicht, einen Zoo auf die Beine zu stellen. Die Zoos wurden nach ihrer Bedeutung in Kategorien A, B und C eingeteilt.

DDR-Briefmarke Zoo Magdeburg
DDR-Briefmarke Zoo Dresden
DDR-Briefmarke Zoo Halle
DDR-Briefmarke Tierpark Berlin
DDR-Briefmarke ZooPark Erfurt
DDR-Briefmarke Zoo Rostock
DDR-Briefmarke Zoo Leipzig
DDR-Briefmarke Tierpark Cottbus


Beeindruckend war dagegen die Zahl der "Heimattiergärten" und ähnlichen Einrichtungen, die durch lokale Initiativen entstanden, an denen sich Bevölkerung, Kommunen und Betriebe beteiligten, und die zumeist durch das "Nationale Aufbauwerk" unterstützt wurden. Die nachfolgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:


Tierparkgründungen in der DDR

Institution PLZ Ort Eröffnet
Tiergarten Stendal D-39576 Stendal 1952
Aquarium am Nettelbeckufer D-99089 Erfurt 1953
Tiergarten Falkenstein D-08223 Falkenstein 1953
Inselzoo Altenburg D-04600 Altenburg 1954
Tierpark Gotha D-99867 Gotha 1954
Tiergarten Stassfurt D-39418 Stassfurt 1954
Heimatnaturgarten Weissenfels D-06667 Weissenfels 1954
Tiergehege Eisenhüttenstadt D-15890 Eisenhüttenstadt 1954
Tierpark Fasanerie D-99310 Arnstadt 1956
Tierpark im Kurpark Bad Kösen D-06628 Bad Kösen 1956
Tiergehege im Botanischen Garten D-09114 Chemnitz 1956
Heimattierpark Greifswald D-17489 Greifswald 1956
Tierpark Hirschfeld D-08144 Hirschfeld 1956
Tierpark Luckenwalde D-14943 Luckenwalde 1956
Tiergarten Neustrelitz
D-17235 Neustrelitz 1956
Tierpark Bischofswerda D-01877 Bischofswerda 1957
Naturschutz-Tierpark Görlitz D-02826 Görlitz 1957
Heimattierpark Grimmen D-02826 Grimmen 1957
Wisentgehege Damerower Werder D-17194 Jabel 1957
Tierpark Dessau D-06846 Dessau 1958
Schulzoo Schkeuditz D-04433 Schkeuditz-Wehlitz 1958
Tierpark Eilenburg D-04838 Eilenburg 1959
Natur- und Umweltpark D-18273 Güstrow 1959
Zoo Hoyerswerda D-02977 Hoyerswerda 1959
Zoo der Minis Aue D-08280 Aue 1960
Tiergarten Halberstadt D-38820 Halberstadt 1960
Tierpark Worbis (heute: Alternativer Bärenpark) D-37339 Leinefelde-Worbis 1960
Tierpark Tannenkamp D-17438 Wolgast 1960
egapark Erfurt D-99094 Erfurt 1961
Tierpark Gera D-07548 Gera 1962
Martzschpark & Tiergehege Lützen D-06686 Lützen 1962
Tierpark Ueckermünde D-17373 Ueckermünde 1962
Tierpark Klingenthal D-08248 Klingenthal 1963
Tierpark Perleberg D-19348 Perleberg 1964
Aquarium im Naturkundemuseum D-14467 Potsdam 1964
Tierpark Sassnitz D-18546 Sassnitz 1964
Tiergehege Bad Köstritz D-07586 Bad Köstritz 1965
Tierpark Petersberg D-06193 Petersberg 1965
Heimattiergarten Riesa D-01589 Riesa 1965
Tierpark Walbeck D-06333 Walbeck 1965
Tierpark Zittau D-02763 Zittau 1965
Tierpark Weißwasser D-02943 Weißwasser 1966
Tiergehege Zeulenroda D-07937 Zeulenroda 1967
Tierpark Klüschenberg D-17094 Burg Stargard 1968
Tiergarten Delitzsch D-04509 Delitzsch 1968
Tiergehege im Schlosspark D-07318 Saalfeld 1969
Tierpark Suhl D-98527 Suhl 1969
Tiergarten Thum D-09419 Thum 1969
Tropenhaus Bansin D-17429 Seeheilbad Bansin 1970
Tiergarten Eisenberg D-07607 Eisenberg 1971
Natur- und Wildpark Waschleithe D-08340 Waschleithe 1971
Elbepark Hebelei D-01665 Diera-Zehren 1972
Tierpark Aschersleben D-06449 Aschersleben 1973
Tiergehege Albertpark D-01099 Dresden 1973
Tiergehege Dornreichenbach D-04808 Falkenhein 1973
Heimattiergarten Schönebeck D-39218 Schönebeck 1973
Tierpark Hexentanzplatz D-06502 Thale 1973
Tiergehege Cavertitz-Schöna D-04758 Cavertitz-Schöna 1974
Tierpark Clingen D-99718 Greussen-Clingen 1974
Tiergarten Ivenacker Eichen D-17153 Ivenack 1974
Wildpark Christianental D-38855 Wernigerode 1974
Heimattiergarten Fürstenwalde D-15517 Fürstenwalde 1975
Tiergehege Glauchau D-08371 Glauchau 1975
Tierpark Neuruppin-Kunsterspring D-16818 Neuruppin-Kunsterspring 1975
Deutsches Meeresmuseum D-18439 Stralsund 1975
Tierpark Grochwitzer Park D-04916 Herzberg/Elster 1977
Heimattierpark Südpark D-06217 Merseburg 1978
Insektarium des Naturkundemuseums D-09111 Chemnitz 1979
Wildpark der Stadt Leipzig D-04277 Leipzig 1979
Tierpark Wismar D-23966 Wismar 1979
Tiergehege Westerhausen D-06484 Westerhausen 1980
Schauaquarium Bördezoo D-39387 Oschersleben 1982
Tierpark Geithain D-04643 Geithain 1985
Tiergarten Sonneberg D-67346 Sonneberg 1985
Oderbruchzoo D-16259 Altreetz-Oderbruch 1986


Die Zoos wurden vor allem als kulturelle Einrichtungen gesehen und unterstanden folgerichtig dem Kulturministerium. Diesem wurde als beratendes Organ eine Kommission beigegeben, der die Leiter der großen Tiergärten sowie dreier Heimattiergärten angehörten (SCHÄDLICH, M., 2002). 1969 wurde der Direktor des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde, Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Dathe, zum Vorsitzenden dieser Kommission für Tiergärten der DDR berufen. 1974 wurde eine "Richtlinie über die Tätigkeit zoologischer Gärten als Konsultationspunkte für die Heimattiergärten" erlassen. Da sich die Zahl der "Heimattiergärten" bis 1982 auf 125 erhöhte, dürfte die Beratungstätigkeit der Zoos recht umfangreich gewesen sein. Dies umso mehr, als es nicht lange dauerte, bis viele "Heimattiergärten" ihren Tierbestand um Exoten vermehrten.

1982 zählten die Zoos und Heimattierparks insgesamt 17 Millionen Besucher (GENSCH, W. 1987). Dies bei einer Einwohnerzahl der DDR von damals 16.7 Millionen.

Heinrich Dathe, ohne den im Tiergartenwesen der DDR kaum etwas ging, war auch Gründer und Leiter der Zoologischen Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften der DDR im Tierpark Berlin, der späteren Forschungsstelle für Wirbeltierforschung. Am 21./22. März 1959 organisierte die Forschungsstelle in der damals noch ungeteilten Stadt Berlin das 1. Symposium über die Erkrankungen der Zoo und Wildtiere. Die folgenden drei Symposien fanden in Warschau, Köln und Kopenhagen statt und wurden jeweils von den dortigen Zoos organisiert. Danach einigte man sich darauf, dass die Forschungsstelle die Organisation übernehmen und die Symposien abwechselnd in einem westlichen bzw. in in einem sozialistischen Land stattfinden sollten. Damit wurde eine Plattform geschaffen, auf der sich Zootierärzte und Zoodirektoren über die Grenzen der politischen Systeme hinweg regelmässig treffen und einen Gedankenaustausch pflegen konnten. Dies war umso wichtiger, als 1968 die Zoodirektoren aus der DDR und Ostberlin aus dem VDZ austreten mussten.

PD - 18.08.2010


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